+
Im Kindergarten Mobile in Erbach haben Eltern, Fachkräfte und Erzieherinnen das Außengelände in ein Abenteuerland verwandelt.

Darmstadt, Groß-Gerau

Zusatzangebote versüßen die Kindergartengebühr

In Erbach forschen Kinder im "Zahlenland", in Weiterstadt lernen sie schon Chemie / Familie Mustermann findet auch in Bensheim große AuswahlPaula und Jan Mustermann, die fünf und zehn Jahre alten Kinder der fiktiven FR-Familie, sollen in den Kindergarten, beziehungsweise Hort gehen. Was ihre Eltern dafür zahlen müssen und welche Leistungen sie erwarten können, hat die FR in Bensheim, Erbach und Weiterstadt untersucht.

Von CHRISTINE VATERNAHM

Südhessen · 21. Juli · Erbach hat von den drei Vergleichsstädten mit 188 Euro plus 66 Euro für Frühstück und Mittagessen die höchsten Kindergartengebühren. "Im hessischen Vergleich stehen wir aber ganz gut daÓ, sagt die Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Stadt, Andrea Armbrüster-Hohenstein. Die Diplom-Kauffrau hebt hervor, welch hohen Stellenwert die Kindergärten in Erbach genießen. "Ich glaube, der Kindergartenetat ist der größte im Haushalt."

Die Qualität der vier städtischen Einrichtungen liege in der intensiven Auseinandersetzung der Mitarbeiterinnen mit ihrer Arbeit. Sie hätten für jede Einrichtung in rund drei Jahren eine Konzeption erarbeitet, Ziele festgelegt und ihre Arbeit auf den neuesten Stand der pädagogischen Kenntniss gebracht", zählt Armbrüster-Hohenstein auf. Das flexible Zeitmodell, das in den städtischen Kindergärten angeboten wird und bei dem die Eltern für fünf Euro viertelstundenweise Betreuungszeit dazukaufen können, sei nur mit ausreichend Personal aufrecht zu erhalten. "Wenn die Gebühren niedriger wären, müsste das Geld irgendwo eingespart werden und das wäre wahrscheinlich beim Personal." Dann müssten womöglich Angebote wie "Traumland", das sind Ruhepausen mit Musik, "Zahlenland", in dem Kinder Mengen und Zahlen kennen lernen, oder Bewegungsangebote wie im Kindergarten Sonnenschein, der mit dem Deutschen Sportbund zusammenarbeitet, wegfallen. Ein Englischkurs, den Kinder in der Kindertagesstätte Mobile besuchen können, kostet extra. Darüber hinaus sei das Thema Kindergartengebühren eines, das gesamtgesellschaftlich diskutiert werden müsste, sagt Andrea Armbrüster-Hohenstein. "Kindergärten sollten wie Schulen gebührenfrei sein."

Familie Mustermann jedenfalls müsste sich keine Sorgen machen, dass Tochter Paula keinen Platz bekommt. In allen drei Städten sind ausreichend Kindergärten vorhanden, um die gesetzlich garantierten Plätze vorhalten zu können. Neben den Städten sind auch Träger wie die Kirchen oder die Arbeiterwohlfahrt dabei, es gibt Walldorf-, Wald- und Montessori-Kindergärten und einen Sportkindergarten in Weiterstadt.

Petra Petermann vom Elternbeirat der Kindertagesstätte Kappesgärten in Bensheim spricht ein Problem an, das einige Eltern haben dürften. "Wenn mein Kind im November oder Dezember Geburtstag hat, habe ich gelitten", sagt sie. Das Kindergartenjahr beginnt nach den Sommerferien und ist das Kind dann noch nicht drei Jahre alt, bekommt es keinen Platz. "Das ist für Beruftätige schwierig, sie müssen Übergangslösungen finden."

Für einen Platz müssen Mustermanns in Bensheim 102 Euro bezahlen, dazu kommen 52 Euro für das Mittagessen. Sollte Jan als Geschwisterkind gleichzeitig einen der begehrten Hortplätze bekommen, sind für diesen 56 Euro fällig, plus 56 Euro für das Essen. Das Angebot an Kinderbetreuung ist groß, drei Krabbelstuben, 20 Kindergärten und -tagesstätten und sechs Horte stehen zur Verfügung. In Weiterstadt sind es 13 Einrichtungen mit 1020 Plätzen und Jan und Paula würden ihre Eltern zusammen 324 Euro im Monat kosten, inklusive Mittagessen. Jan würde auf jeden Fall einen Hortplatz bekommen, denn "es ist zwar schwierig, aber wir decken den Bedarf", sagt der Fachdienstleiter der Kinder- und Jugendhilfe, Dieter Assel. Das Angebot in Weiterstadt ist ein flexibles, bei dem die Eltern nach Bedarf im Hort oder Kindergarten Betreuungsstunden kaufen können. Auch die Betreuungszeit sei ausgeweitet worden, sagt Assel, von 7 bis 17 Uhr, das komme Beruftätigen entgegen.

Auf die Pisa-Debatte hat Weiterstadt mit einem Bildungsbeirat reagiert. In ihm sitzen Eltern, Stadt, Kirchen, Schüler und Lehrer und haben das "Rahmenkonzept Bildung" entwickelt. "Bildungsinstitute arbeiten konsequent aneinander vorbei", sagt Assel. Damit dies sich in Weiterstadt ändert, wollen sie nun für "Durchlässigkeit in der Bildungsbiografie der Kinder sorgen" - dafür also, dass diese nicht so harte Brüche erleben, wenn sie von einer Institution in die nächste wechseln. Aus diesem Grund gibt es in Weiterstädter Kindergärten Chemie, Mathe, Malerei und Ästhetik und Sprachförderung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare