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Soll weniger verdienen: Lionel Messi.

Gehaltsverzicht

Alle für alle, jeder für sich

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Ein Gehaltsverzicht im Fußball wird mit Ausbruch der Coronakrise diskutiert. Dabei gerät viel durcheinander. Angefangen hat die Debatte im Erzgebirge. Ein Kommentar.

Als einer der ersten hatte sich Helge Leonhardt, Präsident des Zweitligisten Erzgebirge Aue, zum Thema Gehaltsverzicht bei Profifußballern geäußert, vor ein paar Tagen beziehungsweise Monaten beziehungsweise Wochen (wer weiß das schon genau in diesen verbogenen Zeiten). Jedenfalls sagte Leonhardt, traditionellen Rechnungen zufolge 61 Jahre alt, dass es in den Corona-Wirren nun an den Berufskickern sei, „Abstriche zu machen“, was alleine schon aus medizinischer Sicht eine visionäre Aussage war. Denn wären mal von Beginn an mehr Abstriche gemacht worden, hätte man die Ausbreitung des verfluchten Virus wirksamer eindämmen können. Und damit seine Folgen, die auch den Wirtschaftszweig Profifußball schwer verwüsten werden, weil er sein Produkt nicht mehr unters Volk bringen kann.

Deshalb also: Verzicht. Aber wo anfangen, wo aufhören? Dass man bei den am besten bezahlten Mitarbeitern in jedem Profiklub, den Spielern, beginnen sollte, ist nur logisch. Einerseits. Unlogisch andererseits sind pauschale Forderungen nach einem allgemeingültigen Solidaritätspakt, wie er nun in im brasilianischen Fußball erfolgen sollte. Da konnten sich die 30 Teams aus den vier nationalen Ligen aber nicht auf einheitliche Gehaltskürzungen einigen. Kein Wunder. „Die Welt des Fußballs ist nicht die von Neymar, Alisson oder Gabigol“, schrieb das Portal UOL. „Die große Mehrheit der Fußballspieler lebt wie der brasilianische Arbeiter, ohne Autos, Häuser und ohne Geld auf der Bank.“ Viel anders verhält es sich auch in Deutschland nicht, wenn man den Blick in die Dritt- oder Viertklassigkeit richtet, und auch in der Zweiten Fußball-Bundesliga wird man nicht direkt stinkreich, wenn man zum Beispiel bei Helge Leonhardt in Aue spielt.

Es geht halt ans Eingemachte im, wie es der Mainzer Manager Rouven Schröder treffend formuliert (siehe nebenstehender Bericht). Apokalyptisch denkende Menschen wollen bereits das – zumindest vorübergehende – Ende des Profifußballs ausgemacht haben. Dazu passen Meldungen, wonach der Weltklub FC Barcelona seinen Stars (die einen freiwilligen Verzicht zunächst ablehnten) zwangsweise über eine Verkürzung der Arbeitszeit an den Gehaltscheck gehen, weil selbst der Elite Europas der schnelle Untergang droht, wenn der Stillstand zu lange anhält.

Nichts ist mehr sicher, und niemand. Wie sagte der Freiburger Trainer Christian Streich vor geraumer Zeit (waren es Wochen?), als Geisterspiele noch das Thema waren und nicht das Ende an sich: „Es ist komisch, dass meine ich ja mit komisch. Es ist komisch.“

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