23 Spieler und ihr neuer Chef: Trainer Markus Anfang erklärt den Profis von Darmstadt 98, was er sich künftig von ihnen erwartet.
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23 Spieler und ihr neuer Chef: Trainer Markus Anfang erklärt den Profis von Darmstadt 98, was er sich künftig von ihnen erwartet.

Darmstadt 98

„Alles ist wunderbar“

  • Daniel Schmitt
    vonDaniel Schmitt
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Der neue Chefcoach Markus Anfang leitet erstes Training bei den Südhessen. Eine Verpflichtung von Nicolai Rapp „ist ein Thema“.

Im Anschluss an die sich so ewig lang hinziehende Saison mag es schon den einen oder anderen Fußballlehrer gegeben haben, den es mit großer Freude erfüllte, endlich mal wieder die Beine hochlegen zu dürfen. Faulenzen in den Ferien, das ist ja auch wirklich eine angenehme Sache. Wer will es den Trainern auch verdenken, schließlich streckte sich die abgelaufene Runde coronabedingt ja fast über ein ganzes Jahr. Für Markus Anfang, ebenfalls Fußballlehrer, stellte sich die Situation anders da. Er, der 46 Jahre alte Kölner, hatte nun wirklich genug vom entspannten Urlauben. Seit April 2019 war er ohne Job, seit seiner Entlassung beim 1. FC Köln auf der Suche nach einem neuen – und durfte schließlich Anfang Juli endlich loslegen. Zwar noch ohne Spieler, aber immerhin.

Beim Zweitligisten SV Darmstadt 98 übernahm Anfang den Trainerposten vom freiwillig ausgeschiedenen Dimitrios Grammozis, der übrigens immer noch keinen neuen Arbeitgeber gefunden hat. Anfang also legte los am Böllenfalltor, bezog eine Wohnung in Darmstadt, lebte sich ein und durfte nach einmonatiger Vorbereitungszeit auf die Vorbereitung am Samstag erstmals auch seine Spieler wieder auf dem Übungsfeld begrüßen. „Wir sind Fußballer, der Ball muss rollen. Der Platz ist grün, alles ist wunderbar“, sagte der begeisterte Anfang nach dem Trainingsauftakt: „Die Jungs müssen uns jetzt kennenlernen. Und wir müssen die Jungs kennenlernen.“

Trainingslager im Golfclub

23 Profis versammelte Anfang, neu dabei im Kader war nur der 20 Jahre alte Verteidiger Lars Lukas Mai, den die Südhessen vom Drittligameister Bayern München II loseisen konnten. „Lukas war Leistungsträger bei den Bayern in der Dritten Liga, er war auch bei den Profis dabei. Er hat richtig gute Voraussetzungen und ist ein Leadertyp, obwohl er noch ein junger Kerl ist“, lobte Anfang den talentierten Verteidiger, dessen Entwicklung eine Liga höher aber freilich abgewartet werden muss.

Entsprechend suchen die Südhessen, die Abwehrchef Dario Dumic (nach Leihe zurück zum FC Utrecht) nicht halten konnten, nach einer weiteren Verstärkung für die Hintermannschaft. Nicolai Rapp, der Wunschkandidat, der schon in der Rückrunde von Union Berlin nach Darmstadt ausgeliehen war, wurde von den Köpenickern freigestellt, um sich einen neuen Klub suchen zu können. „Das ist sicherlich ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen“, sagt Lilien-Sportchef Carsten Wehlmann: „Dass er ein Spieler ist, der gut zu uns passen könnte, ist klar. Aber vielleicht gibt es auch andere Gedankenspiele, die man sich machen muss.“ Innenverteidiger Immanuel Höhn nahm derweil nach fünfmonatiger Verletzungspause wieder das Training auf.

Hektik wollen sie in Darmstadt ohnehin nicht aufkommen lassen. Im Gegenteil. Stets betonten die Kaderverantwortlichen bisher, sehr gezielt mit ihren aufgrund der Pandemie geringer gewordenen finanziellen Ressourcen umgehen zu wollen. Nach Platz fünf in der Vorsaison sehen sich die Bosse am Bölle nachvollziehbarerweise recht gut aufgestellt. Zumal auch die beiden besten Männer des Teams, Torjäger Serdar Dursun und Mittelfeldchef Victor Palsson, am Samstag fleißig mittrainierten. Beide stehen zwar unter anderem beim Ligakonkurrenten Hannover 96 auf dem Einkaufszettel, der „Bild“-Zeitung sagte Sportchef Wehlmann bezüglich Palsson aber deutlich: „Wir haben Hannover mitgeteilt, dass wir an einem Transfer nicht interessiert sind. Victor Palsson ist ein wichtiger Faktor unserer Mannschaft.“

Wegen der Corona-Krise beziehen die Lilien in diesem Jahr vom 7. bis 11. August nur ein Kurz-Trainingslager im knapp zwanzig Autominuten entfernten Golfclub Gernsheim. Das erste Pflichtspiel bestreiten sie am zweiten September-Wochenende mit der Erstrundenpartie im DFB-Pokal beim 1. FC Magdeburg. mit dpa

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