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Ein Projekt, das der Schlappekicker 2018 förderte: Das Brennpunkt-Angebot des FC Heisenrath im Frankfurter Stadtteil Goldstein.

FC Heisenrath Goldstein

Es geht um mehr als Fußball

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Der FC Heisenrath Goldstein engagiert sich vielfältig im Quartier im südlichen Frankfurt.

Der Wind wirbelt den Sand des Bolzplatzes auf, Staubwolken ziehen in Richtung Straße. Nebenan schlüpft ein Mädchen mit Schulranzen durch ein Loch im kaputten Zaun. Auf einem Balkon sitzt ein Mann und raucht, er wirkt gelangweilt. Es liegt eine gewisse Schwere in der Luft in der Hochhaussiedlung Im Heisenrath in Frankfurt. „Wenn man hier aufwächst, hat man zwei Möglichkeiten: auf dem Bolzplatz kicken oder rumstehen und die Zeit totschlagen“, erzählt Abiel Adhanom. Viele bekämpfen die Langeweile damit, dass sie Dummheiten anstellen. Alkohol, Drogen und Kriminalität stehen auf der Tagesordnung. Wenn er als Kind im Sandkasten spielen wollte, fand Adhanom dort meistens benutzte Spritzen und leere Bierflaschen. 

Damit sich das ändert, ist er 2013 zusammen mit sieben Freunden aktiv geworden. Sie alle sind in einem der Hochhäuser aufgewachsen, und alle hatten sie die Nase voll von der kleinen Parallelgesellschaft ohne Perspektive, die sich dort im sozialen Brennpunkt entwickelt hatte. Also gründeten sie den FC Heisenrath Goldstein, ihren eigenen Fußballverein. „Der Fußball ist das, was uns hier alle verbindet“, sagt Adhanom, mittlerweile 33 Jahre alt und im Vorstand als Schriftführer aktiv. Der Schlappekicker, die Hilfsaktion der FR, unterstützt den FC Heisenrath Goldstein mit 2000 Euro. 

Das Projekt hat sich prächtig entwickelt. 150 Mitglieder hat der Verein nach fünf Jahren, sieben Mannschaften gibt es, 15 ehrenamtliche Trainer. Die erste Männermannschaft tritt in der B-Klasse an, dreimal die Woche wird auf der Sportanlage des SC Goldstein trainiert. Dabei gab es in der Anfangszeit einigen Gegenwind für das Vorhaben. Als „Kanakenverein“ oder „Ghettoverein“ wurden sie verunglimpft, die Kicker aus dem Heisenrath. Doch das änderte sich schnell, als die Anderen sahen, was die acht Freunde leisteten – nicht nur für den Sport, sondern für das gesamte Quartier. 

„Der Fußball steht bei uns nicht an erster Stelle“, betont der stellvertretende Vorsitzende Redi Misghina. Daher gibt es beispielsweise auch eine kostenlose Hausaufgabenhilfe für die Kinder und Jugendlichen, für die der Klub Lehramtsstudenten bezahlt. Die Spieler der A- und B-Jugend müssen halbjährlich ihre Zeugnisse vorzeigen, wer eine 5 oder eine 6 hat, darf nur noch zum Training kommen, wenn er auch zur Nachhilfe geht. Da sind sie streng beim FC Heisenrath Goldstein. 

Und sonst? Ab und zu gehen die Fußballer zusammen joggen und sammeln dabei Müll im Quartier auf. Auch für die Neugestaltung des staubigen Bolzplatzes zwischen den Hochhäusern haben sich Jugendliche aus dem Verein engagiert und in einer Arbeitsgruppe mit der Stadt durchgesetzt, dass der Platz bald einen roten Gummiboden sowie neue Zäune und Tore erhalten soll. Zwei Jahre lang gab es zudem eine inklusive Fußballmannschaft, auch ein Fußballtraining für Flüchtlinge hat der FC Heisenrath Goldstein schon organisiert, ebenso wie ein Nachbarschaftsfest für alle Bewohner der Hochhaussiedlung. „Uns war von Anfang an wichtig, nicht nur einen Verein zu gründen, sondern uns auch sozial zu engagieren“, sagt Jugendleiter Ruben Römer. 

Das Schlappekicker-Geld fließt in das Herbstcamp des Vereins, das vom 1. bis 5. Oktober zum zweiten Mal über die Bühne geht. Die 20 Teilnehmer – Jungs und Mädchen zwischen acht und zwölf Jahren – werden gemeinsam ein Floß bauen, ein Theaterstück einstudieren und ein Capoeira-Training mitmachen. „Wir können nicht ganz Frankfurt verändern“, sagt Kassenwart Adam Adhanom. „Aber wir können unseren Mikrokosmos hier positiv gestalten und für ein besseres Miteinander sorgen.“

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