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Basketball-Bundestrainer Herbert: „Ein großer Meilenstein“

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Strahlt Ruhe in hektischen Phasen aus: Bundestrainer Gordon Herbert (re.) mit Franz Wagner. imago images
Strahlt Ruhe in hektischen Phasen aus: Bundestrainer Gordon Herbert (re.) mit Franz Wagner. imago images © HMB-Media/Imago

Bundestrainer Gordon Herbert über den Gewinn von EM-Bronze, die Bedeutung für den deutschen Basketball und welche Änderungen er sich in der Liga wünscht.

Herr Herbert, wie ausgelassen war die Party nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei der Basketball-EM?

Wir haben ein paar Stunden mit allen zusammen gefeiert. Es war großartig für das Team, den Verband und den Staff. Dann war Bettzeit angesagt (lacht).

Es hat 17 Jahre gedauert, ehe eine deutsche Mannschaft wieder eine Medaille gewann. Was bedeutet dieser Erfolg für den deutschen Basketball?

Es war wunderbar auf heimischen Boden zu spielen. Die Identität, die wir mit diesem Team kreiert haben, ist gut für den deutschen Basketball.

Sie haben lange vor der EM gesagt, dass das Ziel eine Medaille ist. Warum waren Sie derart überzeugt?

Ich habe ungefähr vor elf Monaten gesagt, dass das Podium das Ziel ist. Wenn du Ziele setzt, musst du darüber sprechen. Und dann musst du alle dazu bringen, daran zu glauben, dass man es schaffen kann. Wir hatten diesen Glaubensfaktor, insbesondere nachdem wir Slowenien kurz vor dem EM-Turnier in der WM-Qualifikation in München geschlagen haben.

Es war keine leichte Vorbereitung. Sie hatten einige Verletzte, und Absagen. Wie schwierig war der Prozess, um alle Spieler auf ein Level zu bekommen?

Ich hatte gehofft, die zwölf Spieler für den Kader vor dem Supercup in Hamburg berufen zu können. Das mussten wir verschieben. Dennis Schröder war fünf, sechs Tage mit einer Verletzung draußen. Daniel Theis war draußen und wir wussten nicht, wie seine Situation sein wird. Es hing alles in der Luft. Dennis und Daniel haben wirklich hart in der Reha gearbeitet, um zurück zu kommen. Sie haben ein großartiges Beispiel gesetzt. Ich musste einige harte Entscheidungen treffen. Aber jede Entscheidung fiel unter dem Aspekt: Was ist das Beste für das Team?

Die härteste war sicher die Ausbootung des bisherigen Kapitäns Robin Benzing, der gesagt hat, dass er sich auch mit einer Rolle als elfter oder zwölfter Mann zufrieden gegeben hätte. War das ein kleiner Störfaktor?

Ich will nicht ins Detail gehen. Robin hat immer ein großartige Hingabe für die Nationalmannschaft gehabt. Leider endet alles einmal im Leben. Es war eine schwierige Entscheidung. Ich wünsche ihm nur das Beste.

Wann war für Sie klar, dass Dennis Schröder der Kapitän sein wird?

Ich habe mich mit ihm Ende September vor einem Jahr getroffen. Wir haben drei Stunden gesprochen und ich habe da gemerkt, wie viel ihm die Nationalmannschaft bedeutet. Als wir Robin gestrichen haben, war es eine ziemlich leichte Entscheidung. Dennis hat offensichtlich sehr gut gespielt, aber ich bin noch stolzer auf seine Führungsqualitäten. Er hat seine Teamkameraden angefeuert, unterstützt und ist mit gutem Beispiel vorangegangen. Als wir gegen Spanien verloren haben, hat es ihn und uns alle richtig geschmerzt.

War es schwer, dass Team nach dieser Niederlage für das Spiel um Platz drei gegen Polen zu motivieren?

