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In Wiesbaden gab es erneut keinen Strom (Symbolfoto).

Stromausfall Mainz-Wiesbaden

Wer zahlt nach Stromausfall Schaden?

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Wer den Millionenschaden bezahlen muss, wird gerade geprüft. Eswe hält tagelangen Stromausfall für ausgeschlossen.

Der Stromausfall vom 16. November in Wiesbaden und Mainz hat nicht nur einen Schaden in Millionenhöhe verursacht, er hinterlässt auch viele offene Fragen. Welche Ursache der Kurzschluss im Umspannwerk in der Glarusstraße gehabt habe, werde gerade von Sachverständigen geprüft, sagt Frank Rolle, Sprecher der Versorgungsunternehmens Eswe, dem das Umspannwerk gehört. Bis jetzt sei nur klar, dass die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden KMW für geplante Wartungsarbeiten im Umspannwerk per Fernschaltung an der Hochspannungsleitung eine Umschaltung vornahm.

„Dann kam es zur Fehlfunktion der Schaltung im Umspannwerk“, erklärt Rolle. Diese wiederum führte zu Kurzschluss, Hitze und Qualm. Auch in den anderen drei Wiesbadener Umspannwerken sei es durch die Stromspitzen zu „Fehlfunktionen“ gekommen, weshalb diese erst nach und nach zugeschaltet werden konnten. Biebrich musste am längsten auf den Saft aus der Steckdose warten. Einen Zuschaltautomatismus gebe es nicht. „Man muss hingehen und überprüfen, was passiert ist“, sagt Rolle. Und die Netzleitstelle müsse genau schauen, wie stabil die Netzspannung sei.

Auch wer für den Schaden aufkommt, steht noch nicht fest. Allein das Glaskeramikunternehmen Schott in Mainz spricht von einem Millionenschaden, weil durch die Stromunterbrechung die Temperatur in der Glasschmelze absackte, was größere Mengen Glasgemenge unbrauchbar machte. Auch die Fertigung eines Spiegels für die Astronomie hat es getroffen, der Spiegel ist nicht verkaufsfähig. „Für uns ist das ärgerlich, weil es der zweite Ausfall in einem Jahr war“, sagt Schott-Sprecher Jürgen Breier. Im Herbst 2016 sei die Elektrizität für zehn Minuten weggeblieben, nun für 20 Minuten.

Warum auch der Chemiepark Infraserv in Wiesbaden von dem Kurzschluss betroffen war, obwohl dort ein Teil des Stroms selbst hergestellt und Infraserv als Stromlieferant für die dortigen Unternehmen auftritt, ist nicht geklärt. „Das sind komplexe Zusammenhänge, die Infos gehen noch ein“, sagt Dennis Weber, Leiter der Infraserv-Presseabteilung. Wer haftbar ist, werde geprüft. Beide betroffenen Industrieanlagen verfügen zwar über Notstromaggregate. Aber die könnten nur Teile der EDV, die Schließ-, Beleuchtungs- und Sicherheitssysteme versorgen und nicht die energieintensive Produktion.

Dass sich der Blackout auf größere Gebiete hätte ausweiten und länger, vielleicht einige Tage, hätte andauern können, hält Eswe-Sprecher Rolle für ausgeschlossen. „Nicht von unserem kleinen Wiesbaden aus“, sagt er, es brauche größere Schäden für diesen Dominoeffekt. Für ihn sei die Aufregung um den Stromausfall ein Zeichen dafür, dass die Versorgung in Deutschland sicher sei. Nach sieben Minuten sei das erste Umspannwerk, nach 30 das zweite und nach 70 das dritte wieder ans Netz gegangen.

Sollte der Blackout doch einmal länger dauern, hätten zumindest die Helios-Kliniken vorgesorgt, sagt Sprecherin Simone Koch. Zusätzlich zu den vorhandenen Notstromaggregaten könnten die Kliniken auf mobile Aggregate zurückgreifen.

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