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Geht doch: Manheims Trainer Pavel Gross (l.) mit Pokal und Lächeln und Co-Trainer Mike Pellegrims.

Adler Mannheim

Der auch mal lacht

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Pavel Gross, der neue Meistertrainer der Adler Mannheim: Für den Erfolg geht er durch die Wand.

Thomas Larkin, der Verteidiger der Adler Mannheim, der beileibe kein Torjäger ist, hatte den Puck ins Tor gedroschen, sein Team war deutscher Eishockey-Meister. Handschuhe und Schläger flogen durch die Luft, Spielerfrauen stürmten aufs Eis, der Pokal wurde übergeben, von der Decke regnete es Goldschnipsel – und spannend war am Freitagabend nur noch diese eine Frage: Würde die Eishockeywelt Zeuge eines Lächelns von Pavel Gross werden?

Gross, 50, Deutsch-Tscheche und nun endlich Meistertrainer. Markenzeichen: die Griesgrämigkeit, die nach unten gerichteten Mundwinkel, die stete Blässe. Ein Mann, der die Sieben-Tage-Woche und 24/7 ausstrahlt. Der niemals lacht.

Auch als glückliche Meisterspieler bestätigten die Adler-Cracks noch am Freitagabend in den Interviews auf dem Eis, dass es kein leichtes Leben ist unter dem Vorgesetzten Pavel Gross (der mit Mike Pellegrims einen Assistenten hat, der auch nicht die Herzen erwärmt). Moritz Seider, der 18-jährige Verteidiger, verrät: „Er hat uns unheimlich getriezt und Extraschichten machen lassen.“ David Wolf meint: „Pavel ist ein spezieller Mensch.“ Markus Eisenschmid sagt: „Pavel pusht und pusht, er hört nicht auf.“ Und Marcel Goc freute sich, dass im Trubel die Routine nach einem Spiel außer Kraft gesetzt wurde: „Wir machen die Nacht zum Tage. Wir werden heute nicht so sehr ans Auslaufen und Krafttraining denken.“

Aber klar: Es war Pavel Gross‘ Titel. „Wir sind unglaublich froh, dass Pavel hier ist“, sagt Daniel Hopp, Geschäftsführer und Gesellschafter der Adler und Sohn von Milliardär Dietmar Hopp, dem Mäzen des Fußball-Bundesligisten TSG Hoffenheim. Gross ist die zentrale Figur im „größten Umbau der Vereinsgeschichte“, den Hopp vor eineinhalb Jahren anging. Der Trainer, als Spieler dreimal Meister mit Mannheim, wurde aus Wolfsburg abgeworben und erhielt alle Vollmachten. Für sein konsequentes Arbeiten ist er berühmt. Hopp: „Für ihn gibt es kein links, kein rechts.“ Stürmer Eisenschmid: „Er glaubt an seine Spieler.“ David Wolf: „Pavel ist ein Gewinnertyp, das hat man von Sekunde eins an gemerkt. Ein Mann, der für den Erfolg durch die Wand gehen würde; das ist auf die 25 Jungs übergeschwappt.“

Gross dankte der Adler-Organisation: „Sie hat vieles umstrukturiert und Entscheidungen getroffen, die nicht billig waren.“ In Wolfsburg, wo er dreimal in einer Finalserie am Trainerkollegen Don Jackson (einmal für Berlin, zweimal für München) gescheitert war, hatte er „eine gute Mannschaft. Aber in Mannheim ist die Qualität noch eine Klasse besser.“ Die Spieler hätten nie aufgehört zu lernen und auch richtig reagiert, nachdem München sich im fünften Finale auf ein 4:4 herangespielt hatte. „Ich habe zu den Jungs gesagt: ,Wir hatten plötzlich Angst zu gewinnen. Das ist nicht unser Stil. Just make it happen, go for it!“

Und: Hat Gross gelacht? „Ja, vorhin“, versicherte Daniel Hopp, „und er lacht auch unter der Woche“. Torwart und Final-Star Dennis Endras verweist darauf, dass es vieles gebe „was Presse und Fans nicht sehen“. Zum Beispiel: „Der Pavel ist richtig lustig.“ Vielleicht war das aber nur Ironie.

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