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Der Darmstädter Philip Tietz gegen den Regensburger Scott Kennedy am ersten Spieltag.
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Der Darmstädter Philip Tietz gegen den Regensburger Scott Kennedy am ersten Spieltag.

2. Bundesliga

Auf die Spitze getrieben

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Jahn Regensburg empfängt am Sonntag den SV Darmstadt 98 zu einem Zweitligatopduell. Man hätte es ahnen können.

Jede Veranstaltung, die etwas auf sich hält, braucht natürlich ein vernünftiges Rahmenprogramm, und so darf man den Spielplan-Planern der Zweiten Fußball-Bundesliga eine außerordentliche Weitsicht attestieren. Regelrecht unglaublich, in welch perfekter Konstellation sie die Liga am Wochenende in die Weihnachtszeit verabschieden: Der Tabellendritte (Hamburger SV) trifft im Topduell auf den Vierten (Schalke 04), und drumherum spielt der Zweite (Darmstadt 98) beim Fünften (Jahn Regensburg). Spitzenspiel und Spitzenspielchen garnieren diesen 18. Spieltag, und wahrscheinlich ist das exakt der Jahresabschluss, den dieser lustige Wettbewerb verdient hat.

Während das lautstarke Aufeinanderprallen in Hamburg am Samstagabend von den Strapazen der Fußball-Schwergewichte zeugt, sich zurück in die erste Liga zu wuchten, steht die Partie in Regensburg (Sonntag 13.30 Uhr für die Leichtigkeit der Mittelschicht. Die alten Erstligisten müssen sich nach dem Absturz ja erst einmal schütteln und orientieren, eine Etage tiefer, und in der Phase des Schüttelns und Orientierens können es sich Zweitliga-Platzhirsche wie Regensburg und Darmstadt im Aufstiegsrennen gemütlich machen. Inzwischen wiederholt sich dieser Vorgang jedes Jahr, in unterschiedlichen Konstellationen.

Man bleibt bescheiden

Es liegt dabei in der Natur der Sache, dass die Underdogs nicht aufhören, wie Underdogs zu denken und zu reden. 28 Punkte nach Abschluss der Hinserie, das sei „ein sehr gutes Fundament“, sagte der Regensburger Trainer Mersad Selimbegovic nach der 2:3-Niederlage gegen Werder Bremen – „eine Basis, auf der wir weiter aufbauen können“. Und zwar für die berühmten 40 Punkte, deren Erreichen virtuell den Klassenerhalt bedeuten, und ähnliche Sätze würden auch bei Selimbegovics Darmstädter Kollegen Torsten Lieberknecht nicht weiter auffallen, obwohl dessen Team sogar schon 32 Punkte beisammen hat. Understatement ist die Tugend der Underdogs.

Im Falle der Regensburger bietet der Trend der vergangenen Wochen tatsächlich keinen Anlass, große Töne zu spucken. Vier Niederlagen aus sechs Spielen lautet die Bilanz der jüngsten Spiele. Der Elan des herausragenden Saisonstarts ist ein wenig verflogen. Vielleicht bereits ein Vorgeschmack auf den kommenden Sommer, wenn dem Jahn zwei Schlüsselspieler der laufenden Saison abhandenzukommen drohen. Der neuseeländische Techniker Sarpreet Singh (22), Topscorer des Teams mit fünf Toren uns sieben Assists, ist nur ausgeliehen vom FC Bayern und hat sich für Höheres empfohlen. Und dem Regensburger Regisseur, dem ehemaligen Frankfurter Max Besuschkow, wird zwar der höchste Marktwert bei den Bayern zugeschrieben (zwei Millionen Euro), was den Jahnlern aber vermutlich nichts bringt. Der Vertrag des 24-Jährigen läuft aus, der russische Spitzenklub Spartak Moskau soll interessiert sein.

Bei den Darmstädtern klang es derweil vor der Saison beinahe vermessen optimistisch, als man die Losung ausgab, Ähnliches leisten zu wollen wie in den Vorjahren, also auf einem einstelligen Tabellenplatz landen, irgendwo zwischen Platz fünf und neun. Dabei war gerade der geschätzte Cheftrainer Markus Anfang nach Bremen verschwunden, der alles überragende Torjäger Serdar Dursun nach Istanbul und das isländische Ein-Mann-Kraftwerk Victor Palsson nach Schalke.

Gezwungen zum Glück

Doch die Darmstädter haben den Fluch in einen Segen verwandelt. Bei Anfang dürfen sie im Nachhinein das Gefühl haben, ihn gerade noch rechtzeitig losgeworden zu sein (Stichwort: Impfpassaffäre), zumal Nachfolger Torsten Lieberknecht wie erschaffen wirkt für den Job am Böllenfalltor. Die Torejagd ist erfolgreich den Neuzugängen Phillip Tietz und Luca Pfeiffer aufgetragen worden. Klaus Gjasula erweist sich als der bessere Victor Palsson.

Weitsicht, das hat auch etwas mit Glück zu tun. Das weiß man in Darmstadt, und das wissen die Bauleiter des Zweitligaspielplans. Spitzenspiel und Spitzenspielchen, kurz vor dem Fest: Der Zufall ist am Ende eben doch der beste Planer.

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