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Der Moment des Scheiterns: Gianluigi Donnarumma pariert den Elfer von Alvaro Morata.
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Der Moment des Scheiterns: Gianluigi Donnarumma pariert den Elfer von Alvaro Morata.

EM

EM 2021: Alvaro Morata wird erneut zur Zielscheibe von Hass

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Stürmer Alvaro Morata wird durch seinen verschossenen Elfmeter zum tragischen Helden Spaniens – und einmal mehr zur Hassfigur.

London - Gegen Giorgio Chiellini zu spielen, hat Alvaro Morata einmal erzählt, sei, als würde man mit einem Gorilla in einen Käfig gesperrt und müsse versuchen, ihm sein Futter zu klauen. Am Dienstagabend, im Londoner Wembley-Stadion, stand keine Banane auf dem Spiel, sondern ein Finale bei der Fußball-Europameisterschaft. Und ausgerechnet Morata war drauf und dran, seinem unverwüstlichen Teamkollegen von Juventus Turin den großen Traum zu entreißen.

Er war es, der dem Verteidiger entkommen war, zehn Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit, und den 1:1-Ausgleich für Spanien erzielte gegen Italien, als nur noch wenige daran glaubten. Ein superlässiger Abschluss, fluffig-flach neben den Torpfosten. Und er war es, der später dann, als das Spiel im ultimativen Drama des Elfmeterschießens gestrandet war, den großen Druck des Verwandelnmüssens an die Italiener hätte weitergeben können mit einem erfolgreichen Schuss. Doch Italiens Torwart Gianluigi Donnarumma parierte. Sekunden später stand Morata als gebrochene Figur an der Mittellinie, während Jorginho den Ball ins Tor und Italien ins Endspiel beförderte, superlässig, fluffig-flach, neben den Torpfosten.

Das Schicksal ist eine Banane. Krumm und schnell braun werdend.

Italien gegen Spanien: Wieder einmal ist Morata der Sündenbock

Alvaro Morata, 28 Jahre alt, war nicht der einzige Spanier am Mittwoch, der seinen Elfmeter vergab: Der tolle Leipziger Dani Olmo, über 120 Minuten bester Spieler auf dem Platz, drosch den Ball über die Latte. Die große Tragik aber blieb an Morata hängen, dem einige Menschen in der Heimat zu Beginn der EM 2021 die alleinige Schuld am Stotterstart ihrer Mannschaft gegeben hatten. Der ausgepfiffen und angefeindet wurde, „wie schlecht bist du eigentlich?“, sangen sie im Olympiastadion von Sevilla. Dessen Familie belästigt und beschimpft wurde, der auch noch einen Elfmeter verschoss gegen die Slowakei, und der dann, als es wirklich darauf ankam, in der Verlängerung des Achtelfinals gegen Kroatien das wichtige 4:3 schoss, ein wunderbares Tor, und auch als man gegen Italien schon aussah wie ein Held, bis zum letzten, fiesen Twist, der die Spanier kopfüber in die Misere stürzte.

Wer könnte Morata jetzt böse sein? „Ich habe ihn umarmt und mich bei ihm bedankt. Er hat uns erlaubt, zu träumen“, sagte Spaniens Verbandspräsident Luis Rubiales, stellvertretend wohl für die große Mehrheit der Fußballanhänger im Land. Ein paar unrettbare Seelen selbstverständlich vergaßen nicht, den Angreifer zu hassen, ihn alleine für alles verantwortlich zu machen. Seine Ehefrau, Alice Campello-Morata, veröffentlichte am Mittwoch Beleidigungen und Drohungen gegen den Juventus-Angreifer und seine Familie. Sie postete in einem Sozialen Netzwerk mehrere persönliche Nachrichten, die sich gegen sie, ihren Mann und die Kinder des Ehepaares richten. Es ist die übliche, üble Beinote heutzutage, wenn der Sport überhöht und das Internet als Instrument des Hasses missbraucht wird, gefühllos, hirnlos, grenzenlos dumm.

Trainer Luis Enrique zur Startelf: „Morata und zehn andere“

Ohne Morata wäre der spanische Finaltraum ja vermutlich bereits in der regulären Spielzeit zerschellt an der italienischen Verteidigung um Silberrücken Chiellini. Trainer Luis Enrique hatte den Mittelstürmer nur von der Bank gebracht, unmittelbar nach der italienischen Führung (61.). Damit hatte er sich ein wenig selbst verraten. „Morata und zehn andere“, hatte Enrique einmal kategorisch gesagt auf die Frage, wer spielen würde.

Im Halbfinale ließ er ihn erst einmal draußen, was der Versuch war, mit der kleinen Übersetzung an den italienischen Abwehrbergen vorbeizukommen – eine Reminiszenz ans EM-Finale 2012, als Spanien Italien ohne klassischen Stürmer mit 4:0 besiegte. Dribbler Olmo gab diesmal die verkappte Neun und war tatsächlich nie zu greifen. Doch der entscheidende Punch für spielerisch klar überlegene Spanier kam erst mit Morata auf den Platz. Und auch das große Drama. (Jakob Böllhoff)

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