Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Erst ausgepfiffen, dann bejubelt: Spaniens Alvaro Morata. afp
+
Erst ausgepfiffen, dann bejubelt: Spaniens Alvaro Morata. afp

EM 2021

Spaniens Alvaro Morata: Stürmisches Sinnbild

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
    schließen

Der viel kritisierte Alvaro Morata trifft zwar wieder nicht, geht beim spanischen Team aber voran. Plötzlich ist Spanien wieder Titelanwärter.

Und er hat schon wieder kein Tor geschossen, als Mittelstürmer bei einem turmhohen Sieg der eigenen Truppe, 5:0 hieß es beim Abpfiff, sogar einen Elfmeter hat er noch kläglich verballert, dieser Krisenkicker, den das gemeine Publikum bereits vor einer knappen Woche lautstark aus dem Stadionrund gepfiffen hatte. Keine schöne Zeit für ihn, könnte man meinen.

Doch am frühen Mittwochabend war das Gegenteil der Fall. In Sevilla, wo sich die spanische Nationalmannschaft gerade locker-flockig mit fünf Buden gegen die Slowakei ins Achtelfinale und zu ihrem höchsten EM-Erfolg überhaupt geschossen hatte, wurde Alvaro Morata eine gesonderte Huldigung zu Teil. Als der 28-Jährige in der 66. Minute vom Platz trottete, den Kopf trotz des sich anbahnenden Sieges leicht gesenkt, erhoben sich die Menschen von ihren Plätzen und klatschten. Relativ lange sogar, vielleicht 15, 20 Sekunden, begleitet von „Alvaro, Alvaro“-Sprechchören. Die spanischen Nummer sieben, Alvaro Borja Morata Martin, hatte sich auch ohne eigenen Treffer in die Herzen der Fans geschuftet.

Die Spanier waren vor dem abschließenden EM-Gruppenspiel nicht nur in der Heimat, sondern vor allem von den internationalen Experten harsch kritisiert worden. Zu lahm, zu eintönig, irgendwie veraltet sei der auf viel Ballbesitz ausgelegte Spielstil unter Trainer Luis Enrique. Spanien, ein Titelanwärter? Nicht so! Dass die Iberer im vergangenen November mit erfrischendem Offensivfußball der deutschen Auswahl die Schmach von Sevilla (6:0) zugefügt hatten: längst vergessen. Und in all dieser nörgeligen Gemengelage taugte Alvaro Morata eben als Sinnbild des spanischen Spiels. Nett anzusehen, aber nicht erfolgreich. Ein Torjäger, der keine Tore schießt, ist nun mal kein echter Torjäger. Sein Trainer widerspricht aufgebracht: „Morata ist ein großartiger Spieler, der offensiv und defensiv gut arbeitet“, so Luis Enrique: „Er ist wichtig für uns, das weiß er.“ Ähnlich wie Morata war es vor drei Jahren Olivier Giroud ergangen, dem Franzosen, der von Turnieranfang bis -ende stark in der Kritik stand, letztlich aber den Weltmeistertitel mit der Equipe tricolore als Stammspieler feiern durfte.

Am Montag gegen Kroatien

Die spanischen Aversionen zu Morata, der einst von Atletico Madrid entdeckt wurde, schon mit 15, aber zum größeren Stadtrivalen Real wechselte und es dort zum Profi packte, haben eine Vorgeschichte. Er gilt schon seit geraumer Zeit als zu unstet, als ein Mann, der auch im fortgeschrittenen Fußballeralter seine innere Mitte noch nicht gefunden hat. Ständig wechselt er die Vereine: Real Madrid, Juventus Turin, Real Madrid, FC Chelsea, wieder Juventus, in toto 189 Millionen Euro an Ablöse überwiesen die Klubs bisher. Gerade erst wurde seine Leihe in Turin (Stammverein ist der FC Chelsea) für etwa zehn Millionen Euro um eine weitere Saison verlängert. Hohe Beträge, die Moratas Torstatistiken bei den Klubs bisher nur bedingt hergeben.

Im Nationaldress ist der begabte Tennisspieler dagegen erfolgreicher: 20 Treffer in 43 Einsätzen sind eine ordentliche bis gute Bilanz. Ohnehin baut Trainer Luis Enrique auf ihn, will den großgewachsenen Angreifer als Gegenpart zu den eher wuseligen Halbstürmern auf dem Feld haben. Nur mit Schönspielerei, mit kurzen Pässen, geht’s nicht, Körperlichkeit ist ebenso gefragt.

Im Achtelfinale am Montagabend (18 Uhr) in Kopenhagen treffen die Spanier auf den sich langsam steigernden Vizeweltmeister Kroatien, danach könnten auf dem Weg zum Endspiel im Londoner Wembley-Stadion unter anderem Frankreich, Belgien, Portugal oder die Niederlande warten.

Anspruchsvolle Aufgaben, die die Spanier aber nicht fürchten brauchen, wie Trainer Enrique betont: Der klare Sieg gegen das Fußballleichtgewicht aus der Slowakei sei nicht nur eine „Erleichterung“ gewesen, sondern könne jetzt auch befreiende Wirkung auf seine relativ junge Mannschaft haben, „weil wir dieses Resultat durch die Art erzielt haben, wie wir Fußball spielen.“ Spanien, ein Titelanwärter? Na klar!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare