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Auf die Trainer kommt es an

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Von: Jürgen Streicher

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Viel los auf dem Goldsteiner Sportplatz: Der FC Heisenrath lässt den Ball laufen. christoph Bockheler
Viel los auf dem Goldsteiner Sportplatz: Der FC Heisenrath lässt den Ball laufen. © christoph boeckheler*

Schlappekicker-Aktion der FR unterstützt Jugendprojekte des FC Heisenrath mit Förderpreis.

Gekickt wird fast unter der Einflugschneise von Osten zum Flughafen. Der Lärm der Autos auf der A 5 läuft als Dauerschleife mit. Das hört hier niemand, auf dem Sportgelände „Zur Waldau“ zwischen Kleingärten und der Straßenbahn nach Niederrad ist Fußballzeit. In diesen goldenen Oktobertagen ist viel los auf der runderneuerten städtischen Sportanlage Goldstein. In jeder Ecke des Kunstrasenplatzes wird gekickt, Jungs und auffällig viele Mädchen arbeiten mit Ball, Hütchen und Mini-Toren überall verteilt. Die Kleinspielfelder in den Soccer-Käfigen sind voll besetzt.

Montags, mittwochs und freitags bestimmt um diese Zeit der Nachwuchs des FC Heisenrath das Bild auf den Plätzen. Viele kleine und größere Buben, wie schon immer im Fußball, aber auch viele junge Mädchen, deren Familien aus Pakistan, Sri Lanka, Afghanistan, Iran stammen, aus Polen, Bulgarien, Rumänien – Bulgarien, Rumänien - und leben jetzt alle in Frankfurt. Wichtige Bezugspersonen für sie sind die Trainer/innen und Betreuer/innen. Etwa Beyza Özmen, 20 Jahre jung und mit türkischen Wurzeln, leitet mit viel Spaß das Training, „ihre“ Mädchen sind fast alle schwarz gekleidet. Schwarz-Gold ist die Vereinsfarbe des FC Heisenrath, in Gold die drei verschlungenen Buchstaben FCH, Symbol für die Einheit im Klub. Die Identifikation ist groß, alle tragen das Trikot der „Heisenrather“ mit Stolz. Rund 500 Meter entfernt von den Hochhäusern „Im Heisenrath“, dem Urgrund für die Gründung des Vereins 2013.

„Wir sind alle Frankfurter Jungs“

„Im Heisenrath“ leben viele Migranten, sozial benachteiligte Familien, viele Jugendliche und Kinder. Vom sozialen Brennpunkt wird geredet, es gibt arbeitslose Jugendliche, Perspektiven fehlen. Große Jungs wollten daran etwas ändern, Integration durch Sport zum Beispiel als Perspektive. Jungs mit Wurzeln in Eritrea, in der Türkei. Aber: „Wir sind alle Frankfurter Jungs“, antwortet Abiel Adhanom auf die Frage nach seiner Herkunft. Geboren und aufgewachsen in Frankfurt, wie all die anderen im sechsköpfigen Vorstand. Jetzt wollen sie zurückgeben, was sie selbst bekommen haben, so drückt es Jugendleiter Abiel Adhanom aus.

Sieben Teams hat der Klub gemeldet, fünf im Bereich der Juniorinnen und Junioren, vor allem bei den Mädchen werden es immer mehr, seit die Förderung vor drei Jahren intensiviert wurde. „Es steht und fällt mit den Trainern“, sagt der Jugendleiter. Die gute Arbeit spricht sich rum, es kommen Mädels, die nicht in der Siedlung wohnen, der Kunstrasen hat den Zulauf angekurbelt. Fast 200 Mitglieder hat der Verein, 130 bei der Jugend. Und seit neuestem auch eine Kindergartengruppe, drei Jahre alt sind die Jüngsten, die auf dem Mini-Feld toben.

Seit 2016 ist eine „soziale Partnerschaft“ mit der großen Eintracht gewachsen. Jungs aus der U 19, die auf den Sprung in den Profikader hoffen, kommen zur Hausaufgabenhilfe, sind mal beim Training der „Heisenrather“ dabei. Das hilft beiden Seiten, die einen verlieren das Träumen nicht, die anderen bleiben bodenständig.

Einen Traum haben auch Abiel Adhanom und die anderen Frankfurter Jungs. Nächstes Jahr, zum „Zehnjährigen“, da wäre die Eintracht-Traditionsmannschaft für ein Gastspiel auf dem schicken Goldsteiner Kunstrasen ein echter Knaller. Einen Traum haben auch Abiel Adhanom und die anderen Frankfurter Jungs. Nächstes Jahr, zum „Zehnjährigen“, da wäre die Eintracht-Traditionsmannschaft für ein Gastspiel auf dem schicken Goldsteiner Kunstrasen ein echter Knaller. Erstmals mit einem Schlappekicker-Förderpreis in Höhe von 2000 Euro wurde der FC Heisenrath 2018 für sein Angebot der regelmäßigen Hausaufgabenhilfe und eines Herbst-Camps für Mädchen und Jungen im Alter von acht bis zwölf Jahren ausgezeichnet. Nun, vier Jahre später, wurden nochmals 2000 Euro von der Schlappekicker-Aktion ausgezahlt, um die vorbildliche Rolle des Vereins bei der Förderung des Mädchenfußballs zu würdigen.

Das neueste Projekt nach erster Frauen-Mannschaft und C-Juniorinnen mit Spielerinnen zwischen 12 und 14 Jahren ist eine im Fachjargon als F-Team laufende Kinder-Mannschaft, in der Mädchen zwischen sechs und acht Jahren nicht nur mit Freude ihrem Fußball-Hobby frönen können, sondern seit der Gründung in der Sommerpause auch sofort im Punktspielbetrieb dabei sind. In vielen der Herkunftsländer der Heisenrath-Familien schlichtweg undenkbar. „Wir finden diese neue Initiative absolute Spitze - sie dokumentiert eindrucksvoll, für welche Werte dieser Verein mit all seinem Einfallsreichtum und Engagement steht“, lobte der stellvertretende Schlappekicker-Vorsitzende Harald Stenger bei der Scheckübergabe des Schlappekicker-Förderpreises. 

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