+
Hansi Flick: Coach auf Zeit.

Kommentar

Zeit gewonnen

  • schließen

Bayern München ist weiterhin ein exzellentes Team mit enorm viel Wucht und Spielstärke, sehr viel falsch kann man da eigentlich nicht machen, wenn man den richtigen Zugang zu den Spielern findet. Ein Kommentar,

Hansi Flick kann gut als Platzhalter leben. Sagt er zumindest öffentlich, wenn er gefragt wird. Und weil er jetzt Cheftrainer des FC Bayern ist, wird er oft gefragt. Hansi Flick, der allenthalben als Menschenfänger gelobt wird, als kompetenter, umgänglicher Zeitgenosse, macht es offenbar nichts aus, bestenfalls als Coach auf Abruf zu gelten, als Übergangstrainer, als einer, der nur so lange ehrliche Arbeit verrichten darf, bis ein anderer, womöglich prominenterer Fußballlehrer für den strauchelnden Branchenführer gefunden ist. Bis Weihnachten soll der 54-Jährige die Zügel in der Hand halten. Die dadurch gewonnene Zeit wollen die Münchner Granden nutzen, den Trainermarkt zu sondieren. Bei ausbleibendem Misserfolg könnte Flick gar bis zum Saisonende in vorderster Reihe stehen.

Flick ist in der momentanen Lage der Bayern, die sich aktuell so schwertun mit der Beantwortung der Frage, für welche Art von Philosophie der Klub eigentlich steht, sicher die eleganteste Lösung. Der Mann kennt das Geschäft, kennt den Fußball, er hat zuletzt in einer schwierigen Phase mit zwei, drei kleinen personellen und taktischen Veränderungen die Mannschaft in die Spur gebracht. Dazu bedurfte es keines Hexenwerks. Bayern München ist weiterhin ein exzellentes Team mit enorm viel Wucht und Spielstärke, sehr viel falsch kann man da eigentlich nicht machen, wenn man den richtigen Zugang zu den Spielern findet. Den hat Flick offenbar gefunden, der 4:0-Kantersieg gegen Borussia Dortmund zuletzt hat ihm entscheidenden Rückenwind gegeben.

Dazu erscheinen in dieser Saison, wie schon in der vergangenen, die Klubs an der Tabellenspitze – auch jene vor den Bayern – als nicht so stabil, dass sie nicht einzuholen wären. In der vergangenen Saison lagen die Bajuwaren nach elf Spieltagen sogar sieben Punkte hinter Borussia Dortmund, wer dennoch Meister wurde, ist bekannt. Da nehmen sich die aktuell vier Zähler Rückstand auf Mönchengladbach nicht besonders besorgniserregend aus.

Bayern München weiter im Umbruch

Aber natürlich müssen sich die Bayern schnellstmöglich Gedanken machen, wohin die Reise gehen soll. Mit Flickschusterei, um das Wortspiel einmal zu verwenden, werden sie national weiter reüssieren, international aber sicher ihre Probleme bekommen. Schon jetzt können die Bayern mit den ganz Großen im europäischen Spitzenfußball nicht mithalten, im Viertelfinale in der Champions League, wenn die ganz dicken Schiffe angefahren kommen, stoßen die weiterhin im Umbruch befindlichen Münchner regelmäßig an Grenzen. Eine übergreifende Strategie muss her, ein modernen Erfordernissen angepasstes Spielsystem muss entwickelt werden, das variabler ist, als auf die Treffsicherheit eines Robert Lewandowski zu vertrauen. Hansi Flick ist da wohl nicht der geeignete Mann. Aber er gibt den Verantwortung Tragenden den erforderlichen Spielraum, richtige und weitreichende Entscheidungen zu treffen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion