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Vom Bad Homburger Bahnhof wurden in der Nazi-Zeit Menschen deportiert.
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Vom Bad Homburger Bahnhof wurden in der Nazi-Zeit Menschen deportiert.

Hochtaunus

Zwischen Krieg, Revolution und Corona im Hochtaunus

Das Jahrbuch des Hochtaunuskreises erzählt unter anderem von französischen Besatzern und den letzten Kriegstagen.

Erinnerung bewahren – zwei Worte und ein Bindestrich nur, die über einem Beitrag von Kristina Jänicke stehen. Erinnerung an Luise Brändel etwa. „Ihre Frau, die Drecksau, sehen Sie nicht wieder“, hat der Mann mit dem Revolver zu ihrem Ehemann gesagt, als sie im Sommer 1941 abgeführt wurde. „Sie stießen mich die Treppe hinunter und schleppten mich vor die Tür, wo sich schon eine große Menschenmenge angesammelt hatte. Unter Gewalttätigkeit hängten sie mir ein Schild um: Luise Brändel, geb. Hochkirch hat sich intim mit einem Franzosen abgegeben und damit die Ehre einer deutschen Frau in den Dreck gezogen.“ Unter Beschimpfungen und Demütigung, bespuckt und mit faulen Kartoffeln beworfen, wurde die Bad Homburgerin durch die Stadt bis zum Bahnhof getrieben, von der Gestapo in ein Gefängnis gebracht und zu eineinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt.

Brändel ist eine von mehr als 500 politisch, rassisch oder religiös Verfolgten unter dem Nazi- Regime, deren Geschichte nachzulesen ist in den „Entschädigungsakten“ der Kreisbetreuungsstelle des früheren Obertaunuskreises. Seit zwei Jahren liegen die Akten im Kreisarchiv. Brändel gehört zu denjenigen, die ihr Leid ausführlich beschrieben haben. Erschütternde Berichte, aus denen Kristina Jänicke zitiert. „Das entstandene Unrecht nach Kräften gut zu machen“, sollte die Aufgabe der vom RP im Juni 1945 angewiesenen Stellen sein.

Erinnerung bewahren. Denn ohne Erinnerung verlieren wir unsere Zukunft. Darum geht es in allen Texten, die das Jahrbuch 2021 des Hochtaunuskreises schmücken. Nicht zu vergessen, mahnen sie die Leserschaft. Denn nie lag ein Zeitumbruch so nah wie durch das Auftreten eines Virus‘, das unser aller Leben veränderte. Wie es den Bewohnern des Taunus‘ nach einschneidenden Zeitumbrüchen erging, das beschreibt die Mehrheit der Texte, Lisa Meier-Ebert wirft indes einen nüchternen Blick auf die vom Virus erzwungenen Reaktionen der Menschen in Politik, Verwaltung, Arbeitswelt und privatem Umfeld.

Das Jahrbuch Hochtaunuskreis. „Der Taunus zwischen den Revolutionen 1789-1848-1918“, 15 Euro.

Der Schwerpunkt des Jahrbuches liegt auf dem Thema „Der Taunus nach Krieg und Revolution“, drumherum garniert mit einer bunten Melange anderer historischer Themen. Wie haben die Taunusbürger die Revolutionen von 1789, von 1848 oder die Wende nach dem Ersten Weltkrieg erlebt? Wie haben sie sich stets wieder aufgerappelt?

Das Titelbild zeigt in einem Kupferstich die Kapitulation der französischen Besatzung Königsteins vor der preußischen Armee 1793. Wie die Franzosen immer wieder das Leben in Königstein und Kronberg zwischen all den Revolutionen bestimmten, beschreiben bekannte Historiker aus dem Kreisgebiet in Wort und Bild. Natürlich aber gibt der 75. Jahrestag des Kriegsendes 1945 die Erinnerung im vergangenen Jahr maßgeblich vor. Eine detaillierte Beschreibung der letzten Kriegstage im Taunus, ein Text über die visionäre Brückenbauerin Jella Lepman und ihre Zeit in Bad Homburg, akribische Recherchen des Forschers Gerhard Raiss, wie es dazu kam, dass der Bad Homburger Bahnhof von alliierten Bombern verschont blieb.

Die Revolution von 1848 ist ein zweites Highlight in der Betrachtung der maßgeblichen Zeitumbrüche. Unbedingt lesenswert der Beitrag von Saalburg-Preisträger Ulrich Hummel zum Revolutionsjahr 1848 und die Geschichte vom „Deutschen Michel“ aus Wehrheim, vom Taunus-Turner und Revolutions-Springer Heinrich Michel, der zur Symbolfigur der 1848er-Ära wurde. Autor mit Wehrheimer Heimvorteil: Olaf Velte. Mit insgesamt 32 Beiträgen ist das Jahrbuch auch im 29. Jahrgang eine informative und spannend geschriebene Sammlung Zeitgeschichte, die man immer wieder auch mit Vergnügen und Neugier zur Hand nehmen kann.

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