American Football in Deutschland: Zerrüttete Szene

  • vonKatja Sturm
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Die Fronten zwischen den deutschen Football-Klubs und dem Verband sind verhärtet - Alexander Korosek, Boss der Frankfurt Uuniverse, findet „Alles hat sich um 180 Grad gedreht“.

Das Tischtuch ist zerschnitten“ – so umschreibt Alexander Korosek, der Geschäftsführer von Frankfurt Universe, das aktuelle Verhältnis zwischen dem American Football Verband Deutschland (AFVD) und zumindest dem größten Teil der 32 Vereine der German Football-League (GFL) 1 und 2. Den Grund für den bisherigen Höhepunkt des schon länger gärenden Konfliktes zwischen den beiden Parteien stellt die Coronabedingt geänderte Spielordnung für eine mögliche Saison 2020 dar, die den Klubs seit Mittwoch vorliegt. Darin finden sich laut Korosek einige wichtige Punkte nicht wieder, die in einem gemeinsamen Online-Meeting besprochen waren.

So sollte eigentlich jeder Klub selbst über seine Teilnahme an der ab September geplanten Runde entscheiden können, ohne bei einem Nichtantritt Konsequenzen fürchten zu müssen. In der aktuellen Version des Schriftstücks heißt es jedoch, dass diejenigen, die den Exit wählen, die Lizenz zurückgeben und ihre Absage begründen müssen. Ein alleiniger Verweis auf die Pandemie soll dafür nicht ausreichen. Die Liga behält sich nicht weiter ausgeführte Sanktionen vor. Zudem soll eine Neuerteilung der Lizenz im nächsten Jahr nur möglich sein, wenn der Verein die vielfach kritisierte und abgelehnte Haftungsfreistellungs- und Rechtsmittelverzichtserklärung unterzeichnet.

Korosek vermisst in dem Konzept die im Vorfeld ebenfalls festgelegten Voraussetzungen, dass die GFL-Spiele nur über den Rasen gehen, wenn in jedem Bundesland mindestens 5000 Zuschauer im Stadion zugelassen sind und eine sechswöchige Vorbereitung mit Vollkontakttraining vorgeschaltet werden kann. „Der Verband hat alles um 180 Grad gedreht“, kritisiert Korosek. Eine weitere Kommunikation mit den Verantwortlichen des AFVD ist seiner Meinung nach aussichtslos. Zumal die Uhr tickt. Bis 24. Juli müssen die Vereine der Liga bekannt geben, ob sie in diesem Jahr spielen wollen oder nicht.

Man befinde sich in regem Austausch untereinander, sagt Korosek. Wie Universe holen auch andere GFL-Vertreter juristischen Rat ein. Gemeinsam werden so viele Informationen wie möglich zusammengetragen. Der Chef der „Men in Purple“ sieht für sein Handeln drei Möglichkeiten: Alles juristisch bewerten zu lassen, „aber dafür bleibt vermutlich bis Ende der Woche nicht genügend Zeit“.

Eine klare Absage der Saisonteilnahme, die jedoch mit dem Risiko verbunden wäre, nicht zu wissen, nach welchen Kriterien die Gründe dafür beurteilt werden. Und schließlich einfach abzuwarten. Das würde jedoch als Zusage gewertet werden.

Zuletzt erschien es am wahrscheinlichsten, dass die Hessen auf die Auftritte verzichten. Unter den neuen Voraussetzungen jedoch könnte der Vorjahreshalbfinalist sich gezwungen sehen, für die GFL zu melden. Andererseits ist es schwer vorstellbar, dass eine so zerrüttete Szene wie die der Ei-Träger im Herbst friedlich zusammenfindet.

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