Eigentlich sollten die Olympischen Spiele 2020 in Tokio stattfinden, doch dagegen regt sich Widerstand.
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Eigentlich sollten die Olympischen Spiele 2020 in Tokio stattfinden, doch dagegen regt sich Widerstand.

Olympisches Komitee

Bach spielt auf Zeit

Fechter Max Hartung sagt seine Teilnahme an den Olympischen Spielen ab. Das erhöht den Druck auf das IOC. Innerhalb der nächsten vier Wochen will das IOC über eine Verschiebung entscheiden. 

Das unrühmliche Spiel auf Zeit von Thomas Bach spaltet die Sportwelt, doch Max Hartung stoppt die Uhr: Der Fechter hat seine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio abgesagt und damit den Druck auf das zögerliche Internationale Olympische Komitee (IOC) mit Präsident Bach erhöht. Ein historischer Boykott des gesamten deutschen Teams könnte folgen.

„Ich mache mir Gedanken, wie ich als Sportler dazu beitragen kann, dass wir möglichst alle gut durch die Krise kommen. Für mich war schnell klar, dass das bedeutet, zu Hause zu bleiben“, sagte Hartung, Präsident der Vereinigung Athleten Deutschland.

Die Reaktionen seien „durch die Bank positiv“. Die Kollegen „haben großen Respekt davor“. Daher könnte Hartungs „wahnsinnig traurige“ Entscheidung Signalwirkung besitzen. Alle potenziellen deutschen Olympia-Fahrer sollen in den kommenden Tagen darüber abstimmen, ob sie angesichts der Corona-Pandemie an den Spielen (24. Juli bis 9. August) teilnehmen wollen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) dürfte das Votum seiner Athleten übernehmen.

Kekule versteht Bach nicht

Das bestätigte Verbandspräsident Alfons Hörmann nach einem Videochat mit rund 200 Athleten. „Wir sehen eine unserer wesentlichen Aufgaben darin, die Interessen der Athleten des Team Deutschland, gegenüber dem IOC zu vertreten.“ Insbesondere gehe es darum zu klären, wer von den Athleten zum geplanten oder zu einem alternativen Zeitpunkt teilnehmen möchte.

Geht es nach dem Virologen Alexander Kekule, könnte man sich die Diskussionen sparen. „Ich halte es für ausgeschlossen, dass wir die Olympischen Spiele austragen können“, sagte der Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Uniklinikum Halle/Saale im ARD-Interview.

Doch Bach hofft weiterhin auf eine Austragung der Olympischen und auch Paralympischen Spiele (25. August bis 6. September) – im Sinne der Sportler. „Die Absage würde den olympischen Traum von 11 000 Athleten aus 206 Nationalen Olympischen Komitees und dem IOC-Flüchtlingsteam zerstören. Eine solche Absage wäre die am wenigsten faire Lösung“, sagte der IOC-Präsident dem SWR und erntet dafür Unverständnis von Kekule: „Es gibt für Viren quasi kein tolleres Fest als so eine Veranstaltung.“

Auch die Politik drängt auf eine Verschiebung. „Wie das IOC nach allem, was wir mittlerweile über diese Pandemie wissen, überhaupt noch auf den Gedanken kommen kann, in Kürze Menschen aus aller Herren Länder nach Tokio einfliegen zu lassen, ist mir unbegreiflich“, sagte Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, und forderte: „Das IOC, allen voran natürlich Präsident Bach, muss sich seiner Verantwortung stellen.“

Es gibt aber auch weiterhin Gründe und Unterstützung für die Haltung des IOC. „Stellen Sie sich vor, was das für ein positives Zeichen für die Welt wäre, wenn es uns gelingt, die Olympischen Spiele als erste Veranstaltung nach dieser weltweiten Krise stattfinden zu lassen“, sagte Kanu-Präsident Thomas Konietzko der Zeitung „Neues Deutschland“.

Eine Verschiebung um ein Jahr wäre anders als bei der Fußball-EM auch nicht so einfach zu regeln. Welt- und Europameisterschaften, Weltcups und Qualifikationsturniere rund um den Globus sind auf den olympischen Zeitplan abgestimmt. „Olympische Spiele können Sie nicht verschieben wie ein Fußballspiel am nächsten Samstag“, betonte Bach. Dennoch hat der Fecht-Olympiasieger von 1976 mehrere Szenarien zumindest durchgespielt. Die Verschiebung auf den Herbst, auf Sommer 2021 oder gar auf 2022 seien denkbar. Am wahrscheinlichsten dürfte die Verlegung um ein Jahr sein, was angesichts des bereits fixierten Terminkalenders im Weltsport auch eine monumentale Entscheidung nie da gewesener Dimension wäre. Im Sommer 2021 sind zum Beispiel die Weltmeisterschaften im Schwimmen in Fukuoka/Japan und die der Leichtathleten in Eugene/USA vorgesehen. Gegen 2022 spricht, dass in dem Jahr die Olympischen Winterspiele im Februar und die Fußball-WM im November und Dezember stattfinden.

Nach einer Telefonkonferenz am Sonntag (22.03.2020) entschied sich das IOC gegen eine Komplett-Absage der Sommerspiele. Innerhalb der nächsten vier Wochen soll entschieden werden, ob die Spiele wie geplant stattfinden können oder verschoben werden.

Gespaltene Verbände

Der 66-Jährige erhält auch Zuspruch für sein Vorhaben, die Spiele durchzuführen. „Alle afrikanischen Olympischen Komitees unterstützen diesen Antrag“, sagte Abner Xoagub, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees von Namibia (NNOC). Auch für Tony Estanguet, den Präsidenten des Organisationskomitees der Spiele 2024 in Paris, sei es „noch zu früh zu entscheiden, ob die Olympischen Spiele verlegt werden sollten“.

Wie gespalten die Sportwelt ist, zeigt sich in den USA. Susanne Lyons, die Vorsitzende des Olympischen und Paralympischen Komitees (USPOC), liegt weiterhin auf IOC-Linie. Dafür erntete sie viel Kritik vom mächtigen US-Leichtathletik- und dem ebenfalls einflussreichen Schwimmverband. „Unsere Athleten stehen unter enormem Druck, Stress, und sie haben Angst“, heißt es in dem Schreiben, das von Schwimm-Verbandsboss Tim Hinchey unterzeichnet ist. Daher könnten auch hier weitere Athleten dem Beispiel Max Hartungs folgen. (sid/dpa/FR)

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