1. Startseite
  2. Sport

Auf der Strafbank

Erstellt:

Von: Günter Klein

Kommentare

Eishockey-Freaks: Wladimir Putin (rechts) und Belarus’ Diktator Alexander Lukaschenko. afp
Eishockey-Freaks: Wladimir Putin (rechts) und Belarus’ Diktator Alexander Lukaschenko. afp © AFP

Auch in Putins Lieblingssport Eishockey gibt es Konsequenzen

Wladimir Putin liebt Eishockey, noch im Mai 2021 ist er bei einer Legendennacht in Sotschi neben den einst Größten dieses Sports als Mittelstürmer (was sonst?) aufgetreten. Die Mit- und Gegenspieler wissen Bescheid: Dem Präsidenten ist die Scheibe aufzulegen, freie Bahn zu gewähren, der Torwart hat seinen Schüssen auszuweichen. Am Ende nimmt Putin gerne einen Pokal entgegen, weil er der „Most Valuable Player“ war. Ein jetzt in den sozialen Medien wieder hervorgekramter Clip ist am Wochenende zum Hit geworden: Er zeigt Putin auf einer Ehrenrunde, auf der er einen roten Teppich übersieht – und dilettantisch stürzt.

Putins Einfluss aufs russische Eishockey ist gewaltig. In seinem Zorn über eine Nicht-Meisterschaft seines Lieblingsclubs SKA St. Petersburg oder das Misslingen eines Olympia- oder WM-Turniers der Nationalmannschaft hat er schon mal die Trainer feuern lassen. Doch mit den Problemen von sportlichem Misserfolg wird er sich wohl nicht mehr befassen müssen: Denn auch Russlands Eishockey wird international isoliert. Der Weltverband (IIHF) verkündete am Dienstag, die russischen und belarussischen Mannschaften „bis auf Weiteres“ aus allen Wettkämpfen auszuschließen. Die prestigeträchtige U 20-WM Ende des Jahres, die in Nowosibirsk hätte stattfinden sollen, wurde Russland entzogen. Für die A-WM 2023 in St. Petersburg gab es dagegen noch keinen Beschluss.

Teams verlassen die Liga

Bevor sich der Weltverband IIHF am Montagabend mit Russland befasste, war der Schweizerische Verband mit entsprechenden Forderungen vorgeprescht. Angeschlossen hatten sich dem Antrag nach Angaben von Swiss Ice Hockey mehrere Verbände. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) hat sich an die Seite der baltischen Staaten gestellt, de ähnliche Forderungen erheben. DEB-Präsident Franz Reindl: „Solange dieser unfassbare Krieg nicht aufhört, kann auch der Sport nicht einfach weitermachen.“

Die russisch dominierte Kontinental Hockey League (KHL) wird in ihren Expansionsbestrebungen gebremst – sie wollte das europäische Pendant zur nordamerikanischen NHL werden – empfindlich gebremst. Das lettische Team Dinamo Riga erklärte seinen Austritt, Jokerit Helsinki wird nicht zu den Playoffs antreten. Den finnischen Traditionsverein hatte die KHL 2014 abwerben können. Die Hartwall-Arena gehört drei russischen Oligarchen (Arkadi und Boris Rotenberg, Gennady Timtschenko) – doch nun steuert Geschäftsführer Jari Kurri, einstiger NHL-Star, dem Kurs der Besitzer gegen. Die Fans wollen ohnehin die Rückkehr in die finnische Liga.

Das gut 13 000 Zuschauer fassende Eisstadion in Helsinki sollte auch bei der WM 2022 bespielt werden. Dagegen wehren sich aufgrund der Besitzerkonstellation nun IIHF-Mitgliedsverbände. Der finnische Verband wird die Helsinki-Spiele wohl nach Turku verlegen.

Seinen größten Bewunderer in der IIHF hat Putin verloren: Der Schweizer René Fasel, der noch im Mai das Legendenspiel mit Putin pfiff, ist nach 27 Jahren als Eishockey-Weltpräsident nicht mehr zur Wahl angetreten. Sein Nachfolger Luc Tardif, Frankokanadier, ist der Mann der Nordamerikaner.

Auch interessant

Kommentare