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Will mit den deutschen Korbjägern hoch hinaus: Dennis Schröder.

Basketball-WM

Der große Traum

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Die deutschen Basketballer gehen selbstbewusst in die WM in China. Frankreich ist am Sonntag der erste Gegner.

Dennis Schröder kann es kaum abwarten. „Wir haben uns gut vorbereitet. Jetzt geht’s richtig los.“ Der unumstrittene Anführer der deutschen Basketball-Nationalmannschaft strotzt nur so vor Selbstvertrauen vor der am heutigen Samstag beginnenden Weltmeisterschaft in China mit erstmals 32 Teams. Die Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) trifft am Sonntag (14.30 Uhr) im ersten Vorrundenspiel in der Gruppe G im Shenzhen Bay Sports Centers auf Frankreich. Alle WM-Spiele werden live und kostenlos beim Streamingdienst Magentasport gezeigt, nicht aber im analogen Fernsehen. „Wir sind eines der stärksten deutschen Teams, die es je gab, weil wir so viel Potenzial und Talent haben“, sagte der Aufbauspieler von NBA-Klub Oklahoma City Thunder.

Damit hat er vollkommen Recht. Es ist lange her, dass eine deutsche Nationalmannschaft so viel Qualität in ein internationales Turnier mitbrachte. Schröder, Daniel Theis (Boston Celtics) und Maximilian Kleber (Dallas Mavericks) spielen in der nordamerikanischen Profiliga NBA, der anerkanntermaßen besten Liga der Welt. Die Bayern-Spieler Paul Zipser. Danilo Barthel und Maodo Lo haben auf höchstem Niveau in der Euroleague, der höchsten Spielklasse im europäischen Basketball gespielt. Genauso wie Johannes Voigtmann bei Vitoria.

Bei den großen Erfolgen, dem WM-Bronze 2002 in den USA und dem EM-Silber 2005 in Serbien und Montenegro, wurde die gute Mannschaft vom herausragenden Dirk Nowitzki angeführt. An die bislang letzte Weltmeisterschaft im Jahr 2010 mit deutscher Beteiligung denkt man beim DBB allerdings nur ungern zurück. Sechs Wochen vor Turnierstart in der Türkei sagte Nowitzki seine Teilnahme wegen der Doppelbelastung in der NBA ab. Wie sich herausstellen sollte, war es die absolut richtige Entscheidung. In der folgenden Saison führte er die Dallas Mavericks zur allerersten Meisterschaft und machte sich unsterblich.

Für die DBB-Auswahl war das Turnier ein Desaster. Zwar siegte das Team vom damaligen Bundestrainer Dirk Bauermann vollkommen überraschend gegen den späteren Halbfinalteilnehmer Serbien und locker gegen Basketball-Entwicklungsland Jordanien, verlor aber alle anderen Spiele – darunter das entscheidende Gruppenspiel ums Weiterkommen gegen Afrikameister Angola nach Verlängerung. Bei den Europameisterschaften 2011 und 2013 war nach der Vorrunde Schluss, die WM-Teilnahme 2014 wurde verpasst.

In dieser Phase wurde der Umbruch eingeleitet. Der Bamberger Erfolgstrainer Chris Fleming übernahm 2014 als Bundestrainer, und auch in der Bundesliga und den Vereinen hatte bereits ein Umdenken eingesetzt. Schon in der Saison 2011/2012 wurde die 6+6-Regel eingeführt, die die Klubs verpflichtete, mindestens sechs deutsche Spieler im Zwölfer-Kader zu haben. Die Jugendarbeit wurde in allen Standorten professionalisiert und intensiviert. Die Knospen der Früchte waren bereits bei der Heim-EM 2015 in Berlin zu sehen. Ein letztes Mal schnürte Dirk Nowitzki im Alter von 37 Jahren die Basketballschuhe für Deutschland, die Anführerrolle aber hatte er schon an den Emporkömmling Schröder, damals 21, weitergegeben, der für die Atlanta Hawks spielte.

Obwohl das Team in der extrem schweren Vorrundengruppe ausschied, war die Aufbruchsstimmung unverkennbar. Allein, es fehlte die Erfahrung. Bei der EM 2017 scheiterte die neue Generation erst im Viertelfinale an Spanien. Es fehlten die wichtigen Stützen Paul Zipser und Maximilian Kleber, die von ihren NBA-Klubs keine Freigabe bekommen hatten.

In diesem Jahr ist alles anders. Der einzige, der abgesagt hat, ist Isaiah Hartenstein (21), weil er in der NBA bei den Houston Rockets nächste Saison durchstarten will. Der 2,13-Meter-Mann wäre im starken Kader ohnehin nur Ergänzungsspieler unter den Brettern gewesen. Bundestrainer Henrik Rödl musste sogar hoffnungsvollen Nachwuchsleuten wie Moritz Wagner, Isaac Bonga (beide Washington Wizards) oder Kostja Mushidi (Braunschweig) absagen, weil sie noch nicht genügend Erfahrung besitzen. „Wie gut der Kader ist, muss er aber erst noch im Turnier zeigen“, sagt Rödl. der bei den großen Erfolgen 2002 und 2005 als Spieler dabei war.

„Ich weiß, dass diese Mannschaft ein sehr, sehr gutes Turnier spielen wird, wenn sie an ihr Potenzial rankommt“, ist Rödl überzeugt. In der Gruppe G ist Frankreich der stärkste Gegner. Gegen die Dominikanische Republik und Jordanien ist Deutschland klarer Favorit. Danach hängt vieles von der Tagesform ab. Gleich zehn Teams zählen zum Favoritenkreis. „Es ist das beste Turnier aller Zeiten, so gleichmäßig verteilt – bei dieser Dichte vorherzusagen, wer den Titel holt, ist völlig unmöglich“, sagt Rödl. Der sonstige Überfavorit USA musste zahlreiche prominente Absagen verkraften und muss sich die Favoritenrolle mit anderen ambitionierten Nationen teilen. Frankreich, Spanien, Litauen, USA, Serbien, Türkei, Australien, Kanada, Griechenland können alle eine Medaille gewinnen – „und irgendwo in dieser Ebene sind wir auch“, glaubt Rödl. „Aus meiner Sicht wird Weltmeister, wer vier oder fünf Spiele knapp hintereinander gewinnt.“ Und knappe Spiele wird es in der K.o.-Runde einige geben.

Der große Traum ist natürlich, eine Medaille zu gewinnen und „die Qualifikation für Olympia nächstes Jahr“, sagt Schröder. Dafür muss die DBB-Auswahl unter die zwei besten europäischen Teams bei der WM kommen. Ansonsten muss sie den Umweg Olympia-Qualifikation nehmen.

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