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Auswärts unschlagbar

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Von: Günter Klein

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Auch mit einem Handschuh nur schwer einzufangen: Justin Schütz (links) vom EHC München.
Auch mit einem Handschuh nur schwer einzufangen: Justin Schütz (links) vom EHC München. © IMAGO/Eibner

Am Freitag kann der DEL-Tabellenführer einen neuen Auswärtsrekord aufstellen – ausgerechnet beim bisherigen Inhaber Adler Mannheim

Justin Schütz gab zu: Ja, in der Kabine war über die Möglichkeit gesprochen worden, mit einem Sieg in Augsburg etwas zu erreichen, was es in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) seit 21 Jahren nicht mehr gegeben hatte: Dass ein Team zwölf Auswärtsspiele am Stück gewinnt. „Diesen Rekord wollten wir unbedingt einstellen.“ Der Stürmer des EHC München, damals ein Jahr alt gewesen, erkannte auch das Potenzial, das die Geschichte in den kommenden Tagen entwickeln wird. Nächster Gegner, und das auswärts, ist am Freitag Mannheim, der Klub, der 2001/02 diese Zwölferserie vorgelegt hat. „Es wäre perfekt, den Rekord in Mannheim, das ihn bisher hält, ganz für uns zu holen.“ Und noch eine Fügung käme hinzu: Die Adler Mannheim waren das bislang letzte Team, das auf eigenem Eis München besiegen konnte – am 1. November mit 3:2. Anschließend begann die Serie des EHC. Das 6:1 am Sonntag machte das Dutzend voll; Justin Schütz steuerte das 4:1 bei.

Zuhause verliert der souveräne Spitzenreiter EHC ab und zu, in den vergangenen vier Wochen ist ihm das dreimal passiert. „Wir hatten in Heimspielen einige Downs, aber über die Gesamtsituation können wir uns trotzdem nicht beschweren“, kann Trainer Don Jackson diese Ausrutscher leicht nehmen. Doch warum ist seine Mannschaft auf fremdem Eis noch besser, gibt es ein Geheimnis? „Die Frage“, meint der amerikanische Coach, „ist nicht zu beantworten.“ Er und sein Stab würden einfach nur von Spiel zu Spiel planen, denken, leben, „und auf einmal sagt jemand zu uns: ,Oh, ihr habt eine Serie.‘“

Jackson findet: Momentan spiele die Truppe ihr bestes Eishockey, sie sei „on top“. Schmerzlich musste das am Sonntag Augsburg anerkennen. „München hätte auch 15:1 gewinnen können“, meinte Panther-Verteidiger Henry Haase. „In allen Spielen, die ich erlebt habe, seit ich hier bin“, sagte Augsburgs neuer Trainer Kai Suikkanen, der an Weihnachten angefangen hatte, „waren wir dicht dran, hatten immer eine Chance auf den Sieg – doch diesmal nicht. München war unglaublich gut, es hat Talent, Geschwindigkeit, Organisation.“

Die Transfers, die die Münchner tätigten, dienten der eigenen Verstärkung und schwächten direkte Rivalen. Meister Eisbären Berlin brach ohne den zum EHC abgewanderten Torhüter Mathias Niederberger ein. Wolfsburg, vorige Saison bis zum letzten Hauptrundenspieltag vor dem EHC, ist ohne Stürmer Chris DeSousa, der nun für München scort, ins Mittelfeld gerutscht. Den Adlern Mannheim spannte man vor eineinhalb Jahren ihren Kapitän Ben Smith aus, kommende Saison wird mit Nico Krämmer ein weiterer Mannheimer und zudem ein deutscher Nationalspieler wohl zum EHC wechseln.

Aversionen spornen an

München ist bärenstark besetzt – ein wesentlicher Punkt. Was die Auswärts-Rekordserie betrifft, ist sie sicher dadurch begünstigt, dass der EHC in den vergangenen zehn Wochen Reisen zu überwiegend Teams aus der unteren Tabellenhälfte hatte (Ausnahmen: Köln, Bremerhaven, Wolfsburg), aber keines der unangenehmen Pflaster Ingolstadt (2.) und Straubing (4.),

Was den EHC anzuspornen scheint, ist die Atmosphäre, die er in den Stadien der Konkurrenz erlebt: Als Red-Bull-Klub wird München stets mit Aversionen empfangen. Doch die EHC-Spieler schreckt das nicht, im Gegenteil: „Die Pfiffe“, so Verteidiger Konrad Abeltshauser, „geben auch uns Kraft.“

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