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Eines der Kamele hat Zirkusdirektor Marco Frank in den letzten Tagen Sorgen gemacht. Es hatte Durchfall.

Offenbach

Zirkus dankt mit Sondervorstellungen

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Der in Offenbach gestrandete Circus Barus revanchiert sich mit kostenlosen Vorstellungen bei der spendablen Bevölkerung – und träumt davon, hier zu bleiben.

Endlich wieder Auftritte, endlich wieder Zirkusluft. Der Circus Barus, der vor sechs Monaten wegen Corona-Restriktionen in Offenbach gestrandet ist, darf wieder Vorstellungen geben. Die Stadt Offenbach hat nämlich ein Hygienekonzept genehmigt, das der Tourneeleiter erarbeitet hatte. Mit kostenlosen Vorstellungen will sich die Zirkusfamilie Frank nun bei den Offenbachern und Offenbacherinnen bedanken, die nach wie vor dafür sorgen, dass weder Mensch noch Tier im Notquartier auf dem ehemaligen Clariant-Gelände an der Mainstraße hungern müssen.

„Wir haben schon Lampenfieber, weil wir so lange nicht mehr aufgetreten sind“, sagt Zirkusdirektor Marco Frank und blickt auf den kleinen gelben Flyer, auf dem die Vorstellungen vorerst angekündigt sind; Plakate sollen noch folgen. Von Freitag, 2. Oktober, bis Sonntag, 1. November, ist die Bevölkerung eingeladen, freitags bis sonntags jeweils um 16 Uhr kostenlos ins Zirkuszelt zu kommen – als Dank für ihre Unterstützung in schwerer Zeit.

Die Vorstellungen finden unter Einhaltung der Hygienerichtlinien statt. „Mit eineinhalb Metern Abstand und Maskentragen bis zum Sitzplatz“, erklärt Marco Frank – sowie mit Trennwänden in der Loge, die noch zusammengezimmert werden. Statt knapp 400 Zuschauer dürfen pro Vorstellung nur 130 ins Zirkuszelt.

„Wir hoffen, dass der eine oder andere eine Spende da lässt“ sagt Frank. Hilfe fließe aber Gott sei Dank nach wie vor. „Jeden Tag bringen die Leute Futter für unsere Tiere, jeden Tag ist in der Sammeldose an der Straße ein bisschen Geld drin.“

Zelt für Kindergeburtstage geöffnet

Ganz auf Spenden verlassen hat sich die Zirkusfamilie aber nicht. Sie hat ihr Zelt für Kindergeburtstage geöffnet, hat die Holzhäcksel in der Manege vorübergehend gegen Plastikplatten getauscht. Gegen einen Obolus dürfen die Kinder unter der Zirkuskuppel feiern, Ponyreiten und Tiere füttern. Auf Wunsch wird vor dem Eingang auch eine Hüpfburg aufgeblasen.

Im Freien ist auch eine kleine Manege eingezäunt, dazu Tische und Stühle, die ein Gastwirt gespendet hat. „So können uns die Leute bei der Dressur unserer Ponys, Hunde und Pferde zuschauen“, sagt Frank.

Doch die unbeschwerten Tage sind gezählt. Das Clariant-Gelände, auf dem der Zirkus seit sechs Monaten logiert, ist an die Stadt verkauft und soll bebaut werden. Mitarbeiter der Baufirma seien schon da gewesen, sagt der Zirkusdirektor, aber bis Oktober brauche man sich keine Gedanken zu machen, habe die Stadt verlautbart. Und danach? Er zuckt die Achseln, hofft, dass er mit seiner Familie wenigstens noch den Winter über in Offenbach bleiben darf. „Es wird uns schwerfallen weiterzuziehen“, sagt er. „Zum ersten Mal sind wir sesshaft.“ Seine Familie habe gemerkt, dass sie gern ein Zuhause hätte statt alle zwei bis drei Wochen an einem anderen Ort zu sein. Es sei sein Traum, sich hier „was aufzubauen“, sagt er. „Ein alter Bauernhof, auf dem man Tiere aufpäppeln kann, das wär’s.“ Dazu Tiershows, Kutschfahrten, ein Streichelzoo und ein Spielplatz. „Den Zirkus ganz aufgeben können wir nicht, da hängen wir zu sehr dran.“ So ein Standortkonzept könnte aufgehen, glaubt er. Das Einzugsgebiet sei groß genug.

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