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Fischzüchter Eric Nürnberger ist auf Zander spezialisiert.

Wirtschaft

Züchten statt fischen

Die Nachfrage nach Speisefischen steigt. In Hessen geht die Zahl der Produktionsbetriebe jedoch zurück - trotz Förderung.

Wenn Franz-Georg Burkard sich seinen Fischteichen nähert, fängt das Wasser an Wellen zu schlagen. Blitzschnell werden Hunderte Forellen nervös und gierig. Sie alle wollen fressen, sie alle erwartet keine 20 Meter vom Teich entfernt das gleiche Schicksal. In seinem Verkaufsraum in Seligenstadt nimmt der Fischwirtschaftsmeister vor den Augen seiner Kunden die Forellen aus einem Wasserbecken und macht sie fertig für Ofen, Pfanne oder Grill.

In den Meeren gibt es Fangquoten und einige Arten sind überfischt. In den Flüssen ist nach Burkards Aussage auch nicht mehr genug zu holen. „Es gibt keinen mehr, der davon leben kann“, sagt der 59-Jährige, der nur noch aus Traditionspflege an einigen Tagen im Jahr im Main fischt. Sein Familienunternehmen ist mehr als 200 Jahre alt. Seine Zuchtteiche dienten früher dazu, die gefangenen Mainfische frisch zu halten. „In der Fischzucht liegt die Zukunft.“

Die Nachfrage und der Fischkonsum steigen. Die Preise würden in den kommenden Jahren durch die Decke gehen, glaubt Eric Nürnberger, der in Trebur die Fischzucht Fischmaster betreibt. „Fisch für die Menge von Menschen geht künftig nur mit Aquakulturen.“ In Hessen allerdings sinkt die Zahl der Betriebe stetig. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums sank die Zahl der Aquakulturbetriebe von 2014 bis 2017 kontinuierlich von 65 auf 48. Zudem gebe es noch rund 700 Nebenerwerbsbetriebe. Als Gründe für den Rückgang sieht das Ministerium die hohe Arbeitsbelastung, die geringen Erträge und den Mangel an nachrückenden Fachkräften.

Die Fischereibetriebe können Fördermittel von bis zu mehreren Tausend Euro beantragen. Dies gilt dem Ministerium zufolge unter anderem für den Bau, die Modernisierung, Erweiterung oder Ausrüstung von Betrieben oder auch für Kampagnen für eine regionale Absatzförderung. Durch die Förderung solle die Verarbeitung und Vermarktung an die Markterfordernisse angepasst werden.

Genau das passiert den hessischen Fischern zufolge nicht. „Die Zahl der Betriebe wird eher noch weiter zurückgehen“, ist sich der Vizepräsident des Verbands Hessischer Fischer, Kai Uwe Bernhard, sicher. „Wir haben fünf oder sechs Betriebe, die in den nächsten Jahren schließen.“ Seit Jahren werde eine Steigerung der Eigenproduktion gefordert. Tatsächlich sieht der Verband aber drastische Einschränkungen und „Gängelungen“ seitens der Politik. „Die meisten Betriebe in Hessen sind familiengeführt“, sagt Bernhard. Sie würden derart reglementiert, dass keine Nachfolger gefunden werden könnten.

Menschen essen immer mehr Fisch

Die Menschen essen immer mehr Fisch. Laut einem Bericht der UN-Ernährungs- und Agrarorganisation FAO 2018 kam im Jahr 2016 weltweit schon jeder zweite verzehrte Fisch aus einer Aquakultur. Fische für den Konsum kommen zunehmend aus der Zucht. Bei der weltweiten Fischproduktion rechnet die Organisation bis 2030 mit einem Anstieg von 18 Prozent im Vergleich zu 2016. Auch in Deutschland ist dem Fischinformationszentrum zufolge bei der Binnenfischerei und Aquakultur letztere 2017 mit rund 36 200 von 40 000 Tonnen klar dominierend. Die Zahl der Aquakulturbetriebe nahm allerdings von 2015 bis 2017 von 3285 auf 2757 ab.

„Wir haben keinen Cent Förderung bekommen. Das ist alles privat finanziert“, sagt Eric Nürnberger, der als Vollvermarkter rund 30 Mitarbeiter beschäftigt. Angefangen hat der auf Zander spezialisierte Züchter mit vielen Experimenten in zwei Fertiggaragen. 2011 kaufte er ein zwei Hektar großes früheres Militärgelände mit 16 Gebäuden, in denen heute die hochtechnologisierte Setzlings- und Fischzucht sowie ein Hofladen und ein Biergarten untergebracht sind.

Und Nürnberger möchte weiter expandieren. Seine Indoor-Fischzucht will er IT-überwachen, um die Fischproduktion effizienter zu machen. Zudem will er autark und nachhaltig arbeiten – mit eigener Strom- und Futterproduktion in einer Kohlenstoffdioxid-neutralen Anlage.

In so großen Dimensionen denkt Forellenzüchter Burkard nicht. Für mögliche Investitionen gebe es zwar Fördertöpfe, es sei aber sehr schwer da dranzukommen. Der 59-Jährige verlässt sich auf seine Stammkunden. Was mit dem Betrieb wird, wenn er mal aufhört? „Ich habe zwar zwei Söhne, aber was das wird, weiß ich noch nicht. (dpa)

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