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„Zu wertvoll für den Wertstoffhof“

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Die Flächen rund um den Kronenhof sind höchst ertragreich. Dennoch soll hier nach Wunsch des Bad Homburger Magistrats ein neues Gewerbegebiet entstehen. konopatzki
Die Flächen rund um den Kronenhof sind höchst ertragreich. Dennoch soll hier nach Wunsch des Bad Homburger Magistrats ein neues Gewerbegebiet entstehen. konopatzki © hko

OB lehnt Ansiedlung am Kronenhof ab / Ortsbeirat kritisiert starke Belastung

BAD HOMBURG - Verwunderung war das Wort, das die Sitzung des Ober-Eschbacher Ortsbeirats prägte. Die erste Verwunderung, nämlich darüber, was auf der Fläche des geplanten neuen Wertstoffhofs am Sauereck gerade vor sich geht, konnte Markus Schmitt, Projektleiter Straßenbau, schnell auflösen: Die Stadt richtet hier vorübergehend eine Zwischenlagerstätte für Erdaushub ein, bevor dieser - nach erfolgter Beprobung - auf die Deponie gefahren wird. Das gleiche Prozedere also, das im Frühjahr bereits auf dem Parkplatz der Albin-Göhring-Halle durchgeführt wurde. Die Frage, wie lange dieses Zwischenlager bestehen soll, beantwortete Schmitt mit „gerne so lange wie möglich, eine solche Fläche haben wir gesucht“.

Nächster Tagesordnungspunkt: ein Thema, das den Ortsteil nach wie vor umtreibt: der zentrale Wertstoffhof am Sauereck. Dieser wird, nachdem er die politischen Gremien passiert hat, wohl kommen. Indes ist man beim Ortsbeirat mehr als verwundert, dass mit dem Bebauungsplan 143 „Gewerbegebiet südlich der Zeppelinstraße“ ein 18 Hektar großes Baugebiet aus dem Hut gezaubert wurde.

Dass dieses bei der intensiv geführten Diskussion um alternative Standorte für den Wertstoffhof seitens der Stadt nie in Erwägung gezogen worden war, stieß auf Unverständnis. Hinzu kommt, dass die zur Abstimmung vorliegende Aufstellungsbeschlussvorlage als Datum den 16. Februar nennt (als der Ortsbeirat und die Bewohner noch Hoffnung hatten, der Wertstoffhof könnte abgewendet werden). Die Verwunderung hierüber teilte gar der OB, der meinte, es könne sich nur um einen Tippfehler handeln.

Diskussion über den Umweltschutz

Alexander Hetjes (CDU) war eigens anwesend, weil er wohl geahnt hatte, dass die Eschbacher Gesprächsbedarf haben. Er führte aus, wie prekär die finanzielle Situation der Stadt und entsprechend wichtig die Bemühungen um zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen seien. Das geplante Gewerbegebiet sei „alternativlos“. Stephan Zalud (CDU) wollte nicht wahrhaben, dass es auf dem Areal nicht ein Fleckchen geben soll, auf dem ein Wertstoffhof angesiedelt werden könne: „Gewerbeansiedlung: d’accord. Aber das neue Gewerbegebiet am Massenheimer Weg, über 150 Wohnungen mehr als geplant auf dem Du-Pont-Gelände, Wertstoffhof, kein Verkehrskonzept: Hier ist Druck im Kessel, das alles ist für Eschbach eine Katastrophe.“

Dass es sich rund um den Kronenhof nicht nur um landwirtschaftlich höchst ertragreiche, sondern auch für die Stadtentwicklung äußerst attraktive 18 Hektar handelt, bestätigte der OB: „Diese Flächen sind viel zu hochwertig, um dort einen Wertstoffhof zu errichten. Ich verstehe die Eschbacher total, aber aus Sicht der Gesamtstadt müssen wir so handeln.“

Die Diskussion beschäftigte sich aber auch mit den Themen Umwelt- und Klimaschutz, Versiegelung, Hochwasser, Nachhaltigkeit, Grundwasser und nicht zuletzt dem Verlust wertvoller Ackerflächen. „Wir Bürger sollen sensibilisiert werden; beim Thema Versiegelung selbst Verantwortung zu übernehmen. Wo bleibt die Verantwortung der Stadt?“, fragte Heike Bergmeier (BLB). Felix Fischer (Grüne) sagte: „Ich erinnere mich gut, dass vor Jahrzehnten der Kronenhof eine absolute Ausnahme war, dann kam das Krankenhaus . . . Aber egal, was wir hier beschließen, es kommt ja sowieso.“

Dem Ergänzungsantrag der CDU-Fraktion, „des Weiteren soll geprüft werden, ob eine Ansiedlung des Wertstoffhofes an dieser Stelle möglich ist“, wollten die übrigen Fraktionen nicht zustimmen. Bei der Abstimmung des ursprünglichen Antrags enthielten sich daraufhin deren vier Ortsbeiräte, während die übrigen fünf (SPD, Grüne, BLB) den Antrag ablehnten.

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