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Das Recht der Anwohner auf Nachtruhe wird immer wieder gebrochen: nächtliche Lufthansa-Maschine auf dem Airport.

Hintergrund

Zahl der Nachtflüge steigt wieder

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Noch immer herrscht nach 23 Uhr keine Ruhe am Frankfurter Flughafen.

Seit Beginn des Sommerflugplans kommt es am Frankfurter Flughafen wieder vermehrt zu Landungen nach 23 Uhr, dem offiziellen Beginn des Nachtflugverbots: 33 waren es im April, 52 im Mai. Das sind zwar längst nicht so viele wie im vergangenen Jahr – mit 72 im April und 185 im Mai. Doch in der Stunde vor Mitternacht werden die Menschen rund um den Flughafen weiterhin mit Lärm beschallt, obwohl ihnen eine sechsstündige Ruhe zusteht.

Und der Krach kommt nicht alleine von Flugzeugen, die wegen Streiks, überfülltem Luftraum, Wetter oder womöglich auch knapp kalkulierter Flugpläne zu spät in Frankfurt eintreffen. Nicht unerheblich ist auch die Zahl der Starts, obwohl die jeweils einer Ausnahmegenehmigungen bedürfen: 52 waren es im April – davon alleine 22 am 11. April, weil die Startbahn West wetterbedingt gesperrt werden musste. 25 im Mai. „Es gab also im April mehr, dafür im Mai deutlich weniger verspätete Starts als im Vorjahr“, resümiert Marco Kreuter, Sprecher des hessischen Verkehrsministeriums, aus dessen Statistik die hier genannten Zahlen stammen. „Die Zahl der Ausnahmegenehmigungen lag zuletzt auch deutlich unter Mai 2017 (49) und Mai 2016 (72).“

Von 23 Uhr bis Mitternacht sind Landungen erlaubt, die sich nicht aus der Flugplangestaltung ergeben. Die Grenze setzt der Planfeststellungsbeschluss bei täglich 7,5 Flügen im Jahresdurchschnitt. Im vergangenen Jahr waren es drei Flüge.

Jeder Start nach 23 Uhr bedarf einer Einzelgenehmigung.

Auch bei der Entwicklung der Landungen sieht Kreuter Fortschritte: „Wir liegen aktuell wieder auf dem Niveau der ,Vor-Ryanair-Zeit‘. Wir bewegen uns also in die richtige Richtung.“ Nachdem Fraport die irische Fluggesellschaft und andere Billig-Airlines mit Neukundenrabatten nach Frankfurt gelockt hatte, hatte sich die Zahl der Nach-23-Uhr-Landungen im Sommerflugplan 2018 zum echten Problem entwickelt: Mit 1593 verspäteten Starts und Landungen gab es im vergangenen Jahr doppelt so viele wie vier Jahre zuvor. Einsamer Spitzenreiter war Ryanair mit einem Anteil von 31 Prozent, gefolgt von Condor (19,6 Prozent), Lufthansa (16) und Tui mit 11,2 Prozent. Verantwortlich für die Zunahme waren vor allem die Landungen. Die Zahl der Starts blieb relativ konstant.

In diesem Jahr sind es dieselben Airlines. Doch sie haben weniger oft das Nachtflugverbot gerissen. Bislang. „Niemand kann derzeit garantieren, dass die Situation sich nicht wieder verschärft, da die strukturellen Probleme im europäischen Luftraum weiter bestehen“, sagt Kreuter. Die seines Erachtens positive Entwicklung führt er auch auf den Kontrolldruck zurück, den die hessische Luftaufsicht und die im Ministerium ansässige Stabstelle Fluglärmschutz aufgebaut hätten: „In der Folge haben mehrere Airlines ihre Flugpläne angepasst und Flüge nach vorne verlegt.“

In die Kategorie „Kontrolldruck“ fallen Gespräche mit den Airlines. Und die aktuell 162 Bußgeldverfahren gegen Piloten, die das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt inzwischen bearbeitet. Außerdem, ergänzt RP-Sprecher Christoph Süß, seien drei Bußgeldverfahren gegen die jeweilige Fluggesellschaft eingeleitet, wegen regelmäßiger verspäteter Landungen einer bestimmten Flugnummer. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. „Nachdem die Piloten und die Fluggesellschaften angehört worden sind, warten wir nun noch auf Stellungnahmen der Deutschen Flugsicherung.“ Bußgeldverfahren gegen die Fluggesellschaften erfordern einen noch komplexeren Ermittlungsaufwand als gegen die einzelnen Piloten.

Angesichts dessen hat Hessen über den Bundesrat eine Änderung des Luftverkehrsgesetzes auf den Weg gebracht, die nun im Bundestag liegt. Ziel ist, dass Verfahren wegen Verstößen gegen Nachtflugbestimmungen sich direkt gegen die Fluggesellschaften richten können statt gegen den jeweiligen Piloten.

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