Zur person

Gordon Herbert ist seit vergangenem Jahr Bundestrainer der Basketball-Nationalmannschaft. Der 63-jährige Kanadier trainierte in Deutschland lange Jahre die Frankfurt Skyliners und gewann mit den Hessen 2004 die Meisterschaft sowie 2016 den Fiba-Europe-Cup. Außerdem war er Trainer in Würzburg und Berlin. Der Vater zweier Söhne war Olympiateilnehmer mit Kanada 1986 und spielte viele Jahre als Profi in Finnland, wo er 1994 seine Trainerkarriere begann. (tim)

Ja. Alle waren wirklich Down am Freitag und Samstag. Wir haben mit den Spielern gesprochen und gesagt, dass wir immer noch ein Ziel haben. Es war ein schwieriges Spiel, aber das Wichtigste war, dass wir uns mental von der Niederlage gegen Spanien erholen. Wir sahen müde aus von Zeit zu Zeit im Spiel, aber wir haben einen Weg gefunden.

Ihr Team hat begeisternde Spiele gegen Frankreich, Litauen oder Griechenland, auch gegen Spanien abgeliefert. Was waren die Schlüssel für diese Auftritte?

Das Wichtigste war, die Spieler glauben zu lassen, dass sie diese Teams schlagen können. Zuvorderst waren wir ein Team und dann hatten wir großartige individuelle Leistungen. Das Publikum – erst in München, dann in Köln und Berlin – war unglaublich. Sie haben sich mit den Spielern und unserem Stil identifiziert. Sie standen hinter uns. Es war eine große Ehre für mich, am Seitenrand zu stehen.

Bei all der Lautstärke sahen Sie meistens sehr ruhig aus. Noch stoischer war ihr Assistent Klaus Perwas. Welchen Einfluss hatten er und die anderen Coaches?

Ich habe viele Jahre mit Klaus in Frankfurt zusammengearbeitet. Er hat einen gewissen Biss in den Staff gebracht. Seine Verantwortlichkeit lag auf der Defensive. Ich wollte ein Team um mich herum, dass ich kannte und mit dem ich schon zusammengearbeitet habe. Mit Alan (Ibrahimagic, Anm. d. Red.) habe ich ein Jahr in Berlin gearbeitet. Mit Bret (Brielmaier, Anm. d. Red.) in meiner Zeit bei den Brooklyn Nets. Wir haben uns alle gut komplementiert.

Was kann diese Gruppe von Spielern in den nächsten Jahren noch erreichen?

Das ist Jahr eins in einem Dreijahresplan. Die EM-Medaille ist ein großer Meilenstein, um nach vorne zu gehen. Wir können darauf aufbauen und besser werden. Und jetzt haben wir keinen Angstfaktor vor den anderen Teams. Wir wissen, dass wir gut spielen können. Wir müssen noch ein Spiel gewinnen, um uns für die WM zu qualifizieren und dann ein gutes Team zusammenstellen. Wir hatten einige Spieler wegen Verletzungen nicht dabei: Moritz Wagner, Isaac Bonga, Danilo Barthel. Wir haben eine großartige Gruppe von Spielern.

Deutschland hat in den vergangenen Jahren viele gute Spieler rausgebracht, die in der NBA oder der Euroleague antreten. Was ist aus Ihrer Sicht nötig, damit es noch mehr schaffen wichtige Rollen in ihren Teams einzunehmen? In Deutschland dominieren ja immer noch viele US-Amerikaner das Spiel .

Ich würde gerne sehen, dass sich die Regeln ändern. Zum Beispiel drei Ausländer und zwei oder drei EU-Spieler in der Bundesliga. Wir haben in Deutschland die Sechs-plus-Sechs-Regel, sechs Ausländer und sechs Deutsche im Spieltagskader. Ich mag aber die französische Regel, die vier US-Amerikaner und zwei europäische Spieler zulässt. Oder die spanische, die zwei US-Amerikaner und eine unbegrenzte Zahl europäischer Spieler erlaubt. Berlin hat ein großartiges Beispiel gesetzt, europäischen Basketball zu spielen. Das hat in den letzten Jahren einen großen Einfluss auf den deutschen Basketball gehabt. Ich würde gerne mehr Europäer in der BBL sehen.

Was steht jetzt an bei Ihnen?

Ich fliege nach Finnland in mein Sommerhaus, werde Holzhacken, Landschaftsbau machen und eine Woche lang fischen. Ich werde mir die Hirsche und Elche anschauen und vielleicht sehe ich sogar ein paar weiße Wölfe (lacht).

Interview: Timur Tinç

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