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Verbschiedet sich von der großen Sportbühne: Alfons Hörmann.
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Verbschiedet sich von der großen Sportbühne: Alfons Hörmann.

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Alfons Hörmann: Einfach nicht mehr tragbar

  • Daniel Schmitt
    VonDaniel Schmitt
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Dass der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbund sein Amt räumt, ist wichtig und richtig. Doch die wahre Herausforderung beginnt für den DOSB erst danach.

Vor nunmehr sechs Jahren verabschiedete der Deutsche Olympischen Sportbund (DOSB) ein sicherlich gut gemeintes Papier. Titel: „Good Governance – Gute Verbandsführung“. Nach der nicht gerade von riesigem Miteinander geprägten Ära des Präsidenten Thomas Bach, mittlerweile längst oberster Funktionär des Weltsports, sollte unter dem 2013 ins Amt gekommenen Nachfolger Alfons Hörmann mehr Gemeinschaftssinn in den Alltag des deutschen Dachverbandes einkehren. Hieß es jedenfalls.

Schlagwörter wie Wahrheit, Klarheit, Transparenz posaunte der oberste DOSB-Mann seither regelmäßig durch die Flure des im Frankfurter Stadtwald in der Otto-Fleck-Schneise 12 beheimateten Sportverbandes. Bloß: Während die allermeisten Mitarbeiter:innen das Leitbild lebten, war es für Hörmann dem Vernehmen nach oft nicht mehr als reine Plattitüde. Seit Mittwoch ist der erzwungene Abschied des 60-Jährigen beschlossene Sache, zur Neuwahl im Dezember tritt er nicht mehr an. Ein unumgängliche, richtige Entscheidung.

Im Grunde war Alfons Hörmann seit längerem nicht mehr tragbar für den DOSB. Zuerst hatte dies ein interner Kreis an Mitarbeiter:innen erkannt, mit einem anonym verfassten Hilferuf mobil gemacht und damit einen notwendigen Prozess der Ablösung des Präsidenten in Gang gesetzt.

Logisches Hörmann-Aus

Es geht dabei nicht nur um die Vorwürfe einer schlechten Gesprächs- und Debattenkultur an Hörmann, sondern auch um die Entwicklung des DOSB insgesamt. Hörmann, der lange Zeit zu den Mächtigen des Landes einen recht guten Draht hatte und zum Beispiel die Spitzensportförderung des Bundes auf den Rekordwert von knapp 300 Millionen Euro nach oben trieb, verlor zuletzt erheblich an Ansehen.

Bereits vor zweieinhalb Jahren begehrte Triathlon-Präsident Martin Engelhardt auf, hatte bei einer Abstimmung um den Präsidentenposten letztlich aber keine Chance. Hörmanns damals schon in der Kritik stehender Führungsstil wurde noch übertüncht von dessen ausgewiesenen Geldbeschaffungskünsten.

Unlängst aber, als die Rhein-Ruhr-Olympiabewerbung rauschend den Bach hinabdonnerte, verstrickte sich der Noch-Chef in wilden, inhaltlich nicht gedeckten Schuldzuweisungen – und kassierte von Oberboss Thomas Bach bald die Retourkutsche. Der IOC-Präsident sorgte sich kürzlich und mitten hinein in die Diskussionen um Hörmann auch um die Bedeutung des DOSB im Weltsport. Eine Watschn für den Allgäuer, von der er sich in dieser ohnehin aufgeladenen Gemengelage kaum mehr erholen konnte.

Zumal sich der lange Zeit in der Gunst der Innenminister stehende Hörmann schließlich noch eine Breitseite von Thomas de Maizière einfing. Der frühere Innenminister, also wohlgesonnener Weggefährte von Hörmann, urteilte als heutiger Vorsitzender der DOSB-Ethikkommission unerbittlich über den Noch-Präsidenten.

Ob Hörmann die Olympischen Sommerspiele in Tokio begleiten wird, für die er als Delegationsleiter vorgesehen war, ist offen. Es wäre, nun ja, sehr seltsam. Der DOSB muss nun eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger finden, die oder der es vermag, intern wie extern die Wogen zu glätten, Einheit zu schüren, verbindende Kraft aus der Gemeinschaft heraus zu entwickeln – keine ganz leichte Aufgabe offenbar. Dafür genügt allein der Blick ein paar Hausnummern weiter: In der Otto-Fleck-Schneise 6 steuert der Deutsche Fußball-Bund seit geraumer Zeit von einer Führungskrise in die nächste.

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