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Im Saal schunkelt es sich halt besser als vor dem heimischen Bildschirm.

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„Hessen lacht zur Fassenacht“

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Der HR zeichnet die Sendung „Hessen lacht zur Fassenacht“ auf und erfreut sich vieler Stammgäste.

Die ersten Gags kommen am Freitagabend schon, bevor an den Kameras das Rotlicht leuchtet. Bereitwillig streckt das Publikum im Sendesaal des Hessischen Rundfunks die Zeigefinger in die Höhe, als es dazu aufgefordert wird. Mit teils ungläubigen Blicken folgen die Zuschauer den Anweisungen von Anheizer Kevin, wie er sich selbst vorstellt. „Treppe rauf und wieder runter, da geht’s zum Klo“, sagt der junge Mann im Piratenkostüm, was bei einer dreistündigen Sendung nicht unwichtig sei zu wissen. Das Publikum zeigt sich amüsiert.

Zur Aufzeichnung von „Hessen lacht zur Fassenacht“ haben sich 670 Zuschauer Karten für den ausverkauften Sendesaal gesichert. Über einen roten Teppich sind sie in den bunt geschmückten Rundbau geleitet worden. Dunkelblau abgehängt sind die Wände im Sendesaal, die Bühne leuchtet in vielen Farben.

Auch die Generalprobe am Vorband war ausverkauft gewesen. Sie würde dann gesendet werden, wenn an diesem Abend etwas schiefgehen sollte. Kaum vorstellbar bei dem mehr als zehnköpfigen Regie-Team, das hinter dem blauen Vorhang, und damit unsichtbar für die Kameras, sitzt. Auf mehreren Bildschirmen, mit Mischpulten vor sich, verfolgen die Mitarbeiter das Geschehen auf der Bühne und im Publikum. Auch Pirat Kevin gibt sein Bestes für einen reibungslosen Abend. Seinen Hinweis darauf, dass in einer Fernsehsendung Kaugummis bei den Zuschauern unerwünscht sind, verpackt er, indem er ihnen empfiehlt eben jene unter dem Stuhl, Tisch oder im Haar des Tischnachbarn zu entsorgen.

Und jetzt alle abheben: Showformation Ragazzi aus Limburg.

An den Tischen sitzt das Publikum in Gruppen zusammen, ganz vorne die Polit-Prominenz. Alle sind sie verkleidet, mal einheitlich als Marienkäfer, Flugzeug-Crew, mit Narrenkappen des Elferrats auf den Köpfen oder als Köche. Unter Dutzenden Scheinwerfern, die an der Decke hängen, dürfte so mancher in seinem Kostüm ins Schwitzen kommen.

Die Köche sind eine zwanzigköpfige Gruppe aus Gießen-Allendorf. Rudi Piltz, Sitzungspräsident des örtlichen Faschingsvereins, berichtet, die Karnevalsfreunde hätten in ihrem Fundus gekramt. Seine Frau Elke trägt auf der Kochmütze, individuell gestaltet, Backförmchen und Putzschwämme. Britta und Horst Schmitt, die als Schinken und Spiegelei das Gericht „Strammer Max“ verkörpern, sind schon zum zehnten Mal bei der Aufzeichnung der Sendung dabei, schätzt er. Der 62-Jährige sagt: „Es ist ein guter Einstieg, um richtig schön ins Thema reinzukommen“. Inspirationen würden sich die Fastnachter auf diesem Weg auch für ihre eigenen Sitzungen holen.

Um Punkt 20 Uhr beginnt die Show. Moderator Dieter Voss, verkleidet im Look der 20er Jahre, mit Schiebermütze und karierter Knickerbocker-Hose, betritt die Bühne. Tosender Applaus. Voss singt: „Jetzt geht’s los.“ Ein „Showtanz-Ballett“ begleitet ihn. In den folgenden Stunden wird der Moderator 18 Auftritte ansagen, neben Büttenrednern und Tanzgruppen auch Musiker. Viele kommen aus der Region wie die „Footloose“-Gardetänzerinnen des JSK Rodgau, die ihren Fanklub dabei haben und deren Auftritt für erste stehende Ovationen sorgt. Büttenredner Ralf Falkenstein, der aus Mainz-Kostheim kommt, macht sich Freunde, indem er von Europapokalträumen der Eintracht schwärmt. Außerdem reimt und singt er mit Gitarre über die neue Datenschutzverordnung, US-Präsident Trump und die Wahlschlappen der SPD. Mit Jürgen Drews folgt eines der bekanntesten Gesichter der deutschen Schlager-Szene.

Bewegliche Fühler: Marienkäfer sind gut vertreten im Sendesaal.

Fabienne Schneider und Sebastian Bach sitzen an einem der hinteren Tische. Sie sind, wie ihre drei Freunde, mit blauen und blau-weiß geringelten Shirts als Matrosen verkleidet. Das Paar aus Niederissigheim bei Bruchköbel ist zum dritten Mal bei der Aufzeichnung dabei. „Ich war beim letzten Mal im Fernsehen zu sehen“, sagt die 28-Jährige mit freudiger Stimme. Neben drei großen, schwenkbaren Kameras laufen Kameraleute durch die Zuschauerreihen und filmen das Publikum aus nächster Nähe. Eine Kabelträgerin im Frosch-Kostüm versucht, die Zuschauer aus dem Off durch Winken und Klatschen zu besonders guter Laune zu animieren.

Was anders sei, als sich die aufgezeichnete Sendung in knapp zwei Wochen vor dem heimischen Apparat anzuschauen, beantwortet Schneider so: „Da ist es nicht so lustig, die Stimmung kommt hier viel besser rüber.“ Das Schunkeln und Mitsingen der Faschingslieder würde man zu Hause auf der Couch nicht mitmachen, ergänzt sie. Außerdem gefalle ihr der Anheizer vor Beginn der Show. Den gebe es im TV ja nicht zu sehen. Ihr Partner, in der heimischen Fastnacht selbst Tänzer beim Männerballett, sagt: „Mittendrin statt nur dabei“ sei sein Motto. Kumpel Sascha Biemüller ist zum ersten Mal mitgekommen. „Live ist immer was anderes, genauso wie im Fußball-Stadion“, sagt der 38-Jährige. Er kenne die Sendung aus dem Fernsehen und habe sie sich genau so vorgestellt. Aber klar, zu Hause wollen die Freunde sich die Aufzeichnung natürlich nocheinmal anschauen.

Die Sendung„Hessen lacht zur Fassenacht“ ist gleich vier Mal im Hessen-Fernsehen zu sehen: Donnerstag, 21. Februar, 20.15 Uhr, Mittwoch, 27. Februar, 22.30 Uhr, Rosenmontag, 4. März, 20. 15 Uhr, und Fastnachtsdienstag, 5. März 23 Uhr.

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