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Verkauft ab Werk und online: Derzeit steht der Betrieb des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren still.

Verbraucherschutz

Zwei Hessen sterben nach Verzehr von Wurstwaren

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Die Behörden schließen eine Fleischproduktion in Twistetal. Es gibt eine weltweite Rückrufaktion.

Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren haben die Behörden die Produktion eines Fleischherstellers in Nordhessen gestoppt. Die gefährliche Bakterienart Listerien wurden in Pizzasalami und einer Brühwurst der Firma Wilke Wurstwaren im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg nachgewiesen.

Wie der Landkreis weiter informierte, kämpfe das Unternehmen schon länger mit dem Problem. Seine Kunden sind weit verstreut. Über Großhändler könnten Produkte auch in Altenheime oder Kliniken gelangt sein. Wilke vertreibt seine Waren zudem in einem Online-Shop.

Man begleite den Betrieb bereits seit etwa Jahresanfang, sagte Kreisveterinär Martin Rintelen. Auslöser seien zwei Listerien-Befunde aus Produkten aus Hamburg und Baden-Württemberg gewesen. Unter anderem habe es daraufhin eine Grundreinigung des gesamten Betriebs in Twistetal-Berndorf gegeben.

Die Bakterien kommen in der Natur häufig vor. Nur sehr wenige Menschen, die sie aufnehmen, erkranken an der so genannten Listeriose.

Bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder harmlos mit grippeähnlichen Symptomen.

Gefährlich ist sie für abwehrgeschwächte Menschen wie Neugeborene, Alte, Chroniker, Transplantierte. Schwangere und ihre Ungeborenen können an Listeriose sterben. jur

Trotz der Bemühungen sei es in den Folgemonaten immer wieder zu Beanstandungen gekommen. Die Staatsanwaltschaft in Kassel sei inzwischen über die Vorgänge informiert worden, sagte die Behördensprecherin. Eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts (RKI) habe einen unmittelbaren Zusammenhang zu zwei Todesfällen – zwei ältere Menschen aus Südhessen – ergeben.

Listerien sind Bakterien, die zu Durchfall und Fieber führen können. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können sie lebensgefährlich sein. Laut dem Landkreis gibt es bislang 37 weitere Krankheitsfälle, die möglicherweise mit den Wurstwaren der Firma im Zusammenhang stehen. Eine weltweite Rückrufaktion sei gestartet worden. Sie betreffe alle Produkte der Firma mit Ausnahme von Vollkonserven.

Nach Angaben des Kreisveterinärs Rintelen gibt es seit 2014 immer wieder Listerien-Fälle in Deutschland. Das RKI in Berlin habe Proben und Daten gesammelt und „durch Patientenbefragungen den Kreis enger ziehen können“, welche Produkte von den Erkrankten gegessen wurden. „Seit 2018 sind verstärkt Fälle aufgetreten, die Wilke zugeschrieben werden.“ Eine Untersuchung der Genomzusammensetzung der Bakterien führte schließlich zu dem Ergebnis, dass die beiden Todesfälle in Südhessen mit 99,6-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf Produkte aus der Wurstfabrik in Berndorf zurückzuführen sind.

Die Taskforce des Regierungspräsidiums in Kassel überreichte daraufhin am Mittwoch der Wilke-Geschäftsführung die Verfügung, nach der der Betrieb sofort geschlossen werden muss. Die Zukunft des Unternehmens ist offen. Und damit auch die der 200 Mitarbeiter von Wilke Wurstwaren in Twistetal-Berndorf. (mit dpa)

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