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Ihnen soll eine neue Einheit beim hessischen Innenministerium das Handwerk legen.

Kriminalität

Hessens neues Zentrum gegen Cyberattacken

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Hessen verfügt jetzt über ein Cyber Competence Center, also ein Zentrum zur Abwehr von Cyberangriffen auf die Landesverwaltung und auch die Kommunen.

Kriminelle im Internet fischen nach Bank- und anderen Daten, spähen Geschäftsgeheimnisse aus und erpressen Betroffene. Das hessische Innenministerium bündelt nun seine Kompetenzen im Bereich der Cybersicherheit, um solche Fälle zu verhindern oder zumindest früh zu erkennen und einzugreifen. Die neue Einheit wurde am Montag in Wiesbaden eröffnet. Sie heißt Cyber Competence Center, abgekürzt: 3C.

Das Besondere dabei: Das Zentrum hat zwar seinen Platz auf dem Gelände des Polizeipräsidiums Westhessen gefunden, ist aber ausdrücklich nicht Teil der Polizei. Denn im Cyber Competence Center haben auch Mitarbeiter des Verfassungsschutzes ihren Platz, auf deren Expertise zurückgegriffen werden kann.

Das 3C untersteht direkt dem Innenministerium. Es verfügt derzeit über rund 20 Bedienstete, soll aber bis 2021 auf 80 bis 100 Leute anwachsen. Minister Peter Beuth (CDU) sagte am Montag bei der Eröffnung: „Je früher das Hessen 3C von einem Angriff erfährt, desto schneller kann die Bedrohung eingedämmt werden.“

99 Tage bis zur Meldung

Bisher dauere es im Schnitt 99 Tage, ehe ein Vorfall überhaupt entdeckt und gemeldet werde. Das führe dazu, dass die Beweissicherung oft schwierig werde. Diese Frist wolle man mit Hilfe des Zentrums deutlich verringern, kündigte Beuth an. Er nannte ein Ziel von durchschnittlich neun Tagen, das er als „ehrgeizig“ bezeichnete.

Ein Grund dafür, dass Fälle oft spät bei den Sicherheitsbehörden bekanntwerden, besteht offenbar darin, dass die Betroffenen Kritik fürchten. So bekämen Opfer von Cyberkriminalität „Häme“ zu spüren, beklagte Beuth. Das müsse sich ändern, damit auch das Meldeverhalten besser werde.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Schmaler Grat - Polizei und Verfassungsschutz tauschen sich immer stärker aus

Aus den hessischen Behörden werden pro Jahr rund 200 Fälle von Cyberangriffen gemeldet, doch auch hier vermuten Fachleute eine hohe Dunkelziffer. Bekanntgeworden war Anfang des Jahres der Fall eines hessischen Schülers, der Daten von Politikern, Prominenten und Journalisten gestohlen und online veröffentlicht hatte.

Die neue Dienststelle soll in erster Linie Landesbehörden und Kommunen mit Rat und Tat zur Seite stehen, aber auch Anlaufstelle für betroffene Unternehmen sein. Bei konkreten Bedrohungen, die vor Ort nicht bewältigt werden können, rückt eine mobile Einheit mit der Bezeichnung „Mobile Incident Responce Team“ aus. Ein besonderes Augenmerk gilt nach Beuths Worten der kritischen Infrastruktur. „Strom, Wasser oder die ärztliche Versorgung müssen jederzeit gewährleistet sein“, sagte er. Der Minister mahnte Unternehmensführungen, für ausreichenden Virenschutz auf den Rechnern ihrer Betriebe zu sorgen.

Politisch soll ein hessisches IT-Sicherheitsgesetz die Arbeit der Behörde begleiten. Minister Beuth kündigte an, ein solches Gesetz auf den Weg zu bringen.

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