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Tobias Kempe: Sein Vertrag läuft aus - es ist unklar, wie es weitergeht

Darmstadt 98

Baustelle mit Pappkameraden

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Der Fußball-Zweitligist Darmstadt 98 ist finanziell gut aufgestellt, aber der Stadionumbau stockt.

Um wenigstens für einen Anflug von Normalität zu sorgen bei den sich anbahnenden Geisterspielen im Profifußball, ist Kreativität gefragt – und manchmal auch ein guter Drucker. So hat der Zweitligist Darmstadt 98 dieser Tage angekündigt, im Fall der Fälle „die Wichtigkeit der Fans für das Stadionerlebnis an erste Stelle zu stellen“, wie er auf der Vereinshomepage schreibt, und zwar in Form von ausgedruckten Portraits der 11 000 Dauerkarteninhaber, die auf den Plätzen im Stadion am Böllenfalltor platziert würden. Weiter wollen die Lilien allerdings nicht gehen, auf die Erzeugung künstlicher Stimmung verzichtet man, denn „dies würde der SV98 als respektlos gegenüber seinen Anhängern, die an der Partie nicht teilhaben können, empfinden.“

Man darf behaupten, dass das Verhältnis zwischen dem Klub und seinen Fans in diesen schwierigen Zeiten von gegenseitigem Respekt geprägt ist. So haben die Darmstädter den Dauerkarteninhabern die Möglichkeit angeboten, sich den Gegenwert der noch ausstehenden vier Heimspiele auszahlen zu lassen. Doch mehr als 70 Prozent jener, die sich zurückmeldeten, verzichteten zugunsten ihres Lieblingsvereins auf eine Erstattung. Kein unwichtiges Signal in der nicht zuletzt für Darmstadt 98 komplexen Lage, welche die Südhessen seit Neuestem unter der Überschrift „Allgemeine Ableitungen von Corona für den SV 98“ sehr ausführlich auf ihrer Homepage aufzudröseln zu versuchen.

14 Verträge laufen aus

Trotz finanzieller Einbußen durch Corona gibt der Klub an, dass seine „Liquidität zunächst gesichert“ sei und dank konservativen Wirtschaftens keine Insolvenz drohe: „Mittelfristig sind Einnahmen aber selbstverständlich nötig, damit der Verein weiter wirtschaftlich gesund bleiben kann.“ Weshalb die Darmstädter auch um Verständnis für mögliche Geisterspiele werben, die immerhin die TV-Gelder in die Kassen fließen lassen würden.

Was die Krise für den laufenden Stadionumbau bedeuten könnte, lassen die Lilien derweil in Teilen offen. Während die Fertigstellung der Gegengerade im Spätsommer weiter realistisch sei, werde der „Umbau der Haupttribüne insbesondere auf die Finanzierung in der neuen Situation nochmals detailliert überprüft“. Zumindest den Sommer dürfte die in die Jahre gekommene Tribüne unverhofft noch an Ort und Stelle erleben. Beim einen oder anderen Lizenzspieler ist das weniger sicher, gleich 14 Spielerverträge laufen zum 30. Juni aus. Eine durchaus willkommene Gelegenheit in diesen Zeiten, sich neu aufzustellen und Verträge wie zum Beispiel von Besserverdienern wie Tobias Kempe, 30, gemäß der Gegebenheiten neu auszuhandeln oder auslaufen zu lassen.

Beim altgedienten Kempe ist, so hört man, eine Vertragsverlängerung durchaus möglich, und die meisten Lilien-Fans würden es wohlwollend sehen. Ein bisschen Konstanz tut ja gut in Zeiten, in denen man höchstens als Pappkamerad ins Stadion darf.

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