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Wird stolz durchs Land getragen: die Olympische Fackel. dpa
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Wird stolz durchs Land getragen: die Olympische Fackel. dpa

Olympische Spiele

Appell zum Olympia-Boykott

  • VonFelix Lill
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Ein Brief mehrerer Intellektueller sorgt in Japan für Unruhe vor den Olympischen Spielen in Tokio.

Es ist ein Brief, der die Veranstalter:innen nervös machen könnte. 20 Intellektuelle aus Japan haben ihn unterschrieben und stellen damit einen klaren Appell. Sie richten sich aber nicht an die Olympiaorganisator:innen. Vielmehr wenden sich die Gelehrten in einem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, an „die deutschsprachige Öffentlichkeit“. Und von der fordern sie: „Kommen Sie bitte nicht nach Japan!“

Mit Ausländerfeindlichkeit hat das nichts zu tun. Die im ostasiatischen Land prominenten Unterzeichner – darunter der Philosoph Kenichi Mishima, die Politologin Mari Miura, der Soziologe Hiroki Ogasawara, die Schriftstellerin Yoko Tawada und der Politologe Koichi Nakano – erhoffen sich eher so etwas wie Boykott als Solidarität: „Wenn sich eine der durch ihre bisherigen sportlichen Leistungen ausgewiesenen Nationen dazu aufraffen könnte, angesichts der Pandemie-Situation ihre olympische Mannschaft zu Hause zu lassen, würde diese Nicht-Entsendung eine Kettenreaktion unter den teilnehmenden Nationen auslösen.“ Am Ende, so der Gedanke, stünde die Absage von „Tokyo 2020.“

Rund drei Monate vorm geplanten Beginn der Olympischen Spiele von Tokio wollen die Organisatoren davon nichts hören. Sie bemühen sich um Zuversicht und stellen die Freude über den voranschreitenden Fackellauf heraus, auch wenn es hier und da mal ohne Zuschauer sein muss. Doch auch ihnen ist klar, dass im einst so olympiabegeistern Japan längst eine deutliche Mehrheit den Spielen gegenüber skeptisch eingestellt ist. Als in der Pandemie zu unsicher und wegen der immerzu gestiegenen Kosten zu teuer wird Olympia vor allem noch gesehen.

Kaum Vorfreude

Beachtlich mittlerweile: Die Opposition kommt nicht mehr nur aus den ausgewiesen kritischen Zirkeln von Intellektuellen. Längst haben Gesundheitsexpertinnen und -experten offen Zweifel geäußert, dass die größte Sportveranstaltung der Welt in diesem Sommer wirklich ohne weitere Ausbreitung der Pandemie über die Bühne gehen kann.

Auch aus der Wirtschaft, die lange Zeit durch Schweigen auffiel, gibt es schon Gegenstimmen. Sogar unter den gut 100 000 Volunteers, den eigentlich stets eventbegeisterten Freiwilligen während der Olympischen Spiele, hat Kritik an der Organisation zugenommen. So richtig viel Vorfreude ist von keiner Seite mehr zu hören.

„Gegen den gesunden Menschenverstand“ gehe der Plan, die Spiele trotz allem diesen Sommer über die Bühne gehen zu lassen, kritisiert der Offene Brief. Denn in Japan bahnt sich gerade eine vierte Infektionswelle an. Kaum ein Prozent der Bevölkerung ist bisher geimpft worden. Auch bei einer Durchführung ohne Fans aus dem Ausland könne von Sicherheit keine Rede sein. „Es kommen doch die Sportler, ihre Coaches und Trainer, auch Sportfunktionäre und Presseleute. Die Gesamtzahl dieser Mitglieder der Sportwelt dürfte mehrere zigtausend betragen.“

Wohlbemerkt: Viele der Unterzeichner sehen sich selbst als Sportfans. Aber bei diesen Spielen stehen für sie die Gesundheitsrisiken im Vordergrund. Das größte Problem für die Organisatoren aber: Umfragen zufolge dürfte dies der Mehrheitsmeinung entsprechen.

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