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Philipp Lahm, EM-Botschafter von München. dpa
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Philipp Lahm, EM-Botschafter von München. dpa

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Absurdistan mit Ball

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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München versucht die Voraussetzungen zu schaffen, damit der Ball zur EM im Sommer rollen kann. Dafür werden auch wieder Zuschauer ins Stadion gelassen. Das ist nicht nachvollziehbar

Es werde „alles versucht, damit wir nächste Woche von der Uefa durch die Tür gelassen werden“, sagt der Vizepräsident des DFB, Rainer Koch. Man muss sich diesen Satz auf der Zunge zergehen lassen in Zeiten, da sich hierzulande knapp 30 000 Menschen täglich mit dem Virus infizieren. „Durch die Tür gehen“ meint nichts anderes als: sich der Erpressung durch die Uefa, in Person des Präsidenten Aleksander Ceferin, zu beugen, der vor Wochen ultimativ den zwölf die Fußball-EM von Mitte Juni bis Mitte Juli ausrichtenden Städten die Pistole auf die Brust gesetzt hat: Nur mit Zuschauern behaltet ihr euren Zuschlag, Spiele ohne Publikum seien keine Option.

Und die Stadt München, die wie Bilbao und Rom in diesem Geschacher als Wackelkandidat gilt, ist jetzt eingeknickt, eine „Teilzulassung sei „vorstellbar“, sagt die bayerische Landesregierung, 20 Prozent der 75 000, die in die Fröttmaninger Arena passen, seien denkbar.

Diese Vorstellung ist nachgerade absurd. Die Inzidenzzahlen steigen in Deutschland, in Europa, die dritte Welle rollt, der Zivil-Gesellschaft werden Daumenschrauben zugemutet, Breitensport, selbst im Freien, ist vielleicht bald kaum noch möglich, aber Zehntausende von Fans sollen in die Stadien pilgern - damit Herr Ceferin fröhliche Spiele sehen und die Uefa Geld verdienen kann. Unverantwortlich. In einer veränderten Zeit, in der ein Virus die Welt auf den Kopf stellt, will der Fußball weiter so tun, als könne er sein Geschäftsmodell munter fortführen. Dass sich München und der DFB nicht vehementer gegen derart riskante Auflagen zur Wehr setzt, ist der Tatsache geschuldet, dass man Angst hat, in 2024 die EM zu verlieren. Deshalb verbiegt man sich zu diesem Spagat.

Es hat ja einen Grund, warum in dieser Saison die Bundesliga eben als Geister-Veranstaltung durchgeführt wird. Wenn es das Jahr über zu gefährlich ist, Publikum in die Stadien zu lassen, wieso soll es ausgerechnet bei der Europameisterschaft unproblematisch sein? Die Pandemie-Entwicklung kann keiner seriös voraussehen.

Auch die Liga treibt seltsame Blüten: Nun sind bei Hertha BSC Trainer Pal Dardai, Assistenten und Spieler Dodi Lukebakio positiv getestet worden, zuvor Rune Jarstein, die ganze Mannschaft ist isoliert worden, aber die Partie am Sonntag bei Mainz 05 darf dennoch stattfinden. Das verwundert, und nährt den Verdacht, dass in der ersten Liga andere, deutlich mildere Maßstäbe angelegt werden: In der zweiten Liga fallen Spiele reihenweise aus, Holsten Kiel, Karlsruhe SC, SV Sandhausen müssen 14 Tage in Quarantäne und im Oberhaus darf munter gekickt werden?

Seit einiger Zeit hält die DFL ein spezielles abgeschottetes Trainingslager für alle Bundesligisten für dringend erforderlich, um die Durchführung der Saison zu gewährleisten: Alle Teams müssen im Hotel isoliert werden, dürfen nur zu Trainings- und Spielzwecken die Räume verlassen. Spätestens nach den aktuellen Vorfällen in Berlin kann es in der Liga ein Weiter-so nicht geben.

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