1. Startseite
  2. Sport

Angriff auf die Spitze bei der Tour de France

Erstellt:

Von: Manuel Bonke

Kommentare

Hoffnungsträger: Nils Politt, deutscher Straßenmeister.
Hoffnungsträger: Nils Politt, deutscher Straßenmeister. © dpa

Manager Denk will, dass sein Team ganz vorne in Gesamtklassement reinfährt - und verzichtet deshalb auf den Frankfurter Siegerfahrer Sam Benett.

Wäre Ralph Denk (48) kein Radsportmanager, sondern ein professioneller Pokerspieler, könnte man sagen: Er geht All-in. Ein Blick auf das Aufgebot seines Rennstalls Bora-hansgrohe für die Tour de France zeigt: Bora will das Podium im Gesamtklassement und die slowenischen Topfavoriten Tadej Pogacar (23/UAE) und Primoz Roglic (32/Jumbo-Visma) bei der Frankreich-Rundfahrt attackieren.

Für dieses Ziel schreckten Denk, sein sportlicher Leiter Rolf Aldag (53) und Trainer Dan Lorang (40) auch nicht vor knallharten Personalentscheidungen zurück. Neben Kapitän Alexander Wlassow (26) aus Russland befinden sich mit Lennard Kämna (25), Nils Politt (28) und Maximilian Schachmann (28) drei deutsche Fahrer unter den Nominierten.

Komplettiert wird der achtköpfige Kader von den Österreichern Felix Großschartner (28), Patrick Konrad (30), Marco Haller (31) und dem niederländischen Sprinter Danny van Poppel (28). Nicht dabei ist überraschend der Ire Sam Bennett (31), der ursprünglich für Etappensiege im Zielsprint sorgen sollte. „Unser ursprünglicher Plan war es, eine gute Rolle sowohl im Gesamt- als auch im Sprintklassement zu spielen“, erklärte Denk auf dem Weg nach Kopenhagen im Auto.

In der dänischen Hauptstadt startet die diesjährige Tour am Freitag mit einem Einzelzeitfahren. Doch die guten Ergebnisse von Wlassow in den vergangenen Wochen lösten bei Bora-hansgrohe ein Umdenken aus: „Wir hatten uns nicht gedacht, dass Alexander eine so starke Saison fährt. Er hat die Valencia-Rundfahrt und auch die Tour de Romandie gewonnen. Bei der Tour de Suisse wäre er ebenfalls siegreich gewesen, hätte er sich nicht mit Corona infiziert.“

Darum entschied man sich, voll auf die Karte Wlassow zu setzen. Der Russe ist nach überstandener Covid-Infektion wieder absolute im Vollbesitz seiner Kräfte. Die Mannschaft wolle ihn bei der Tour bestmöglich unterstützen, „egal ob in Flachetappen, bei Windschneisen, über Kopfsteinpflaster-Passagen oder im Hochgebirge“. Darum kreierten Denk, Aldag und Lorang ein siebenköpfiges Team um Wlassow, das ihm diese Helfer-Dienste garantieren kann.

Verzicht auf Etappensiege

„Hätte sich Wlassow in den vergangenen Monaten nicht so stark präsentiert und hätte Sam Bennett mehr Rennen gewonnen, wäre es in eine andere Richtung gegangen. Bennett hat zwar einen Saisonsieg für Bora-hansgrohe bei Eschborn-Frankfurt eingefahren – der auch wichtig für uns war – aber wir hätten nichts dagegen gehabt, hätte er mehr Rennen gewonnen“, stellt der Teammanager von Bora-hansgrohe klar. Die Transformation zu einer Mannschaft, die bei den Grand Tours im Kampf um das Gesamt-Klassement mitreden möchte, geht nach dem Sieg beim Giro d’Italia also auch bei der Tour de France weiter. Und dafür verzichtet das Team auf Etappensiege bei Sprintankünften: „Wir sind uns bewusst, dass Bora-hansgrohe dann eher nicht ganz vorne mit dabei ist.“

Unerwünscht sind Etappensiege auf anderem Terrain freilich trotzdem nicht. Sowohl Konrad, Kämna als auch Politt haben in der Vergangenheit bewiesen, dass Etappen für sich entscheiden können – auch dank der aktiven Renngestaltung der Mannschaft von Denk: „Sollten wir diese Ziele erreichen, wäre ich am Ende auf der Champs-Élysées ein sehr glücklicher Teamchef.“

Auch interessant

Kommentare