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Alica Schmidt: „Viele gehen mit einem Minus raus“

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Eines der Gesichter der deutschen Leichtathletik: Alica Schmidt, 400-Meter-Läuferin.
Eines der Gesichter der deutschen Leichtathletik: Alica Schmidt, 400-Meter-Läuferin. © IMAGO/Sven Simon

Leichtathletin Alica Schmidt über den finanziellen Verdienst als Leistungssportlerin, die Europameisterschaft in München und ihren großen Erfolg in den Sozialen Medien.

Frau Schmidt, kann man sich so kurz nach der WM schon wieder auf das nächste Highlight, die EM in München, fokussieren?

Das ist für mich eine ganz neue Situation. Viele Athleten haben den Fokus im Training aber ohnehin eher auf die Heim-Europameisterschaft gelegt. Das sollte also gut machbar sein. Ich bin jedenfalls heiß auf die Wettbewerbe, die Vorfreude ist riesig. Ich bin voll motiviert und fit.

Was war die WM in Eugene aus Ihrer Sicht?

Wir haben direkt neben dem Stadion gewohnt. Das war cool, da wir jederzeit das deutsche Team anfeuern konnten. Das finde ich super wichtig. Wir sind alles Einzelsportler, können uns aber gegenseitig unterstützen. Ich stand bei der 4 x 400-Meter-Staffel neben Allyson Felix. Das ist ein Traum, der für mich in Erfüllung gegangen ist, weil ich schon lange zu ihr aufschaue. Von der WM können wir auf jeden Fall viel lernen und wollen die Verbesserungen in München umsetzen.

Bleibt da überhaupt Zeit, um die WM-Teilnahme zu genießen?

Das muss man sich wirklich immer wieder in den Kopf rufen. Es war mein großes Ziel, in diesem Jahr an der WM und EM teilzunehmen. Darauf bin ich wahnsinnig stolz. Im ersten Moment sieht man oft nur das Negative, das, was nicht so gut geklappt hat. Aber im Nachhinein realisiert man dann, was das für eine unglaublich schöne Zeit war.

Die Sportschau schrieb: „Alica Schmidt ist Läuferin, Model und Insta-Queen.“ Wie verteilen sich die Bereiche bei Ihnen?

Ich bin 100 Prozent Sportlerin. Anders geht das auch gar nicht. Man kann den Sport nicht irgendwie nebenbei machen und dann erwarten, dass man an einer Weltmeisterschaft teilnimmt. Man muss konsequent an sich arbeiten und auf viele andere Sachen verzichten. Deswegen lag bei mir der Fokus besonders in den letzten Jahren zu 100 Prozent auf dem Sport. Was ich darum herum aufbauen kann, mache ich natürlich gerne. Bei Social Media nehme ich die Leute mit und zeige ihnen meinen Alltag als Sportlerin, aber nur dann, wenn ich mich danach fühle.

Wünschen Sie sich manchmal, dass es den Titel „World’s Sexiest Athlete“, den Sie erhielten, nicht gegeben hätte?

zur person

Alica Schmidt , 24, geboren in Worms, ist eine der bekanntesten deutschen Leichtathletinnen - vor allem in den Sozialen Medien. Der 400-Meter-Läuferin folgen auf Instagram 3,2 Millionen Menschen. (FR)

Mich wundert es, dass ich immer noch so mit diesem Titel in Verbindung gebracht werde. Es ist fünf Jahre her. Es ist ganz klar, dass mir das damals viele Türen geöffnet hat. Ich konnte mir ein zweites Standbein aufbauen, das mir unglaublich viel Spaß macht. Deshalb beschwere ich mich über nichts. Aber, wenn es um den Sport geht, sollte da auch nichts Optisches mitschwingen. Wenn ich auf der Laufbahn bin, geht es einzig und allein um die Leistung. Die Follower oder wie man aussieht, spielen auf der Bahn keine Rolle.

Inwiefern hilft Ihnen die Selbstvermarktung?

Alleine von Wettkämpfen und Prämien kann man schwierig leben. Gerade als junge Athletin, die sich erst an die Spitze kämpfen muss. Das ist ein schwieriger Weg. Wenn man erst mal oben ist, ist es eine andere Ausgangslage. Aber wie man dahin kommt, zeigt einem erst mal keiner. Daher ist es hilfreich, wenn man auf Social Media aktiv ist, da es für viele Firmen interessant ist. Man kann sich finanziell etwas dazu verdienen und muss beispielsweise nicht nebenbei arbeiten gehen. Ich habe bei der WM mit vielen Mädels von den Staffeln gesprochen und gefragt, ob sie dieses Jahr in den Urlaub fahren. Da kam oft die Antwort: „Nein, die Trainingslager waren schon zu teuer. Ich muss sparen.“ Viele gehen in Vorkasse und kommen nicht mit einem Plus, sondern mit Minus bei Leistungssport raus.

Wird unterschätzt, wie anstrengend der Job als Leichtathlet:innen wirklich ist?

Das ist in Deutschland – außer beim Fußball – oft nicht so anerkannt, dass Sport auch ein Job ist. Wir trainieren nicht vier Stunden am Tag und dann war es das. Man muss alles vor- und nachbereiten.

Erleben Sie auf Social Media auch die negativen Seiten, wie Hasskommentare?

Den größten Druck macht man sich eh selbst. Ich ziehe die größte Motivation aus einer Niederlage. Wenn man immer nur gewinnt, wäre es langweilig. Aber wenn dann nach einem Wettkampf, der mal nicht so gut lief, von außen böse Kommentare kommen, ist das nicht einfach. Ich muss aber sagen, dass ich das wenig erlebe. Ich bekomme dann eher Nachrichten, die mich wieder aufmuntern.

Was erwarten Sie von der EM in München?

Ich freue mich riesig, in München in diesem superschönen Stadion zu laufen. Meine Familie und Freunde werden alle da sein, um mich zu unterstützen. Vielleicht schaffe ich es auch mal, bei anderen Sportarten vorbeizuschauen. Das Konzept ist jedenfalls mega für alle Zuschauer.

Interview: Nico-Marius Schmitz

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