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Bauzäune statt Wohngebäude an der Ecke: Die NH ist deshalb vom Kaufvertrag für 205 Wohnungen zurückgetreten.

Offenbach

Zeitverzug auf der Großbaustelle

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Die Nassauische Heimstätte ist vom Kaufvertrag für 205 Wohnungen auf dem Kaiserlei-Campus in Offenbach abgesprungen. Der Bauherr konnte die Wohngebäude nicht rechtzeitig fertigstellen.

Riesige Baustelle, kaum Baufortschritt: Diesen Eindruck gewann so mancher Fußgänger oder Autofahrer in den vergangenen Monaten, wenn er die entkernten Bürotürme auf dem ehemaligen KWU-Areal am Kaiserlei-Kreisel in Offenbach passierte. Der Eindruck hat zumindest bei der Randbebauung nicht getäuscht: Weil der Bauherr zeitlich im Verzug ist, hat die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte (NH) die Reißleine gezogen. Sie ist vom Kaufvertrag für 205 Wohnungen in den Goethering-Häusern zurückgetreten.

Die CG-Gruppe, die seit dem Frühjahr Consus Re GmbH heißt, sollte die sechs- bis siebengeschossigen Wohngebäude als Blockrandbebauung zur Berliner Straße und zum Goethering errichten – direkt anschließend an die zwei ehemaligen KWU-Bürotürme am Kaiserlei-Kreisel, die zum Wohn- und Geschäftspark umgebaut werden. Die Consus Re GmbH ist eine hundertprozentige Tochter des Berliner Immobilienentwicklers Consus Real Estate.

Mega-Projekt

Am Kaiserlei-Kreisel entstehen auf dem 3,5 Hektar großen „Campus Kaiserlei“ mit den zwei weithin sichtbaren entkernten KWU-Türmen, die jetzt „New Frankfurt Towers“ heißen, 840 Mikroapartments und Wohnungen, sowie Büros, Läden und Restaurants. Auch ein Fitnessclub mit Schwimmbad, eine Kita und ein Hotel sind geplant.

Das Goethering-Projekt gehört mit zu den dort geplanten Vorhaben. (ann)

Von dort war gestern keine Stellungnahme zu erhalten, wie es nun mit dem Goethering-Projekt weitergeht. Bedingt durch die Berliner Herbstferien könnten Fragen erst ab nächster Woche geklärt und beantwortet werden, äußerte sich Matteo Twerenbold, der Marketingchef von Consus Real Estate, schriftlich.

Von der Nassauischen Heimstätte, der Wohnungsbaugesellschaft des Landes, kam jedoch Konkretes: „Wir waren nicht zufrieden, wie es beim Goethering-Projekt gelaufen ist“, sagte Frederik Lang, Fachbereichsleiter Kommunikation. Der vertraglich festgelegte Baufortschritt sei nicht erbracht worden und damit seien die Vertragsbedingungen nicht erfüllt, äußerte sich der Leitende Geschäftsführer Thomas Hain. Deshalb beende man die Zusammenarbeit mit dem Bauherrn. Bis wann die Wohngebäude fertiggestellt sein sollten, war nicht zu erfahren. Darüber habe man Stillschweigen vereinbart, so Lang.

Die NH hatte Ende 2018 mit der CG-Gruppe einen Kaufvertrag für den schlüsselfertigen Erwerb von 205 Wohnungen abgeschlossen. 34 davon sollten Sozialwohnungen werden, der Rest sollte „für die Mittelschicht bezahlbares Wohnen möglich machen“, so Lang. Neben rund 14 000 Quadratmetern Gesamtwohnfläche und 340 Quadratmetern Gewerbefläche sollten auch 110 Tiefgaragenstellplätze entstehen. Das Investitionsvolumen belief sich auf 71,2 Millionen Euro. In direkter Nachbarschaft des Goethering-Projekts baut die NH übrigens selbst: Sie erstellt das Goethequartier mit 327 Mietwohnungen, einer Kita, Büroflächen, einem Edeka-Markt mit 2000 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie weiteren Ladenflächen.

„Für uns als Stadt ist dieser Vertragsrücktritt der Nassauischen extrem bedauerlich“, sagt Simon Valerius, Leiter des Stadtplanungsamts. Er geht allerdings davon aus, dass dort trotzdem geförderte Sozialwohnungen entstehen. Das sei mit dem Vorhabenträger so vereinbart. Allerdings müssten neue Förderanträge gestellt werden, was sozialen Wohnraum „in die Zukunft verlagert“.

Nicht nur die Corona-Pandemie sei wohl für den Zeitverzug auf der Baustelle verantwortlich, sondern anscheinend auch interne Umstrukturierungen beim Projektentwickler.

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