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Beachvolleyballerin Louisa Lipmann: „Ich musste viele Dinge neu lernen“

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Von: Patrick Reichelt

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Noch immer ein etwas ungewohnter Untergrund für die einstmals beste deutsche Hallen-Volleyballerin Luisa Lippmann: Sand.
Noch immer ein etwas ungewohnter Untergrund für die einstmals beste deutsche Hallen-Volleyballerin Louisa Lippmann. © Imago/Beautiful Sports

Beachvolleyballerin Louisa Lippmann über den Wechsel der Felder, fundamentale Fragen und das große Ziel in Paris 2024.

Frau Lippmann, Ihre Beachvolleyball-Partnerin Laura Ludwig hat kürzlich ein Buch über sich veröffentlicht. Das dürfte die Vorbereitung auf die gemeinsame Arbeit erleichtern ...

(lacht) So könnte man das auch sehen. Aber ich muss zugeben, ich habe es noch nicht gelesen. Ich will möglichst unvoreingenommen an das alles herangehen. Aber ich werde es noch lesen.

In ihr Umfeld haben Sie schon hineingeschnuppert. Auch auf großer EM-Bühne. Wie fühlt sich der Entschluss zum Seitenwechsel jetzt an?

Sehr gut fühlt er sich an. Wobei München natürlich als Event überragend war. Wie die Menschen das angenommen haben, wie das organisiert war – da hat München schon einen tollen Job gemacht. Für mich selbst war es natürlich klar, dass dort nicht viel drin ist. Aber ich denke, wir haben uns nicht schlecht verkauft.

Zuvor waren Sie allerdings als Hallen-Volleyballerin über Jahre das Maß der Dinge. Jetzt müssen Sie sich im Sand hinten anstellen. Schwierig?

Naja, ich habe ja gewusst, worauf ich mich einlasse. Dass ich viele Dinge von Grund auf neu lernen muss. Es sind einfach zwei verschiedene Sportarten. Aber ich sehe das als eine Herausforderung. Ich freue mich darauf.

Was auffällt ist: In den letzten eins, zwei Jahren haben sich einige Spielerinnen aus der Halle verabschiedet. Zufall?

In der Pandemie haben ja alle irgendwie plötzlich viel Zeit zum Nachdenken gehabt. Ich denke, einige Sportler haben ihren Weg hinterfragt und sind zu dem Entschluss gekommen, dass der Leistungssport nicht mehr ihr Weg ist. Das war bei mir ja so ähnlich. Ich habe mir auch die Frage gestellt, ob Leistungssport noch das ist, was ich will. Die Antwort war allerdings ein klares Ja. Nur eben auf einem neuen Weg.

Sie haben zuletzt in China und Russland ja auch Stationen in schwierigen Umfeldern gehabt. Bestätigt Sie das im Nachhinein auch in ihrem Entschluss?

Naja, Russland zum Beispiel ist ja schon zwei Jahre her, zuletzt habe ich ja in Italien gespielt. Insofern haben solche Dinge jetzt eher keine Rolle gespielt.

Ein Argument für den Seitenwechsel war neben der größeren Freiheit als Beachvolleyballerin auch die vermeintlich größere Chance auf Olympia. Denken Sie an Paris 2024 oder doch langfristiger? Beim Verband werden Se ja schon als Galionsfigur der nächsten Jahre gehandelt.

Zur Person

Louisa Lippmann war die alles überragende deutsche Hallen-Volleyballerin. Im Sommer wechselte die 27-Jährige schließlich die Felder und versucht es seitdem im Sand. Das Ziel ist ambitioniert – mit Rio-Olympiasiegerin Laura Ludwig visiert sie die Olympischen Spiele in Paris an. (FR)

Das habe ich jetzt noch nicht gehört. Aber sagen wir mal so: Ich schließe für mich nichts aus. Jung genug bin ich ja noch. Im Moment allerdings gehen meine Gedanken nur bis Paris. Was danach passiert, wird man sehen.

Erfahrene Trainer sagen, der Anpassungsprozess dauert üblicherweise ein Jahr. Ihnen bleiben nur noch eineinhalb Jahre bis zu den Spielen. Fürchten Sie, dass Ihnen die Zeit davonlaufen könnte.

Klar, wir müssen in eineinhalb hinbekommen, was andere in vier Jahren machen. Das ist nicht viel, aber auch das sehe ich als Herausforderung. Ich werde hart arbeiten und alles versuchen.

Zunächst einmal müssen Sie sich gegen die nationalen Konkurrentinnen durchsetzen, die ja bereits im Einsatz sind. Die haben Sie am Stützpunkt in Hamburg regelmäßig vor Augen. Ist das gut?

Da kann ich eigentlich noch gar nicht viel dazu sagen. Letztlich haben die Teams ja doch einen relativ unterschiedlichen Rhythmus. Insofern läuft man sich da gar nicht so viel über den Weg. Und ganz ehrlich: Wenn ich trainiere, dann schaue ich nicht viel nach links und rechts.

Hilft es, dass Sie eine Partnerin und ein Team an die Seite bekommen, das das Ziel schon erreicht hat. Sogar mehrfach – Laura Ludwig schaffte den Weg nach Olympia zuletzt ja auch mit Meggie Kozuch, deren Weg dem Ihren ja durchaus ähnelt.

Naja, ich bin nicht Meggie Kozuch und auch nicht Kira Walkenhorst. Letztlich muss ich meinen eigenen Weg finden. Aber klar sind die Voraussetzungen natürlich gut. Jürgen Wagner kenne ich ja schon etwas länger, er ist ja eine Art Mentor für mich. Und Laura ist natürlich eine tolle Partnerin. Wir müssen zwar auch noch zusammenfinden, aber ich finde die Chemie soweit schon sehr gut.

Die allerdings selbst nach ihrer Babypause wieder in Wettkampfform kommen muss. Wie sieht ihr Zeitplan aus?

Wir haben jetzt seit einigen Tagen angefangen, zusammen zu trainieren. Aber natürlich haben wir beide zunächst viel individuelle Arbeit zu machen. Laura ist im Aufbautraining und ich muss an der Umstellung arbeiten. In nächster Zeit werde ich ein paar Turniere mit anderen Partnerinnen bestreiten. Ich muss Punkte sammeln, dass wir dann bei den entsprechenden Turnieren starten können. Im November, Dezember werden wir uns zusammensetzen und sehen, wo das sein könnte.

Interview: Patrick Reichelt

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