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Geisterspiele sorgen für Umsatzeinbußen in den Stadien, daher kommt es immer wieder zu Krach in der DFL.

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Einst wollte Bremen der DFL eine Rechnung für Polizeieinsätze bei Fußballspielen schicken. Nun meldet sich Bremen mit einer neuen Idee zu Wort. Der Kommentar.

Besonders beliebt ist das notorisch widerspenstige Zwergen-Bundesland Bremen bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) schon seit geraumer Zeit nicht. Die gegenseitige Abneigung rührt daher, dass Bremen einst auf die Idee kam, der Bundesliga Rechnungen für Polizeieinsätze bei Heimspielen von Werder Bremen zu schicken, die das übliche Maß übersteigen. Jetzt muckt Bremen als erstes Bundesland wieder vernehmbar gegen die DFL auf und fordert den Dachverband der deutschen Profiklubs auf, eine, so der sozialdemokratische Bürgermeister Andreas Bovenschulte, „einheitliche Linie für die nächsten Spieltage“ abzustimmen.

Dafür braucht die Dachvereinigung DFL allerdings den Rückhalt ihrer Vereine mit deren breitgefächerten individuellen und oft auseinanderstrebenden Interessen. Denn es ist ja nicht so, dass die DFL eine gesetzgebende Instanz wäre, die sich anmaßen könnte, mal eben über die Köpfe der Klubmanager hinweg flächendeckend Geisterspiele anzusetzen. Das müssten die Klubs dann schon gemeinsam entscheiden. Deshalb ist es gut, dass sie sich auf Initiative der DFL alle miteinander bereits am Montag in Frankfurt zur Außerordentlichen Mitgliederversammlung treffen.

Dort müsste dann auch besprochen werden, wie die offenkundige Ungleichbehandlung geheilt werden könnte, die mindestens für das kommende Wochenende zu erwarten ist: An einigen Standorten darf mutmaßlich vor vollem Haus gespielt werden, anderswo nicht. Das heißt, erstens, dass der sportliche Wettbewerb damit unmittelbar beeinflusst würde, denn der Heimvorteil wäre für manche perdu, für andere aber nicht, und zweitens, dass einige Klubs erhebliche finanzielle Ausfälle erleiden würden, weil sie ihren Fans die Kartenpreise erstatten und auf die Einnahmen aus Würstchen- und Getränkeverkäufen verzichten müssten. Zusammengerechnet macht das gerne mal zwei Millionen Euro an einem einzigen Heimspieltag aus.

Auch, was diese komplexe Frage angeht, kann die DFL nicht mal eben en passant eine zufriedenstellende Ausgleichszahlung liefern. Wie groß die Solidarität unter den Klubs (die schon im Fall der an Werder weitergeleiteten Bremer Polizeikosten nirgendwo sichtbar war) tatsächlich ist, wird sich an dieser Frage zeigen. Denn für einen gerechten Finanzausgleich nach Geisterspielen können sie nur gegenseitig sorgen. Die DFL könnte das als Dienstleiter dann lediglich organisieren. Dafür hat sie das Knowhow, die Konten und die Kapazitäten.

Die Situation stellt sich gerade als ausgesprochen unbefriedigend dar, weil laut Gesetz regionale Behörden über die Durchführung von Großveranstaltungen entscheiden, wiewohl das Virus sich eher nicht durch Stadt- oder Bundeslandesgrenzen aufhalten lässt und die Bundesliga als fairer Wettbewerb auch davon lebt, dass er bundesweit unter vergleichbaren Bedingungen durchgeführt wird. Diese Bedingungen sind aktuell nicht gegeben, es sei denn, die Gesundheitsämter, Städte, Gemeinden und Bundesländer einigen sich deutschlandweit auf eine gemeinsame Linie, die sich jetzt im Grunde nur noch an der restriktiven von Bayern, NRW und Bremen orientieren kann. Die Folge: Ausnahmslos Geisterspiele, wohin man auch schaut. Im Interesse der Gesundheit wäre das, neben der Wettbewerbsintegrität, vermutlich die gleichermaßen beste und fairste Lösung. Die Bundesliga ist reich genug, darüber hinwegzukommen.

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