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Zu eng und zu kleiner Kurvenradius – das Müllauto bleibt im Wohngebiet Belzborn außen vor.

Langen

Zu enge Straßen für das Müllauto

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Die Straßen im Langener Baugebiet Belzborn sind für das Müllauto zu eng. Die Tonnen der Anwohner werden deshalb an einen Sammelpunkt gezogen. Die Kosten soll die Stadt tragen.

Im Langener Neubaugebiet Belzborn sind die Straßen nicht breit genug für die Müllabfuhr. Somit können die Mülltonnen nicht vor den Haustüren abgeholt werden. Den Anwohnern könne es aber nicht zugemutet werden, ihre Tonnen bis zu 140 Meter zu einem Sammelpunkt zur Abholung zu ziehen, meint der Magistrat. Deshalb hat er beantragt, dass die Bewohner in den Genuss eines kostenlosen Tonnen-Transportservices kommen, den die Stadt bezahlen soll. Monatliche Kosten: rund 1000 Euro. In den sozialen Medien regt sich Protest von Altstadt-Bewohnern und von Bürgern im Ortsteil Oberlinden, die für diese Dienstleistung zahlen müssen.

Ob dem Müllabfuhr-Problem ein „Planungsfehler“ oder ein „Kommunikationsfehler“ zugrunde liege, lasse sich heute nicht mehr sagen, so Bürgermeister Jan Werner (CDU), der seit 1. Juli im Amt ist. Tatsache sei jedenfalls, dass der Fehler aufseiten der Stadt lag und „vor langer Zeit“ entstand. Vor 15 Jahren seien dort die ersten Flächen umgelegt, vor rund sieben Jahren die fünf Wohnstraßen als Mischverkehrsflächen geplant worden – und zwar ringförmig mit einer Breite von fünf Metern.

„Damals hätte man mit dem Müllauto noch reinfahren können“, sagt Werner. Doch vor rund vier Jahren traten neue bundesweite Vorgaben in Kraft, nach denen Abfallfahrzeuge nicht mehr rückwärts fahren dürfen. Das ist im Neubaugebiet Belzborn aber erforderlich, weil das Müllauto an einigen Stellen nicht mehr weiterkommt; die Straßen sind zu schmal und die Kurvenradien zu klein.

Die Kommunalen Betriebe Langen (KBL) hätten bereits vor Jahren schriftlich auf das Problem der zu engen Straßen und Kurven hingewiesen, sagt der fraktionslose Stadtverordnete Joost Reinke. Laut Bürgermeister Werner versuchte die Stadt auch, an den neuralgischen Stellen noch zwei Meter Grund zu beiden Seiten von den Anwohnern zurückzukaufen. Das sei aber „nur teilweise gelungen“.

Stadt soll Kosten für Transport tragen

Somit müssten die 60 Haushalte in den fünf Straßenzügen ihre Restmüll-, Bio-, Altpapier- und gelbe Tonne an die nächste für das Müllauto gut erreichbare Stelle ziehen – und die liegt nicht im Wohngebiet, sondern bis zu 140 Meter weit entfernt am Olympischen Weg. Das könne man ihnen aber nicht zumuten, heißt es in der Vorlage, die der Magistrat am 3. Juli auf den Weg brachte. Die Anwohner hätten ja von der Müllproblematik nichts gewusst, als sie ihre Grundstücke kauften, erklärt Werner. Deshalb solle die Stadt die Kosten für den Hin- und Rücktransport der Abfallgefäße tragen. Er begründet auch, warum die Bewohner in der Altstadt und in Oberlinden für diesen Service zahlen müssen: Sie seien dorthin gezogen und hätten gewusst, dass das Müllauto dort nicht hinkommt. Die Stadt biete den Abholservice ja schon seit 1984 an.

Seit Jahresbeginn haben KBL-Mitarbeiter die Tonnen im Neubaugebiet Belzborn kostenlos vor den Haustüren abgeholt, zum Sammelpunkt gezogen und nach der Leerung wieder zurücktransportiert. „Die Straßen waren zum Teil noch Schotterstraßen“, sagt Werner. Jetzt sind die Wohnstraßen aber vollständig ausgebaut – und deshalb wollen die KBL seit 1. Juli auch Geld für ihre Dienstleistung sehen. Rückwirkend stellte der Magistrat nun den Antrag auf städtische Übernahme der Kosten.

Joost Reinke findet es „grundfalsch“, dass die unbeteiligte Allgemeinheit „die unglaublichen Planungsfehler des Langener Bauamtes ausgleichen soll“. Er sieht Langen als neues Schilda. Im Haupt- und Finanzausschuss ist der Antrag am Donnerstag bei zwei Enthaltungen jedenfalls schon einstimmig angenommen worden. Die Stadtverordneten werden am 10. September darüber entscheiden.

Bürgermeister Werner spricht von einer „Übergangslösung“, die so lange gelten soll, bis turnusmäßig ein neues Müllfahrzeug angeschafft wird. Das werde dann halt kleiner ausfallen – so dass der enge Kurvenradius im Belzborn dann kein Problem mehr sein sollte.

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