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Thorsten Schäfer-Gümbel geht - wer kommt danach?

Thorsten Schäfer-Gümbel

Es war Zeit für einen Wechsel

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Thorsten Schäfer-Gümbel hat seinen Rückzug selbst bestimmt. Nun werden die Karten neu gemischt. Der Kommentar.

Normalerweise wird nach Niederlagen in der Politik laut nach Rücktritt geschrien, auch aus den eigenen Reihen. Manchmal kann sich ein Amtsinhaber trotzdem halten.

Im Fall von Thorsten Schäfer-Gümbel ist es anders. Trotz seiner dritten Wahlniederlage als Spitzenkandidat hat in den vergangenen Monaten niemand öffentlich seinen Rücktritt verlangt, und auch intern blieb es ungewöhnlich ruhig. Dennoch zieht der aufrechte Sozialdemokrat jetzt die Konsequenzen.

Der Schritt ist richtig. Wer Schäfer-Gümbel im Wahlkampf und den Monaten davor beobachtet hat, weiß, dass er alles gegeben hat. Das rechnen ihm seine Genossinnen und Genossen hoch an. Aber da auch der maximale Einsatz nicht gereicht hat, den Sinkflug der SPD zu stoppen, ist es Zeit für einen Wechsel.

Schäfer-Gümbel war 2008 der richtige Mann zur richtigen Zeit, um die niedergeschlagene Sozialdemokratie wieder zu einen. Inhaltlich hat er der SPD viele Impulse gegeben, auch bundesweit: in der Agenda-Debatte, in Fragen der Steuergerechtigkeit, für ein klares Bekenntnis zur Energie- und Mobilitätswende.

Aber er hat nie das Charisma und die Popularität entwickelt, die nötig sind, um Wahlen zu entscheiden. Gegen den matten 67-jährigen Volker Bouffier hätte eine erfrischende Kandidatin wohl bessere Chancen gehabt, sich als Alternative zu profilieren – wie einst Andrea Ypsilanti gegen Roland Koch.

Schäfer-Gümbel hat es geschafft, seinen Rücktritt selbst in die Hand zu nehmen, bevor es zu spät dafür ist. Sein Wechsel in die Entwicklungshilfe erscheint wie eine Herzensangelegenheit, nicht wie ein Versorgungsposten. So ist es ein würdiger Abgang.

Der Zeitpunkt kommt für die hessische SPD nicht schlecht. Sie hat mehrere Jahre Zeit, sich aufzustellen und neue Gesichter bekannt zu machen, wenn die nächste Landtagswahl regulär 2023 stattfindet.

Zugleich besitzt sie ein bisschen Vorsprung auf die Union. Den Christdemokraten steht ein solcher Prozess ebenfalls in dieser Wahlperiode bevor. Denn Volker Bouffier dürfte in fünf Jahren nicht noch einmal an den Start gehen.

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Für Talente in der SPD ist Schäfer-Gümbels Rückzug eine Gelegenheit, stärker in den Vordergrund zu drängen, eigene Themen zu setzen und vielleicht auch neue Bündnispartner in der Gesellschaft zu finden. Vieles spricht dafür, gründlich durchzulüften und die Parteispitze weitgehend zu erneuern.

Es riecht nach Erneuerung in der hessischen Politik. Die Karten werden neu gemischt.

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