Islamischer Religionsunterricht an einer Grundschule
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Islamischer Religionsunterricht an einer Grundschule.

Muslime

Zentralrat rät von hessischem Islamunterricht ab

  • Pitt v. Bebenburg
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Hessens Kultusminister Lorz bedauert Haltung des Zentralrats der Muslime zu staatlichem Angebot.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) bedauert, dass der Zentralrat der Muslime Eltern davon abrät, ihre Kinder in staatlich organisierten Islamunterricht an hessischen Schulen zu schicken. Er sei mit seiner „Überzeugungsarbeit nicht durchweg erfolgreich“ gewesen, so formulierte es Lorz am Mittwoch im kulturpolitischen Ausschuss des Landtags.

Lorz hatte vor zwei Wochen bekanntgegeben, dass Hessen den bekenntnisorientierten Religionsunterricht in Zusammenarbeit mit der türkisch-islamischen Organisation Ditib zum Ende des Schuljahres aussetzen werde. Ditib sei als Partner nicht mehr geeignet, da der Landesverband nicht ausreichend unabhängig vom türkischen Staat sei, argumentierte der Kultusminister.

Hessen bietet muslimischen Schülerinnen und Schülern, die bisher an diesem Religionsunterricht teilgenommen haben, künftig einen Islamunterricht an, der vom Staat ohne Zusammenarbeit mit einer Religionsgemeinschaft organisiert wird. Er soll die Schülerinnen und Schüler nach den Worten des Ministers „neutral“ über die Religion informieren und nicht wie der übliche Religionsunterricht mit einem „Wahrheitsanspruch“ auftreten. Auch neue Schüler können sich für diesen Unterricht anmelden, wenn er an ihrer Schule angeboten wird.

Das lehnt der Zentralrat der Muslime ab. Dessen hessischer Landesvorsitzender Said Barkan schrieb auf Facebook: „Wir haben schon beim Start des Schulversuchs gesagt, dass wir ein solches Modell eines durch den Staat erteilten ‚Islamunterrichts‘ für verfassungswidrig halten und nicht unterstützen werden.“ Der Verband empfehle daher allen muslimischen Eltern, „ihre Kinder nicht für das Fach ‚Islamunterricht‘, sondern für das Fach Ethik anzumelden“.

Sechs Schulen steigen ein

Der staatliche Islamunterricht lief in diesem Jahr als Schulversuch an und soll ausgeweitet werden, wenn die Zusammenarbeit mit Ditib zum neuen Schuljahr ausläuft. An sechs Schulen, die bisher nicht dabei waren, soll dieser Islamunterricht dann beginnen. Dazu zählten die Ernst-Reuter-Schule II in Frankfurt, die Mathildenschule in Offenbach und die Anne-Frank-Schule in Raunheim, sagte Lorz.

Zu den Lehrerinnen und Lehrern sollen diejenigen gehören, die bisher bekenntnisorientierten Islamunterricht gehalten haben. Sie würden entsprechend fortgebildet, kündigte Lorz an.

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