Beachvolleyball

Ostsee statt Copacabana

Der Beachvolleyball erwacht nach der langen Corona-Zwangspause. Doch die Situation bleibt für viele Teams angespannt. Die Olympia-Quali liegt auf Eis, Preisgelder fehlen. Sponsoren kürzen ihre Zuwendungen. Ein Team will vor Gericht seine Rechte durchsetzen.

Hamburg - Brasilien gestrichen, Rom abgesagt, kein Major vor 10 000 Fans in Hamburg - noch immer leidet auch der Beachvolleyball heftig an den Folgen der Corona-Pandemie. Auf der Welttour gibt es zwar wieder einige kleine sogenannte Ein-Sterne-Turniere. In Deutschland öffneten die von Athleten selbst gegründete Beach-Liga und die nationale Tour einige Spielmöglichkeiten. Doch die großen Vier- oder Fünf-Sterne-Events, auf denen auch Punkte für die Olympia-Qualifikation vergeben werden, sind nicht in Aussicht.

„Das hat uns das komplette Ziel für die Saison genommen“, sagte Sandra Ittlinger aus Berlin, die mit ihrer Partnerin Chantal Laboureur (Stuttgart) eigentlich auf dem Weg nach Tokio noch die Etablierten der Branche wie die Hamburger Olympiasiegerin Laura Ludwig und Margareta Kozuch angreifen wollte.

Maximal je zwei Frauen- und Männer-Teams pro Land können bei den auf den Sommer 2021 verschobenen Olympischen Spielen dabei sein. Kriterium ist die Platzierung in der Weltrangliste. Die Qualifikations-Punkte sind eingefroren: Nach derzeitigem Stand würden Ludwig/Kozuch und die deutschen Meisterinnen Karla Borger und Julia Sude (Stuttgart/Friedrichshafen) in Japan dabei sein. Bei den Männern stehen als einziges deutschen Team die Vize-Weltmeister Julius Thole und Clemens Wickler (Hamburg) auf einem Olympia-Platz.

„Wenn es keine Turnier mehr gibt, ist alles für die Katz“, beschrieb die 26 Jahre alte Ittlinger die frustrierende Situation für die Herausforderer. Statt Reisen an die Copacabana - Rio de Janeiro ist gern auch Trainingsort - wird 2020 die Ostsee zum Sehnsuchtsziel. Womit die nationale Sand-Branche im Corona-Trend liegt.

Mit viel Aufwand sollen zumindest die traditionellen deutschen Meisterschaften in Timmendorfer Strand Anfang September durchgezogen werden. Ob wenigstens ein paar Fans dabei sein können, ist unklar. „Wir sind einfach nur dankbar darüber, dass wir uns überhaupt messen können im Wettkampf“, erklärte Ausnahmespielerin Ludwig. „Das ist ein Privileg im Vergleich zu anderen Ländern“, ergänzte Laboureur.

Auch wirtschaftlich spüren die Beach-Profis die Wucht der Corona-Krise. „Es fällt ein ganzes Jahr Preisgeld weg“, bemerkte Ittlinger. Rund 100 000 Euro kostet unter normalen Bedingungen die Spitzenteams eine Saison auf der Welttour. Die Preisgelder bleiben oft als einziger Verdienst. Wie die anderen Nationalteams genießen Ittlinger/Laboureur zumindest weiter die Unterstützung des Verbandes.

Andere Duos wie Kim Behrens und Cinja Tillmann (Münster), denen der Status Nationalteam fehlt, müssen noch mehr kämpfen. „Wir sind auf die Straße gegangen und haben gesungen“, scherzte die 29 Jahre alte Tillmann mit durchaus ernstem Hintergrund. Auch wenn ihnen die meisten Sponsoren treu blieben, mussten einige ihre Leistungen wegen der Corona-Krise kürzen. „Sportsponsoring ist für sie erstmal zweitrangig. Das verstehen wir auch“, ergänzte Behrens.

Ohnehin schleppt das Team noch Altlasten aus der Vorsaison mit sich rum. Denn obwohl sich Behrens/Tillmann sportlich die Qualifikation für einige Welttour-Turniere erkämpft hatte, meldete der Deutsche Volleyball-Verband nach Weltranglisten-Punkten schlechter stehende Nationalteams für die Events. Das Duo hat beim Landgericht Frankfurt Klage gegen den DVV eingereicht, die jüngst zugelassen wurde. „Das ist das erste positive Zeichen“, sagte Behrens, die Polizistin ist.

Der Streitwert sind die entgangenen Start-, Preis- und Sponsorengelder. Der DVV verwies auf die sportlichen Gründe seiner Entscheidung: Die Nationalteams hätten perspektivisch Chancen auf Medaillen bei Top-Events wie Olympia und WM, Behrens/Tillmann nicht. (dpa)

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