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Hält künftig in der zweiten Liga die Fahne hoch: Erwin, das Schalker Maskottchen.
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Hält künftig in der zweiten Liga die Fahne hoch: Erwin, das Schalker Maskottchen.

Auf- und Abstieg in der Bundesliga

Aachen war einmal - und ist ein mahnendes Beispiel

  • Jakob Böllhoff
    vonJakob Böllhoff
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Die zweite Liga wird vermutlich zum Tummelbecken geschichtsträchtiger Klubs: der Hamburger SV, Schalke 04, 1860 München, 1. FC Nürnberg, 1. FC Köln, Werder Bremen, Hansa Rostock, Dynamo Dresden und ein paar weitere schwer geschichtsträchtige Vereine. Ein Kommentar.

Am Horizont zieht die Vergangenheit herauf, seltsam sieht sie aus, deformiert. Die Zeit hat ihr nicht gutgetan. Sollte es wirklich kommen, wie es womöglich kommt im deutschen Profifußball, dann spielen in der nächsten Saison gemeinsam in einer Liga: der Hamburger SV, Schalke 04, 1860 München, 1. FC Nürnberg, 1. FC Köln, Werder Bremen, Hansa Rostock, Dynamo Dresden und ein paar weitere schwer geschichtsträchtige Klubs. Ein wunderbarer Museumswettbewerb deutet sich da an, ein wahrgewordener Traum der Traditionalisten, jedoch – der Schwenk ins alptraumhafte – in jener Liga, die gerne als Unterhaus bezeichnet wird, was wie Unterhose klingt und eigentlich auch genau so gemeint ist. Zweite Bundesliga? Igittigitt.

Der deutsche Fußball muss gerade mal wieder sehr stark sein. Viel bildet er sich auf seine Historie ein, viel auch darauf, dass er seine Vereine vor den gierigen Griffeln internationaler Investoren schützt oder zumindest diese Absicht formuliert. Die 50+1-Regel verhindert – im großen und ganzen mit Erfolg –, dass Fußballmannschaften hierzulande zu Anlagobjekten von Milliardärsfamilien werden und damit zum Spielball ihrer Renditephantasien; wie in England, wo die Glazers und Kroenkes dieser Welt die Klubs gekapert haben, ausgehöhlt und aufgeblasen, und sie am liebsten in eine länderübergreifende Super League überführen würden, um noch mehr aus ihnen herausholen zu können.

Doch was hat der deutsche Fußball davon, dass er sich den Kräften eines offenen Marktes verwehrt? Sein wichtigster Wettbewerb, die Erste Fußball-Bundesliga, verwächst sich langsam aber sicher zu einem seltsamen Gebilde, zusammengesetzt aus einem Drittel Tradition, einem Drittel Kommerz und einem Drittel Langeweile. Sollte das Schicksal in dieser Saison tatsächlich aus irgendeinem perfiden Grund darauf bestehen, dass Schalke, Werder und Köln absteigen, während Bochum, Kiel und Fürth aufsteigen, dann hat die Bundesliga ein seriöses Attraktivitätsproblem. Keine neue Erkenntnis, natürlich. Aber das macht’s auch nicht besser.

Die Gier der Großen

In der wahnhaften Mixtur aus Anspruch, Realitätsverweigerung und Missmanagement sind die Hamburger und Schalker und Bremer in eine Abwärtsspirale geraten, aus der es fast kein Entkommen gibt. In den guten Zeiten – flüchtig, wie man heute weiß – haben sie viel, viel Geld in die Hand genommen, um das Gute zu konservieren, weil: oben ist ja, wo man hingehört. Währenddessen haben die Freiburger und Augsburger und Mainzer schlau und vorsichtig gehaushaltet, paranoid beinahe, denn die guten Zeiten sind für sie die Vorboten der schlechten, wegen der höheren Belastung in Kombination mit dem Verkauf von Leistungsträgern; wo sollen wir spielen im nächsten Jahr? Europapokal?? Ohgottogott, das ist der Untergang.

Auch die neuen Aufsteiger haben aus den Fehlern der anderen gelernt. Es war einmal, dass ein heutiger Regionalligist wie Alemannia Aachen ein einzelnes Bundesligajahr zum Anlass nahm, vollkommen durchzudrehen, sich mit einem irren Stadionprojekt zu ruinieren und in den Amateurfußball zu befördern. Vereine wie Bielefeld, Fürth und Darmstadt überfressen sich nicht mehr, wenn sie mal an die Fleischtöpfe der ersten Liga gelangen. Sie hamstern – weil sie genau wissen, wie schnell die Zukunft zur deformierten Vergangenheit werden kann.

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