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Bayern-Trainer Niko Kovac schaut sich das Trauerspiel auf den Rängen der Allianz Arena nicht an. Dann lieber die 1:3 Niederlage gegen den FC Liverpool.

FC Bayern München

Choreo für Arme

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Aus in der Champions League, Abschied aus der Nationalmannschaft, kaputte Choreo. Es läuft nicht gut beim FC Bayern München - alles gesammelt in einem Kommentar.

Es läuft überhaupt nicht gut für den FC Bayern München. Der deutsche Branchenprimus ist erstmals seit 200 Jahren nicht im Viertelfinale der Champions League vertreten. Man rutscht in die kontinentale Bedeutungslosigkeit, hinter Nischenclubs aus exotischen Kleinstländern, auch wenn Ajax Amsterdam oder der FC Porto natürlich schon einen Namen haben.

Da kann auch die wiedergewonnene Tabellenführung in der Bundesliga nicht drüber hinwegtäuschen, und das würde auch kein Bayern-Fan behaupten, zumindest keiner der ehrlichen Vertreter dieser Gattung, die noch einen Funken Anstand in sich tragen. Die gibt es, auch wenn Uli Hoeneß (gestern mit Klatschpappe gleich neben Uhren-Kalle Rummenigge platziert) vielleicht nicht dazu gehört.

Joachim Löw sagt Ciao zu Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng

Der Abschied von der Königsklasse kommt eine gute Woche, nachdem Bundestrainer Joachim Löw gleich drei bayerische Granden aus dem Kader der Nationalmannschaft geworfen hatte: Mats Hummels, der mit dem BVB immer weiter gekommen ist als bis ins Achtelfinale, Thomas Mimimi-Müller und Jerome Boateng, der kleiner Bruder des Prinzen, also des Boatengs, der auf dem Platz im Olympiastadion stand, als die Bayern das Finale in Berlin verloren, die Niederlage, die den Untergang des Stern des Südens einleitete. Aber das ist eine andere Geschichte, eine für die Historiker, in 5 bis 50 Jahren.

Joachim Löw war gestern übrigens auch dabei, als der Liverpool FC über die Bayern hinwegrollte wie ein Doppeldeckerbus, und vielleicht dachte er sich: „Mist, hätte ich den Manuel Neuer mal gleich mit rausgeworfen. Jetzt muss ich nächste Woche wieder nach München. Das sieht doch dann total doof aus.“

Oliver Bierhoff spielt Bayern-Fan

Begleitet wurde Löw von DFB-Teammanager Oliver Bierhoff, der war letzte Woche schon dabei. Diesmal hatte sich Bierhoff wie aus Mitleid einen Bayern-Fan-Schal um den Hals gelegt. Also zumindest bis zum 1:2-Treffer durch Sadio Mané, dann wollte Bierhoff offenbar nicht mehr Fan spielen und der Schal war weg.

Bierhoff war aber nicht der Einzige, dem die Lust am Mitmachen lange vor Abpiff vergangen war. Ein paar Zuschauer hatten schon beim Einlaufen der Mannschaft offenbar keine Lust mehr, nachdem sie viel Geld für die Tickets bezahlt hatten, jetzt auch noch die Arbeit einer Werbeagentur der FC Bayern München AG zu erledigen.

Doch von Anfang an: Wie es so üblich ist, sollten auch in der Allianz Arena Bayern-Mannschaft und deren Fans auf eine denkwürdige Europapokalnacht eingestimmt werden. Und seit die Eintracht durch die Europa League rauscht, weiß jeder, wie das geht: per Riesen-Choreo. Klar will das jeder. 

Dumm nur, wenn der eigene Anhang nix plant, gut aber, wenn man eine Agentur hat, die das erledigt und eine Riesen-Choreo organisiert, die sich über die ganze Ost-Tribüne erstrecken und auf der geschrieben stehen soll: „Pack Ma’s“ (Bayerisch: Schaffen wir es). Wiederum dumm aber, wenn die eigenen Ultras sich davon distanzieren und die Choreo mit einem Banner kommentieren, auf dem deutlich steht „Nein zur Agentur-Choreo“. 

Wenn die Choreo was anderes heißt

Und noch viel dümmer, wenn dann noch nicht mal alle Zuschauer mitmachen, und aus dem geplanten Schriftzug „Pack ma’s“ etwas ganz anderes wird. Nennen wir es beim Namen: „Fick ma’s“ zum Beispiel. Das bleibt nicht unbemerkt in unseren Zeiten und ganz bestimmt nicht unkommentiert.

Aber auch das tiefste Fettnäpfchen ist irgendwann durchschwommen, man schüttelt sich und schaut nach vorne. Das gilt auch für „Mia san Mias“ aus Minga. 

Dort denkt man schon weiter. Gegen Liverpool erstmals zum Einsatz kam offenbar ein so genannter Stimmungsverstärker. Die Rede ist hier nicht von einem Warmupper (die Person, die ein TV-Publikum vorm Sendestart mit Witzchen und Anfeuerungsrufen auf Temperatur bringt), sondern eine Anlage aus Lautsprechern und Megafonen. Damit sollen die Gesänge auf den Rängen koordiniert und die Allianz Arena zu einem Tollhaus werden, in dem sich ein Dezibel-Gewitter aus aneinanderklirrenden Sektgläsern und Klatschpappen entlädt. Gut, war jetzt gegen Liverpool noch nicht ganz so krass, wird aber so, spätestens beim nächsten Sieg. Pack Ma’s!

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