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Zuschauer greifen in Missbrauchsprozess ein

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Von: Stefan Behr

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Ein Mann steht wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht. Freunde eines Opfers verhalten sich bedrohlich - die Verhandlung muss unterbrochen werden.

Über das Urteil des Amtsgerichts muss sich Eren A. kaum Sorgen machen: Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und versuchter Nötigung wird der 25-Jährige zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt, er muss 600 Euro an die Kindernothilfe zahlen und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. E. hatte im Herbst 2016 als virtueller 16-Jähriger in Internet-Chats eine damals 13-Jährige dazu gebracht, ihm freizügige Fotos zu schicken und dann noch freizügigere gefordert – andernfalls werde er sie mit den bisherigen Fotos in der Schule und ihrem Bekanntenkreis bloßstellen. Die Schülerin ging zur Polizei.

Größere Sorgen muss sich A. um andere Leute machen, die sich zum Richter über ihn berufen fühlen könnten. Denn während das heute 14-jährige Opfer im Zeugenstand unter Tränen aussagt, sitzen im Publikum zwei Freunde von ihr: Mit verschränkten Armen und anatomisch bemerkenswerter Breitbeinigkeit werfen sie Eren A. Blicke zu, die zwar nicht strafbar, aber unzweideutig sind. Die Verhandlung wird unterbrochen, ein halbes Dutzend Justizangestellte zur Unterstützung herbeigerufen, E.s Verteidiger eine Eskorte für den Heimweg angeboten. Inmitten der Aufregung verschwinden die bedrohlichen jungen Männer. Dass zu Beginn des Prozesses – wie üblich – E.s Adresse verlesen worden war, dürfte dessen Sorgen kaum schmälern.

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