Kinder- und Jugendhilfe

Zahl der Inobhutnahmen geht in Hessen weiter zurück

  • Jens Joachim
    vonJens Joachim
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Überforderte Eltern als Hauptgrund für Einschreiten der Behörden. Das Statistische Landesamt legt die Jahresbilanz der Kinder- und Jugendhilfe in Hessen für 2019 vor.

Im vorigen Jahr sind abermals weniger Minderjährige von den hessischen Jugendämtern in Obhut genommen worden als 2018. Das Statistische Landesamt teilte mit, in rund 4100 Fällen hätten die Behörden vorläufige Schutzvorkehrungen zum Wohl der Kinder und Jugendlichen für erforderlich gehalten. Das waren zwei Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Entwicklung verlief allerdings nicht einheitlich. So hatte nach Informationen der Frankfurter Rundschau das Darmstädter Jugendamt im vergangenen Jahr 150 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen. Das waren laut Klaus Fischer, dem Leiter des städtischen Sozialdienstes und stellvertretenden Darmstädter Jugendamtsleiter, 17 Kinder und Jugendliche mehr als 2018 und 39 mehr als im Jahr 2017.

Laut der Jahresbilanz prüften die hessischen Behörden in 14 078 Fällen, ob Kinder und Jugendliche in ihren Familien oder in Heimen gefährdet waren. Das Statistische Landesamt ließ zudem wissen, dass sich die Anzahl der Gefährdungseinschätzungen in Hessen seit der ersten Erhebung im Jahr 2012 fast verdoppelt habe. Allerdings bestätigte sich der Verdacht einer Gefährdung im vergangenen Jahr nur bei einem Drittel der Prüffälle. Bei 19 Prozent der Fälle habe eine „akute“ und in 15 Prozent eine „latente Kindeswohlgefährdung“ vorgelegen. Unter den gefährdeten Kindern und Jugendlichen waren 44 Prozent jünger als sieben Jahre. Vernachlässigung sei mit einem Anteil von 49 Prozent die am häufigsten festgestellte Gefährdung gewesen.

Die Hauptgründe für eine Inobhutnahme waren mit 39 Prozent überforderte Eltern und unbegleitete Einreisen von Minderjährigen aus dem Ausland (21 Prozent). Etwas mehr als die Hälfte der Betroffenen waren älter als 14 Jahre.

Im Jahr 2019 ordneten die hessischen Familiengerichte zudem mehr als 1000 Vorkehrungen zum vollständigen oder teilweisen Entzug des elterlichen Sorgerechts an. Das war gut ein Prozent mehr als 2018.

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