Ralf Rangnick steigt nicht beim AC Mailand ein.
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Ralf Rangnick steigt nicht beim AC Mailand ein.

AC Mailand

Ausgebremster Ralf Rangnick

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Der schwäbische Allesmacher Ralf Rangnick fängt nicht bei Milan an, weil es auch ohne ihn rund läuft. Vor allem Zlatan Ibrahimovic hat sich gegen den Deutschen aufgelehnt.

Für das einfache Fußvolk hat er nicht viel übrig, will er nicht, mag er nicht, muss er nicht – das findet er zumindest selbst. Schließlich ist er der König. Einst, vor vielen, vielen Jahren, hatte er sich die glitzernde Krone einfach selbst übergestülpt und sie seitdem nicht mehr von seinem Haupt gleiten lassen. Vor kurzem dann, als im Reiche der Lombarden ein furchtloser Ralf versuchte, die Macht zu erlangen, da sah er sich doch tatsächlich dazu gezwungen, die Verhältnisse geradezurücken. Sein Motto: Ich, hier oben – ihr, da unten.

„Wer ist Rangnick? Ich weiß nicht, wer Rangnick ist“, sagte Zlatan Ibrahimovic, der selbsternannte König des Fußballs, der seit Anfang des Jahres zum zweiten Mal beim AC Mailand kickt, nonchalant in einem Interview. Dann stand er auf, lachte, und schritt von dannen.

Mit jener Aussage vor knapp zwei Wochen trug der schwedische Exzentriker, der trotz seines fortgeschrittenen Fußballeralters, 38 Jahre, so herausragend mit dem Ball umgehen kann („Ich fühle mich wie Benjamin Button – ich bin alt geboren und werde jung sterben“), wesentlich dazu bei, dass Ralf Rangnick keinen Job beim AC Mailand erhielt. Nach einem ewigen Vertragspoker, der schon im November des vergangenen Jahres zwischen Milan und dem 62-jährigen Schwaben begonnen hatte, entschied sich der Traditionsverein aus Italien gegen die Anstellung des früheren Hoffenheimer und Leipziger Fußballlehrers.

Stattdessen stattete der Tabellenfünfte der Serie A seinen aktuellen Coach Stefano Pioli mit einem Zweijahresvertrag aus. „Ciao Rangnick, vorwärts Pioli“, titelte die „Gazzetta dello Sport“ daraufhin. Pioli wird ein äußerst gutes Verhältnis zu den Spielern, insbesondere zu Ibrahimovic sowie den beiden gerade aufblühenden Ex-Bundesligaprofis Ante Rebic und Hakan Calhanoglu nachgesagt. „Stefano ist der richtige Mann, um das Team zu führen, das wir wollen: erfolgreich, jung und hungrig“, sagte der Technische Direktor der Mailänder, die Vereinslegende Paolo Maldini. Der Rekordspieler der Rossoneri hatte das Vorhaben, Rangnick in die Modemetropole zu locken, ohnehin nie unterstützt, sollte der Deutsche doch auch den Posten von Maldini übernehmen.

Der falsche Zeitpunkt

Ralf Rangnick, der mit Red Bull bereits über die Auflösung seines Dreijahresvertrages als „Head of Sport and Development Soccer“ verhandelt sowie intensiv Italienisch gelernt haben soll, wollte in Mailand mit voller Machtfülle ausgestattet werden. Trainer und Manager in Personalunion, so wie er es schon aus Leipzig und Hoffenheim kannte.

Die AC-Bosse schienen lange Zeit diesem Wunsch folgen zu wollen, zumal der Klub bis zur Corona-Unterbrechung noch im bedeutungslosen Tabellenmittelfeld rumgekrebst war. Durch die Vertragsverlängerung mit Pioli wäre für Rangnick nun nur der Posten des Sportdirektors geblieben. Zu wenig für dessen ehrgeizige Pläne.

Zuletzt waren aufgrund des erfolgreichen Mailänder Laufs immer mehr Stimmen innerhalb und im Umfeld des Klubs laut geworden, die eine Notwendigkeit des Wachwechsel an der Spitze anzweifelten. Selbst wenn sich die Milan-Bosse demnach am Ende für Rangnick entschieden hätten, wäre er anfangs wohl viel Skepsis und Argwohn ausgesetzt gewesen.

„Milan und Ralf Rangnick sind übereingekommen, dass es aktuell weder der richtige Zeitpunkt ist, noch das Momentum für eine Zusammenarbeit spricht. Deswegen und unter Berücksichtigung der guten Entwicklung und der Ergebnisse unter Trainer Pioli hat man gemeinsam entschieden, dass Ralf Rangnick keine Funktion übernimmt“, teilte Rangnicks Berater Marc Kosicke am Dienstagabend mit.

Erst danach veröffentliche auch der AC Mailand die unter Dach und Fach gebrachte Verlängerung mit Erfolgstrainer Pioli, der seine Mannschaft seit dem Re-Start zu sieben Siegen und zwei Unentschieden gecoacht hatte. Am Dienstag setzte sich Milan mit 2:1 bei Sassuolo Calcio durch. Doppeltorschütze, na logisch: König Zlatan. mit sid

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