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Zusätzliche Notunterkünfte in Hessen nötig

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Von: Timur Tinç

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In Hamburg gibt es bereits Notunterkünfte in Messehallen. In Frankfurt sollen sie bis Ende der Woche entstehen.
In Hamburg gibt es bereits Notunterkünfte in Messehallen. In Frankfurt sollen sie bis Ende der Woche entstehen. © dpa

Das Land Hessen erteilt Einsatzbefehl, um tausende Geflüchtete aus der Ukraine zu versorgen. In Frankfurt und vier Landkreisen entstehen Unterkünfte für tausende Menschen.

Die Stadt Frankfurt und andere hessische Gemeinden bereiten sich auf die Ankunft von mehreren Tausend Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine vor. In der Messe Frankfurt wird bis Ende dieser Woche ein Erstversorgungszentrum mit Notunterkünften für bis zu 2000 Menschen entstehen.

In den Landkreisen Marburg-Biedenkopf, Wetteraukreis, Vogelsbergkreis und Hochtaunuskreis soll jeweils eine Notunterkunft für bis zu 1000 Geflüchtete eingerichtet werden. Das hessische Innenministerium hat am Mittwoch die unteren Katastrophenschutzbehörden mit den entsprechenden Einsatzbefehlen beauftragt.

Die Leitung und Belegung der Unterkünfte übernimmt die Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen (EAEH). „Gemeinsames Ziel der Kommunen und des Landes ist es, die Menschen so schnell wie möglich in unseren Städten und Gemeinden unterzubringen“, sagte Innenminister Peter Beuth (CDU). Dort könnten sie aufgrund eines bundesweit einheitlichen Verfahrens ihre Kinder in die Schule schicken, am Arbeitsmarkt teilnehmen und am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

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Die Hessische Landesregierung hat unter: https://innen.hessen.de/hessen-hilft-ukraine alle Anlaufstellen in Hessen sowie eine Hotline für unmittelbar Betroffene des Kriegs zusammengestellt.

„Mit der Erweiterung unserer Aufnahmekapazitäten bereiten wir uns darauf vor, die Hilfesuchenden rasch zu versorgen“, erklärte Sozialminister Kai Klose (Grüne). Die EAEH und ihre Außenstellen seien eine wichtige Anlaufstelle für alle Kriegsflüchtlinge, die keine Familienangehörigen, Freunde oder Bekannten in Hessen hätten. „Sie dient als Zwischenstation für wenige Tage.“

Seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine sind nach Schätzungen der Vereinen Nationen bereits zwei Millionen Menschen in den Westen geflüchtet. Der zentrale Ankunftsort in Hessen ist Frankfurt. Die Menschen kommen mit der Bahn, dem Flugzeug, Bussen oder privaten Autos in der Stadt an. Einige kommen bei Familien und Bekannten unter, andere reisen weiter. Um die Übrigen, die in Frankfurt bleiben, kümmert sich die Stadt, die Unterkünfte in Hotels bereitstellt und bereits zwei Sporthallen zu Notunterkünften umfunktioniert hat. 250 Menschen, darunter 70 Kinder, betreut das Deutsche Rote Kreuz (DRK) derzeit.

„Ich freue mich, dass das Land meinen Vorschlag, die Verteilung der Menschen in Hessen von Frankfurt aus zu steuern, aufgegriffen und uns den entsprechenden Einsatzbefehl erteilt hat“, sagt Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne). Das erspare den Ankömmlingen nach der anstrengenden Flucht weitere Wege. „Nach unserer bisherigen Erfahrung kommen die meisten Menschen traumatisiert, sehr erschöpft und oft auch hungrig hier an“, berichtet die Stadträtin. Etwa die Hälfte der Schutzsuchenden seien Kinder und Jugendliche. Für sie sei es besonders wichtig, schnell wieder einen geschützten und sicheren Ort zum Durchatmen zu haben.

Die Notunterkunft an der Messe wird zunächst in Halle 1.1 errichtet. Bei Bedarf kann sie auf die zweite Ebene, Halle 1.2, erweitert werden. Betrieben wird sie vom DRK und dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Die Messe Frankfurt ist für die Errichtung und weitere Services innerhalb der Unterkunft zuständig. „Die Menschen, die aus der Ukraine zu uns fliehen, brauchen unsere Hilfe. Sie müssen darauf vertrauen können, dass unsere Solidaritätsbekundungen nicht nur Lippenbekenntnisse sind“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD).

In der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Gießen seien mittlerweile 1171 ukrainische Flüchtlinge aufgenommen worden, teilten Beuth und Klose mit. Da sie auch wegen der coronabedingten Vorkehrungen nur über eine begrenzte Zahl freier Unterbringungsplätze verfügt, würden an den bereits bestehenden Standorten Leichtbauhallen errichtet. Allerdings ist schon jetzt absehbar, dass auch diese Erweiterung angesichts der Zahl der aktuell in Deutschland Schutz suchenden Menschen nicht ausreichen dürfte.

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