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Gemeinsam lernen und am eigenen Computer weiter arbeiten - das ist eines der Konzepte, mit denen das Netzwerk Wiedereinstieg Frauen für die Rückkehr in die Arbeitswelt qualifiziert. FOTO: Sonja Schwarz

Frauenförderung

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Das Netzwerk Wiedereinstieg unterstützt seit zehn Jahren Frauen beim Weg in den Beruf. Die Zeit, die eine Frau durchschnittlich pausiert hat, ist erstaunlich lang.

Seit zehn Jahren gibt es in Hessen das Netzwerk Wiedereinstieg, das Frauen nach einer längeren Auszeit wieder in den Beruf zurückführen will. 8300 Frauen haben davon bereits profitiert. Der Bedarf aber bleibt bestehen.

„Zehn Jahre ist die durchschnittliche Zeit, die die Frauen, die zu uns kommen, aus dem Berufsleben draußen sind“, sagt Birgit Swoboda vom Frauenkompetenzzentrum Femkom in Darmstadt. Femkom ist eine von acht Organisationen, die zum Netzwerk Wiedereinstieg gehören.

Manche der Frauen haben Kinder bekommen und erzogen, andere Angehörige gepflegt oder waren selbst längere Zeit krank. Bei Femkom lernen sie den Umgang mit aktuellen Computerprogrammen, arbeiten im Team, bekommen neues Selbstvertrauen. „Das“, sagt Swoboda, „ist mitunter das Wichtigste.“ Nicht wenige fragten sich, „kann ich das überhaupt noch, in der Berufswelt bestehen, nach so langer Pause?“.

Zur Zielgruppe des Netzwerks gehören Akademikerinnen genauso wie gelernte Hotelfachkräfte, Minijobberinnen, Ungelernte oder Studienabbrecherinnen. In den vergangenen Jahren ist auch eine größere Anzahl von Geflüchteten dazugekommen, häufig mit Hochschulausbildung, die ihre Abschlüsse nicht ohne weiteres anerkannt bekommen.

Zurück in den BerufDas Netzwerk Wiedereinstieg unterstützt seit zehn Jahren Frauen, die nach längerer Pause wieder auf den Arbeitsmarkt zurückkehren wollen. 8300 Frauen haben die Angebote in Anspruch genommen, 3700 davon haben eine Weiterbildung absolviert.

Es besteht aus acht Trägern, die an fünf Standorten in Hessen tätig sind. Neben berami, jumpp und femkom gehören dazu Zaug, „Berufswege für Frauen“, VbFF, das Frauenzentrum und das Frauen-Software-Haus.

Gefördert wird das Netzwerk vom hessischen Sozial- und Integrationsministerium und dem Europäischen Sozialfonds.

Weitere Informationen gibt es unter www.new-hessen.de pgh

Es sind Frauen wie Taisia Corja, die 2015 aus Moldawien nach Deutschland gekommen ist, um hier zu arbeiten und zu lernen. In Moldawien hatte sie Englisch und Deutsch studiert, Arbeit fand sie für die ersten drei Jahre in einer Bäckerei in Koblenz. Inzwischen hat sich die mittlerweile 27-Jährige ihr Studium anerkennen lassen, hat einen Wiedereinstiegskurs bei Berami besucht und dort gerade eine Stelle in der Verwaltung angetreten. „Ich möchte hier Karriere machen, in Frankfurt, und werde wohl nicht wieder nach Moldawien zurückgehen“, sagt sie.

Zum Angebot beim Verein für berufliche Integration Berami in Frankfurt gehören Kurse, in denen jeweils 15 Frauen ein Dreivierteljahr auf den Wiedereinstieg vorbereitet werden. Viele von ihnen sind Migrantinnen, „80 Prozent haben einen akademischen Abschluss“, berichtet Netzwerk-Koordinatorin Cornelia Goldstein. Berami hilft nicht nur beim Wiedereinstieg, sondern auch bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und bietet eine intensive Deutschförderung an.

Gelernt wird zumeist im Wechsel von gemeinsamen Kursen und Workshops bei den jeweiligen Netzwerkträgern sowie in digitalen Einheiten. „Die Frauen sind in der Regel einmal in der Woche bei uns, machen eine Kompetenzfeststellung und ein Bewerbungstraining oder stellen Finanz- und Businesspläne auf“, erklärt Heidi Wiegert von den Jumpp-Frauenbetrieben in Frankfurt. Anschließend lernen und arbeiten sie zu Hause am eigenen Computer weiter, tauschen sich online untereinander aus und üben so fast nebenbei den Umgang mit Social Media und digitalen Kommunikationsmitteln.

Dabei können sie auch auf eine gemeinsame Plattform zurückgreifen, die das Netzwerk Wiedereinstieg im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht hat. „Dort sind beispielsweise Lernmodule hinterlegt, die ein Netzwerkpartner entwickelt hat und die nun alle nutzen können“, erläutert Goldstein. So wie die Arbeitsprozesse in den meisten Betrieben sei auch das Lernen immer mehr digitalisiert. Etwa beim Deutschunterricht, der aus einem Wechsel von Präsenzzeiten und eigenem Üben von Grammatik und Rechtschreibung am heimischen PC bestehe.

Trotz des Ausbaus der Kinderbetreuung, flexibleren Angeboten von Arbeitgebern und einer sich verändernden Rollenaufteilung in der Familie sei Wiedereinstieg noch immer vor allem ein Frauenthema, sagt Swoboda.

Auch für die Wirtschaft sei es wichtig, Frauen in den Beruf zurückzuholen, um den Fachkräftebedarf zu decken. „Schließlich“, sagt sie, „gehen jetzt die ganzen Babyboomer in Rente.“ Da gebe es einen wachsenden Bedarf an gut qualifizierten Frauen – und an den Angeboten, wie sie das Netzwerk Wiedereinstieg bietet. „Das Thema“, sagt Swoboda, „ist noch lange nicht vom Tisch.“

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