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Die neue Direktorin der hessischen Schlösserverwaltung, Kerstin Worms.

Schlösser in Hessen

Die neue Herrin der hessischen Schlösser

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Kirsten Worms ist die neue Direktorin der hessischen Schlösser- und Gärtenverwaltung und will die alten Gemäuer des Landes Hessen in die digitale Zukunft führen.

Mit Schlössern kennt Kirsten Worms sich aus. Schon während ihres Jurastudiums in Heidelberg führte sie Besucher durch die berühmte Ruine oberhalb des Neckars – und auch während ihrer beruflichen Stationen in den für Kultur zuständigen Ministerien von Thüringen und Hessen hatte sie regelmäßig mit alten Adelssitzen zu tun. Allerdings hielt sich der Glamourfaktor bei Aufgaben wie der Projektsteuerung von Sanierungsvorhaben oder dem Aushandeln von Pachtverträgen mit Gastronomen noch in Grenzen.

Seit einem dreiviertel Jahr aber kann sich Kirsten Worms wie eine echte Schlossherrin fühlen. Nachdem ihr Vorgänger Karl Weber im Februar in Pension gegangen war, hatte sie den Posten als Direktorin der hessischen Schlösser- und Gärtenverwaltung zunächst kommissarisch übernommen, Ende September wurde sie dann auch hochoffiziell mit dem Amt betraut.

Arbeitsplatz im Bad Homburger Landgrafenschloss 

Damit verbunden ist ein Arbeitsplatz im Bad Homburger Landgrafenschloss. „Eine sehr privilegierte Situation“, wie Worms zugibt. Wobei ihr Büro trotz der roten Seidentapeten bis auf weiteres provisorischen Charakter hat: Bis die eigentlichen Verwaltungsräume im Königsflügel saniert sind, müssen die Direktorin und ihre Mitarbeiter in einen anderen Schlossteil ausweichen.

Schon seit 2011 ist der Königsflügel wegen statischer Probleme gesperrt. Was den schleppenden Fortschritt der Arbeiten angeht, hält sich Worms bedeckt und verweist auf den zuständigen Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH). Der hatte jüngst mitgeteilt, dass die aufwendige Sanierung noch zwei weitere Jahre in Anspruch nehmen werde. Die Restaurierung der Exponate aus der einstigen Wohnung Kaiser Wilhelms II. und seiner Frau Auguste Victoria, um die sich die Schlösserverwaltung kümmert, sei hingegen „gut im Plan“, teilt Worms mit. 70 Prozent der Objekte seien inzwischen fertig.

Zur Zeit ist der letzte deutsche Kaiser, der sich häufig in Bad Homburg aufgehalten hat, ohnehin ein großes Thema. Eine Veranstaltungsreihe befasst sich mit den Spuren, die Wilhelm II.. in der Kurstadt hinterlassen hat.

Jüngst war der Regisseur Christoph Röhl zu Gast, um seinen Film „Kaisersturz“ vorzuführen, der anschließend im ZDF zu sehen war. Am 6. Dezember wird die Lokalhistorikerin Gerta Walsh über „Wilhelm II. und die Frauen“ sprechen. Schon seit einer Weile ist die Schlossgärtnerei dabei, den Park so zu rekonstruieren, wie er sich um 1900 präsentiert hatte. Dabei gehe es aber nicht um eine unkritische Kaisernostalgie, betont Worms. „Wir wollen ein differenziertes Bild vermitteln.“

Ohnehin ist das Bad Homburger Barockschloss nur eine von insgesamt 45 Liegenschaften, um die sich die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen kümmert - darunter das rekonstruierte Hafenbecken von Bad Karlshafen, das jüngst wieder mit Wasser gefüllt worden ist, oder der Kurpark Wilhelmsbad in Hanau, wo bis 2020 das historische Gartenlokal wieder aufgebaut werden soll. 

Pflege der Gebäude und der Parks 

Weniger spektakulär, aber mindestens genauso wichtig sei das „Dauergeschäft“, sagt Worms, also die Pflege von Gebäuden und Wegen und das Bepflanzen der Parks. Zum Glück habe sie dafür ein Team mit sehr viel Sachverstand zur Verfügung. Das will die neue Direktorin künftig auch stärker der Öffentlichkeit präsentieren. Als Beispiel führt sie die Restaurierungswerkstatt in Bad Homburg an, die jüngst bei einem Tag der offenen Tür großen Zuspruch hatte. „Das machen wir nächstes Jahr wieder“, kündigt die Direktorin an.

Genauso wichtig wie das, was man anfassen kann, sind Kirsten Worms aber auch die digitalen Möglichkeiten. Hier will sie in den kommenden Jahren einen Schwerpunkt setzen. Das fängt bei einem Relaunch des Internetauftritts der Schlösserverwaltung an und geht bis zum Einsatz von Virtual Reality. Mit deren Hilfe könne man etwa Besuchern einer Burg „verschiedene Zeitschichten erlebbar“ machen, erklärt Worms.

Das sei allerdings noch Zukunftsmusik. Konkreter sind die Pläne, nach und nach alle Liegenschaften mit WLAN auszustatten. In Bad Homburg ist das inzwischen geschehen, das Passwort lautet „ipster.me“. Als nächster Schritt soll eine Infosäule mit Touchscreen im Vestibül aufgestellt werden. Das möchte Worms in der Folge gerne zu einem richtigen Eingangsbereich umgestalten, das Café soll dafür an einen anderen Ort verlagert werden. Dessen Lage sei derzeit zwar „sehr charmant“, aber zu beengt. Eine Entscheidung, wo es künftig zu finden sein wird, sei aber noch nicht gefallen.

Besonders wohl fühlt sich die neue Schlossdirektorin, wenn sie einmal Zeit findet, durch den ausgedehnten Park zu spazieren. Hier könne sie gut entspannen, sagt die 56-Jährige. Dabei zieht sie sich gerne an die Orangerie zurück, in der immer noch exotische Zitrusfrüchte gehegt werden und die ein wenig abseits der Hauptwege liegt. Wie gut diese frequentiert werden, kann die Schlösserverwaltung seit kurzem mit Hilfe des neuen WLAN-Netzes feststellen. In den sechs Tagen seit dessen Inbetriebnahme wurden immerhin 15 000 Menschen auf dem Schlossgelände gezählt.

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