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Joshua Kimmich freut sich über das 1:5 gegen Gladbach.

Bundesliga

Bayern nutzen BVB-Patzer

Nach der Niederlage des BVB nutzt Bayern München die Gelegenheit und schließt in der Tabelle auf.  

Der angefressene Klubberater schimpfte live im Fernsehen, der hilflose Torwart sprach von „Kollektivversagen“, und der wütende Kapitän knöpfte sich seine Abwehr-„Bubis“ vor: Nach der ebenso überraschenden wie ernüchternden 1:2 (0:1)-Pleite bei Kellerkind FC Augsburg gab es bei Möchtegern-Meister Borussia Dortmund richtig Zoff. Und am Samstagabend packte Verfolger Bayern München die Gelegenheit beim Schopf und schloss durch einen 5:1-Erfolg bei Borussia Mönchengladbach nach Punkten zu den Schwarz-Gelben auf.

Bosse-Einflüsterer Matthias Sammer sprach „seinem“ BVB bei Eurosport kurzerhand die (Titel-)Reife ab, Keeper Roman Bürki zürnte angesichts böser Patzer seiner jungen Vorderleute: „Ich muss mich immer enorm zusammenreißen, dass ich niemandem den Kopf abreiße.“ Und auch Spielführer Marco Reus schoss sich nach seinem misslungenen 66-Minuten-Comeback auf den „Kinderriegel“ ein, ohne Namen zu nennen.

„Wir schießen uns die Tore selber rein durch zwei individuelle Fehler, so leichtfertig dürfen wir die Bälle nicht verspielen“, sagte Reus. Vor den beiden Gegentoren durch den ehemaligen Dortmunder Dong-Won Ji (24./68.) hatten die jungen Verteidiger Dan-Axel Zagadou (19) und Achraf Hakimi (20) gepatzt. „Die sind unreif, einfach unreif“, kritisierte Sammer die Abwehr (Durchschnittsalter 21), „das Spiel wurde nicht sportlich entschieden, sondern im Kopf.“

Und dort fehlt es laut Sammer bei einigen Borussen, nicht nur in der Defensive. Wie Hakimi und Zagadou habe auch Offensivjuwel Jadon Sancho nicht gewusst, was bei aggressiven Augsburgern auf ihn zukommt. „Mit 19 kannst du noch kein Champion sein“, sagte Sammer, „60 Prozent reichen nicht.“ Gerade gegen vermeintlich schwächere Teams spiele Dortmund „nicht wie Champions, sondern wie eine Durchschnittsmannschaft.“

Tatsächlich hat der BVB in Hannover, Düsseldorf, Nürnberg und Augsburg zehn (!) Punkte verspielt. Allerdings: Titelrivale FC Bayern verlor zu Hause (!) gegen Augsburg, Freiburg und Düsseldorf auch sechs Zähler. Beim BVB wollte Trainer Lucien Favre kein Muster erkennen. „Wir hatten immer unsere Torchancen“, sagte er. Das war auch in Augsburg so, doch mehr als den Anschluss von Joker Paco Alcacer (75.) brachte Dortmund nicht zustande. Favre, der Kollege Manuel Baum laut dessen Aussage nicht zum Sieg gratulierte, fand das BVB-Spiel dennoch „okay“.

Eine Aussage, die Sammer, hätte er sie gehört, wohl endgültig auf die Palme gebracht hätte. „Wenn du Großes erreichen willst und die Wahrheit nicht öffentlich benennst, wird es schwierig“, sagte er. Es sei doch kein Problem, wenn mal einer auf den Tisch haue und sage: „Das geht mir auf den Keks!“ Fände eine solche klare Aussprache nicht statt, sei das „schleichendes Gift“ und erfolgsgefährdend.

Auch Sportdirektor Michael Zorc wollte den Finger zumindest öffentlich nicht in die Wunde legen. „Sehr enttäuscht“ war auch er, aber mehr als eine allgemein gehaltene, nur einminütige Stellungnahme ließ er sich nicht entlocken.

Nur ein Sieg aus den letzten sieben Pflichtspielen, am Dienstag droht nach dem Pokal-Aus im Duell mit Tottenham Hotspur auch der Exit in der Champions League (Hinspiel 0:3). „Das ist eine Phase, die wir schleunigst abstellen müssen“, sagte Reus, „sonst wird es hinten raus sehr, sehr eng.“ Und nix mit dem Titel. (sid)

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