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Nationaltorhüterin Almuth Schult im Einsatz.

Almuth Schult

Klage einer Torhüterin

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Almuth Schult sieht den Frauenfußball vom Verband und den Vereinen zu wenig wertgeschätzt.

Zwei Wochen vor der Bekanntgabe des Kaders der deutschen Frauen-Nationalmannschaft für die WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli) sieht sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit scharfer Kritik konfrontiert. Nationaltorhüterin Almuth Schult prangert den eigenen Verband an, angesichts des europaweiten Frauenfußballbooms auf dem falschen Weg zu sein. „Wir hoffen, dass der DFB den Frauenfußball weiter nach vorne bringt. Aber die Signale, die ich momentan wahrnehme, deuten leider in eine andere Richtung“, sagte die 28-Jährige der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Noch immer nehme sie verbandsinterne Geringschätzung wahr. Die Spielerinnen bekämen seit der Umstrukturierung mit, „wie im DFB in frauenfußballfernen Bereichen über uns gedacht wird. Wie sollen wir denn draußen Vorurteile und Vorbehalte gegenüber dem Frauenfußball abbauen, wenn wir im eigenen Verband noch damit zu kämpfen haben?“ Die 58-fache Nationaltorhüterin kritisiert auch fehlende finanzielle Rückendeckung. „Wir sind dankbar dafür, wie sich die Prämien der Frauen-Nationalmannschaft bei den Turnieren entwickeln“, sagte sie, doch bei den nicht öffentlich kommunizierten Prämien gehe die Entwicklung in die andere Richtung. „Maßnahmen und Länderspiele werden von Geld aus einem Topf gefördert, der sich wirtschaftliche Beteiligung nennt. Dieser wurde deutlich reduziert.“

Selbst in vielen Bundesligaklubs gebe es in der Kommunikation noch viel Potenzial: „Oft werden wir Frauen einfach vergessen. Wir müssen in Deutschland vielleicht auch noch mehr Blockaden im Kopf überwinden. Ich habe gerade mitbekommen, dass es viele Fanclubs von Männervereinen gibt, in deren Statuten der Besuch von Spielen der Frauenteams abgelehnt wird.“ Für diese These spricht, dass der Besuch in der Frauen-Bundesliga mit der Mehrzahl von Lizenzvereinen unter dem Männerdach mittlerweile auf rund 800 abgesackt ist. Den Zuschauerschwund bei Länderspielen – zuletzt in Erfurt gegen Spanien und in Paderborn gegen Japan kamen keine 5000 Zuschauer – ist aus Schults Sicht einer „Fußball-Übersättigung in Deutschland“ geschuldet, was für die Spielerinnen bitter sei, „da wir im Ausland derzeit eine Euphorie spüren mit 40 000, 50 000 oder gar 60 000 Zuschauern bei Highlightspielen in England, Spanien und Italien“. Tatsächlich vermeldete Atletico Madrid beim Ligaspiel gegen den FC Barcelona mit 60 739 Besuchern einen neuen Weltrekord für Frauenvereine, zum englischen Pokalfinale zwischen den Arsenal und Chelsea Ladies im Wembleystadion strömten im Vorjahr 45 423 Besucher. Fast dreimal so viel wie zum deutschen Pendant.

Mit dem am Tag vor dem DFB-Pokalfinale zwischen dem VfL Wolfsburg gegen den SC Freiburg (das nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe begann) veröffentlichten Interview wird nicht nur der Verband unter Druck gesetzt, sondern steht eine Torfrau nun noch stärker unter Beobachtung. Schult war nach ihrer langwierigen Masernerkrankung im Verein und im Nationalteam zuletzt alles andere als fehlerfrei. Die Nachfolgerin der ebenfalls gerne polarisierenden Torhüterin Nadine Angerer ist aktuell bei Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg aber noch die Nummer eins.

Steffi Jones

Die ehemalige Bundestrainerin Steffi Jones hilft beim Gelsenkirchener Frauen-Landesligisten SSV Buer 07/28 im Trainerstab aus. Wie die Zeitungen der „Funke Mediengruppe“ am Mittwoch berichten, soll die in Gelsenkirchen lebende 46-Jährige den Chefcoach Marcel Dietzek bis zum Saisonende dabei unterstützen, den Abstieg der Mannschaft zu verhindern, die derzeit Vorletzter ist.

Seit Jones über einen Kontakt des stellvertretenden Abteilungsleiters Martin Möllenbeck vor gut einem Monat zum Team stieß, läuft es viel besser. Die Gelsenkirchenerinnen holten neun Punkte in kurzer Zeit – offenbar der „Jones-Effekt“.

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