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Ausraster nach Alptraum

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Der Star des Abends: Karim Benzema. afp
Der Star des Abends: Karim Benzema. afp © AFP

PSG-Präsident Khelaifi wütet nach dem Champions-League-Aus

Selbst Luka Modric wirkte auf einmal nur noch halb so alt. Wie ein 18-Jähriger, der sich das erste Mal in seinem Leben verliebt hat und die ganze Welt küssen möchte, sprang der Weltstar von Real Madrid in der Nacht zu Donnerstag über den Rasen des gerade im Umbau befindlichen Bernabéu-Stadions. Wie seine Kollegen konnte der geniale Mittelfeldspieler, in Wahrheit ja schon 36, nicht fassen, wie die Königlichen mal wieder die „Remontada“ hinbekommen hatten. So werden bei den Madrilenen die wilden Aufholjagden genannt, die ihren Ursprung in den 80er Jahren haben. Beim 3:1 in einem flirrenden Champions-League-Achtelfinale gegen Paris St. Germain mit seinem Superstar-Dreigestirn Lionel Messi, Neymar und Kylian Mbappé ist es wieder geschehen: Auf das 0:1 vom vielleicht nächsten Sommer für Real kickenden Mbappé (39.) folgten drei Streiche von Karim Benzema (61., 76., 78.). Ein Tor kühler als das andere erzielt. Mit übrigens auch schon 34. Der Franzose ist einer von vielen Real-Spielern, die genau zum richtigen Zeitpunkt zünden. Bei PSG brannten hingegen nur die Sicherungen durch.

Fast schon filmreif mutete der Auftritt von Präsident Nasser Al-Khelaifi an. Der Vereinsboss soll durch die Katakomben gezogen sein und als Höhepunkt zusammen mit Sportdirektor Leonardo versucht haben, in die Schiedsrichterkabine zu gelangen. Dies berichten spanische Medien, teils widersprüchlich und offiziell unbestätigt. Doch die Uefa soll bereits im Bilde sein.

Auslöser des kolportierten Ausrasters war das Tor zum Ausgleich der Madrilenen, vor dem Benzema PSG-Keeper Gianluigi Donnarumma nach Ansicht Al-Khelaifis gefoult haben soll, dabei hatte er den Italiener nur bedrängt. „Ich frage mich, was macht der Videoschiedsrichter? Für mich war das ein Foul. Es ist eine Schande“, sagte PSG-Trainer Mauricio Pochettino in einem Anflug von Realitätsverlust. Äußerungen von Al-Khelaifi sollen weniger zitierfähig gewesen sein.

Für die Uefa ist der Ausraster des Katarers ein delikates Thema, bekleidet der 48-Jährige im europäischen und weltweiten Fußball doch wichtige Posten. Neben dem Tagesgeschäft als PSG-Präsident ist er seit 2019 Mitglied des Uefa-Exekutivkomitees sowie Vorsitzender der Klubvereinigung ECA.

Al-Khelaifi mischt zudem im Organisationskomitee der in diesem Jahr anstehenden WM in seiner Heimat mit. Al-Khelaifi sein Fehlverhalten nachzuweisen, könnte allerdings einfach werden, da ein Real-Mitarbeiter die Szenen per Video festgehalten haben soll. Auch in der PSG-Kabine soll es hoch hergegangen sein. Berichten zufolge soll es dort eine Auseinandersetzung zwischen Neymar und Donarumma gegeben haben.

Das Ende dürfte das Aus in der Königsklasse wohl auch für Pochettino eingeläutet haben. Dem argentinischen Trainer ist es nicht gelungen, dem Pariser Star-Ensemble ein dominantes und den Fähigkeiten entsprechendes Spiel zu verordnen. Messi findet sich noch immer nicht zurecht, und am Ende hängt vieles von Mbappé ab.

Pochettino in der Kritik

Bei PSG müssten sie so langsam begriffen haben, dass man nur mit dem Erwerb von Superstars den Henkelpott nicht gewinnt. 2020 zog man unter Trainer Thomas Tuchel ins Finale ein. Ein halbes Jahr später warf man den Deutschen pünktlich zum Weihnachtsfest raus und holte Pochettino. Tuchel gewann wiederum ein halbes Jahr später die champions League mit Chelsea.

Im Achtelfinale war PSG zuletzt 2019 ausgeschieden – alte Zeiten, die man hinter sich glaubte. „Wir dürfen jetzt nicht alles über den Haufen werfen“, sagte Sportchef Leonardo. Die „L‚Équipe“ brachte es auf den Punkt: „Es ist die Geschichte eines Klubs, der nicht aus seinen Fehlern lernt.“ hel/dpa

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