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Aufgeblähte Wettbewerbe

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Von: Günter Klein

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Sie springen, was das Zeug hält, damit viele Medaillen verteilt werden können.
Sie springen, was das Zeug hält, damit viele Medaillen verteilt werden können. © dpa

Warum binnen vier Jahren sechzehn olympische Entscheidungen mehr stattfinden - und warum das mitunter doch recht künstlich daherkommt. Ein Kommentar.

Von 93 auf 109 – das ist der olympische Code. Die Winterspiele in Peking haben sechzehn Wettbewerbe mehr im Programm und Medaillensätze zu vergeben als Winter-Olympia in Pyeongchang vor vier Jahren. Frage also: Wurden zwischen 2018 und 2022 so viele neue Sportarten erfunden – oder will das Internationale Olympische Komitee (Achtung, Sarkasmus!) einfach nur der weltweit größten Wintersportnation China mit 300 Millionen begeisterten Eis- und Schneehasen gerecht werden?

Einzige richtige Neuaufnahme ist der Monobob, der bis vor Kurzem ein nur in der einschlägigen Szene bekanntes Einsteiger-Trainingsgerät war. Ansonsten haben Internationales Olympisches Komitee und die natürlich auch nicht unschuldigen Fachverbände neue Wettkampfformate erfunden. Und wie machen sie das? Ganz einfach: Einzelsportler werden zu Mannschaften zusammengespannt – auch mal über den Geschlechtergraben hinweg. Die Winterspiele 2022 erleben eine Inflation aus Team- und Mixed-Wettbewerben.

Mixed im Eiskanal

Das mit dem Mixed ist eigentlich eine gute Sache, gelebte Gendersensibilität im Sport. Beispiel Skispringen: Nachdem die Frauen jahrelang um Legitimation für ihr Tun kämpfen mussten, zeigt sich, dass sie diesen Sport fantastisch beherrschen – die anzustrebende Gleichstellung wird in einem Wettbewerb gemeinsam mit den Männern dokumentiert (Sie erinnern sich sicherlich: der aufgeregt debattierte „Anzugskandal“ um die deutsche Vorzeigespringerin Katharina Althaus).

Doch oft verschwimmt der Begriff von dem, was „Mannschaft“ oder „Team“ sein sollten. Eine Staffel wie die beim Langlauf oder Biathlon ist ein Gemeinschaftswerk, das unerwartete Erlebnisse wie das Silber der deutschen Frauen am Samstag in der Loipe. Wenn aber nur Einzelergebnisse zusammengezählt werden wie im Eiskunstlauf-Teamwettbewerb, wirkt das erzwungen. Und so spannend sie gewesen sein mag: Auch eine Staffel im Rodeln hat keinen natürlichen Ursprung mehr. Aber wahrscheinlich kommt noch das Eiskanal-Mixed: Rodel, Bob, Skeleton in einem – die Deutschen würd’s freuen.

Schließlich, liebes IOC, bietet sich auch der große und wahre Winterteamsport, das Eishockey, zur Erweiterung des Olympia-Programms an. Es gibt für die Spieler Skills Competitions: Wer läuft am schnellsten, schießt am härtesten, beherrscht das Handling der Scheibe? Wenn Einzel- zu Mannschaftssport wächst, muss es auch den umgekehrten Weg geben. Es wäre nur gerecht. Und im Sinne grenzenlosen olympischen Wachstums.

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